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gel und Blätter den Vorrath an Humus wie an Brenn ſtoff geben.
Als immergrüner Strauch wuchert die Moor⸗ oder Vierlingshaide(erica tetralix) auf feuchten Moorflä chen, wo ſie ihre wolligflaumigen dünnen Blätter lebens⸗ froh entfaltet, ſüßen Honiggeruch aus den fleiſchrothen, lilafarbnen oder weißen Blüthendolden aushaucht und der düſtern Ebene hellere Farbenſtreifen verleiht. und da ſchießen die glatten Stengel einer Binſengruppe empor, oder auf ſtumpfkantigem Halm wiegt das Woll gras(eriophorum) über ſchmalen Blättern den ſchwärz lich grünen Balg, aus welchem bei der Reife baumwollen artiger Flaum locker heraushängt, aus welchem der Moorbewohner Lampendochte dreht oder ſie mit Schaf⸗ wolle zur Anfertigung gewiſſer Zeuge mengt. Vor allem aber bilden die unſcheinbaren Torfmoore breite Raſen⸗ polſter mit ihren grünlichen Blättern, die ſich gelb und im Alter roth färben, während ihre Wurzeln ſich zu einem dichten Filz in⸗ und durch einander verſchlingen, welcher ſogar die Dicke von einem Fuß und darüber erhalten kann. organiſirt, daß ſie nicht nur aus ihren vermodernden Wurzeln heraus fortwachſen, ſondern auch die Anſamm⸗ lung der ſchwarzen Moorerde veranlaſſen. Das außer⸗ ordentlich kleine Blatt beſteht aus langen Zellen, die mit den Spitzen in einander verlaufen, dabei Löcher in den Windungen und Gänge zwiſchen je zwei Zellen haben, ſo daß manche Arten auf dem Waſſer ſchwimmen.
Dieſe drei unſcheinbaren Pflanzenarten erzeugen vorzugsweiſe unter gewiſſen Umſtänden die Moore, die ein ſprechendes Zeugniß von dem Werden und Geſtalten der Erdoberfläche ablegen. der Torf, der an manchen Stellen nachwächſt, wenn er geſtochen iſt? Die Frage iſt nicht ſo leicht zu beantwor ten, als es ſcheinen mag. Sie hat die Naturforſcher viele Jahrzehnte beſchäftigt, ehe ſie genügend gelöſt wurde, nachdem man mit dem Vergrößerungsglaſe die einzelnen Beſtandtheile des Torfes genau unterſucht hatte.
Da die tiefſten Torfſchichten aus Schlammerde be⸗ ſtehen, die oberen aus mehr oder minder vermoderten Haidekraut-, Torfmoos⸗ und Wollgraswurzeln, ſo geht daraus unzweifelhaft hervor, daß dieſe Pflanzen die Bil dung des Moores veranlaßten. Die eine Partei der Naturforſcher nimmt an, daß in ſtehendem Waſſer kleine mikroskopiſche Pflanzenzellen, Conferven genannt, ſich erzeugen, beim Abſterben zu Boden ſinken und dadurch eine Schlammdecke bilden, die bis an die Oberfläche des Waſſers ſteigt, worauf Moos, Binſen, Riedgras und
endlich Haidekraut ſich anſiedeln, deren vermodernde
Bächen ab, in der Mitte dagegen ſammelt es ſich an, ſo daß das ganze Moor etwa einem Uhrglaſe gleicht, deſſen Mitte höher iſt als die flachen Ränder. Unterſucht man
die Torfablagerungen auf dem ſandigen Untergrunde
Hier
genauer, ſo begegnet man von unten aufſteigend zuerſt einer ſchmalen Schicht Moostorf, auf welche eine breite Schicht braune und eine ebenſo ſtarke Schicht ſchwarze Torferde folgt, über welcher endlich das Wurzelgeflecht der noch lebenden Pflanzen als Bunkerde aufliegt. Der
Moostorf beſteht aus Torfmoos, das in Form und Ge
ſtalt vollſtändig erhalten iſt. Denn der Moostorf ent⸗
ſteht, ſobald das Moos von der Luft abgeſperrt und unter
Dabei ſind dieſe kleinen Mooſe ſo eigenthümlich
Wie entſteht denn nun aber
Waſſer erhalten wird, ſo daß es verſteinert, wobei die Moorſchichten, die ſich darauf lagern, ſeine Stengel und Wurzeln etwas platt preſſen. Die harzreichen Haide⸗ krautwurzeln vermodern im Waſſer dagegen zum Theil vollſtändig, andre ſaugen das freigewordne Harz auf und erhalten ſich wie einbalſamirt. Da aber auch die Moder⸗ erde von dem Pflanzenharz getränkt wird, ſo verwandelt ſie ſich in einen brennbaren Stoff. Sinken Bäume in das Moor, ſo werden ſie von deſſen Harzöl durchzogen und verſteinern gewiſſermaßen. Legen ſich aber über ſolche vermoderte Pflanzen⸗ und Baumſchichten Sand, Lehm oder Thon, welche das Waſſer abhalten, ſo tritt eine ſtärkere Verkohlung ein und der Torf verwandelt ſich in Braunkohle, die ſich mit Pflanzenharze tränkt. Wo Braunkohlenlager ſich befinden, muß alſo vor Jahr tauſenden Wald geſtanden oder viel Holz angeſchwemmt ſein. Durch den Druck erleiden ſolche verſchüttete Harz baumwaldungen eine Art Gährung; wird dieſe ſehr ſtaͤrk, ſo erhält die Kohle ein ſteinartiges Anſehn und metal— liſchen Glanz, d. h. ſie wird Steinkohle.
Schon dieſer flüchtige Ueberblick über die Entſtehung der verſchiedenen Kohlenarten läßt uns die großen Ver⸗ änderungen ahnen, die auf Erden vorgegangen ſind, ſeit jene Palmen⸗ und Farrnwälder der Steinkohlenperiode ſo hoch verſchüttet wurden, daß ſie zuweilen mehrere Tauſend Fuß tief unter der Erdoberfläche liegen. Viele der unter ewigem Eis ſtarrenden Inſeln des Nord⸗ und Südpols ſind reich an Steinkohlenlagern, haben alſo vor Urzeiten Palmen und thurmhohe Farrnbäume getragen! Aber kehren wir zu unſern Mooren zurück, um auch von dieſen Nachrichten über die Beſchaffenheit der nord deutſchen Ebene in uralten Zeiten zu erhalten!
Wie ſollen dies Moore erzählen? wird mancher Leſer fragen. Freilich bleiben die Moore ſtumm, aber der
ſcharfſinnige Menſch weiß aus vorgefundenen Thatſachen
Wurzeln den Boden noch mehr anfüllen. Indeß läßt ſich
auf dieſe Weiſe die Entſtehung des Moores nicht hin—
reichend erklären, weshalb die andre Anſicht wohl die richtigere iſt, daß ſich nemlich eine Haide dann in Moor verwandelt, wenn ſie häufig unter Waſſer ſteht, das Waſſer aber nicht durchſickern noch abfließen kann. Dieſes wird der Fall ſein, wenn der Boden entweder aus Thon beſteht, oder ſich aus niederſinkenden Wurzelreſten eine Schlammſchicht über den Sandboden gelegt hat, welche das Waſſer am Durchſickern hindert, worauf die Torfmooſe abzuſterben beginnen und Haidekraut ſein Netzgewebe über den ſchwammigen Boden ſpinnt, wobei die abfallenden Wurzeln und Blätter des Haidekrauts die Schlammmaſſe vergrößern. An den Seiten des
Moores läuft das ſchwarze Moorwaſſer in Gräben und
Moores geben einige Kunde.
ſo weitreichende Rückſchlüſſe zu ziehen, daß er aus der Beobachtung ſchweigſamer Moore ſichre Kunde über eine Jahrtauſende weite Vorzeit erhält.
Wo ſich jetzt Moore ausbreiten, müſſen ſich einſt ſandige Haideſtrecken ausgedehnt haben, und da man in einigen Mooren umggeſtürzte verſunkene Kieferwälder findet, ſo ſcheinen dieſelben Gegenden einſt bewaldet ge⸗ weſen zu ſein. Aber wann? Die Einbalſamirungen des In einem Torfmoor fand man den Körper eines verſunkenen Urbewohner Deutſch⸗ lands in voller Kleidung wohl erhalten, an zwei andern Stellen entdeckte man einige Fuß tief unter dem Moor die Knüttelbrücken, über welche die römiſchen Heere vom Zuyderſee her in die Ems- und Weſergegenden eindran gen. Zu jenen Zeiten hatten ſich die Moore alſo bereits gebildet, denn ſchon damals fand die Ems gewaltige Dünen, an denen ſie entlang floß, dabei die Haidemulde
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