Jahrgang 
1857
Seite
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wol geeignet, anzudeuten, wie das Innere eingerichtet werden kann. Das erſte, größere Bild, worin wir Gruppen aus verſchiedenen Wintergärten(aus dem Win⸗ tergarten zu Bieberich und aus dem Palmenhauſe des Herrn Geitner in Planitz bei Zwickau) vereinigt darſtel⸗ len, gibt einen Begriff von der maleriſchen Aufſtellung tropiſcher Pflanzenformen. Doch vermiſſen wir dabei die ſo leicht in jedem Wintergarten zu ziehenden Bananen⸗ oder Piſangpflanzen mit ihren 10 Fuß langen breiten Blättern. Das zweite Bild ſtellt einen als Salon be⸗ handelten Wintergarten in einem Privathauſe in Paris vor. Man wird bemerken, daß die Aufſtellung ſymmetriſch und die Einrichtung ziemlich glänzend iſt. Auf dieſe Weiſe läßt ſich jeder helle Salon oder ſonſtige helle Raum auch ohne oberes Licht einrichten. Beſonders eignen ſich hierzu

Gebäudeflügeln. Er vertritt den Salon, und iſt für alle Feſtlichkeiten und Geſellſchaften geeignet. Das dritte Bild zeigt ein kleines Zimmergewächshäuschen im neue⸗

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ſten Pariſer Geſchmack, einen Wintergarten, in den man nicht ſelbſt treten kaun, und deſſen Schönheiten von außen betrachtet werden. Man wird zugeben, daß nichts Zier⸗ licheres der Art erfunden werden kann. In größeren Verhältniſſen ausgeführt könnte es auch als großer Win⸗ tergarten dienen, und wäre ſehr wohl als thurmähnlicher Ausbau an einem Wohnhauſe anzubringen.

Die Leſer werden ſich aus dem Vorhergehenden einen Begriff machen, mit welchem Aufwand von Mühe und Geld ein ſolcher Wintergarten verbunden iſt. Um ein

Beiſpiel anzuführen, welche Anſtalten allein zur Heizung nöthig ſind, will ich erwähnen, daß die Erwärmungs⸗ röhren in dem Conſervatorium zu Chatsworth von Kupfer, worin fortwährend heißes Waſſer ſtrömt, 14,400 Fuß

4 ſ lang ſind, daß eine Eiſenbahn unterirdiſch die Kohlen zu weite Verbindungsgänge zwiſchen zwei Gebäuden oder

den Heizräumen bringt, daß in 8 großen Keſſeln das Waſſer kochend gemacht, und der Rauch eine große Strecke unter der Erde weggeführt wird, um ihn vom Gebäude und dem Blumengarten zu entfernen.

Die Schnee- und Eisfelder in den Alpen der Schweiz.

Von A. W. Grube.

Der anhaltend warme trockne Juli des Jahres 1856 riß ſelbſt in den ſonſt ziemlich dichten Schneemantel des hohen Säntis, des nördlichſten Alpenſtocks, der von ſeinem 7700 Fuß hohen Gipfel ſtolz auf den Spiegel des Boden ſee's ſchaut, arge Löcher. Aber ganz entblößt wurde die Schulter des Bergrieſen doch nicht, und als nach einigen Gewittern im Auguſt die Luft ſich plötzlich abkühlte, ſah man ein neues weißblinkendes Gewand über die alten fahl gewordenen Schneelappen geworfen. Obwohl es nun ein ſeltner Fall iſt, daß der Schnee von ſolchen Höhen, wie der Säntis iſt, auch im heißen Sommer ganz ſchwindet, vielmehr die Schneemaſſen in den tieferen Riſſen und Schlünden oft bis zu 7000 Fuß und noch tiefer herabhangen: ſo nimmt man doch als die Grenze des ewigen Schnees in dem nördlichen Theil der Alpen gewöhnlich die Höhe von 8000 Fuß an; nach Süden hin geht die Rheingrenze 1000 und mehr Fuß höher hinauf; doch kommt ſehr viel auf die Lage, ja ſelbſt auf die Form der Berge an, da der Schnee an ſteilen Felspyramiden, Säulen und Nadeln nicht haften kann, und ſomit ſehr hohe Häupter oft ſchwarz und kahl über die an ihren Füßen ſich ausbreitenden Schnee⸗ und Eisfelder empor ragen.

An kühleren Regentagen ſchneit es auf den Alpen bis über 7000 Fuß ſehr oft mitten im Sommer; über 8000 Fuß Höhe iſt der Regen ſchon ſelten, bei 10,000 Fuß*) Höhe tritt er wahrſcheinlich ganz zurück. Nun denke man ſich, daß die meiſten Häupter der graubündner, Berner, Walliſer Alpen die Höhe von 8000 Fuß, viele die von 10,000 Fuß überſchreiten, daß Hochflächen und Hoch thäler von der Säntishöhe nichts Seltens ſind, und man wird ſich eine Vorſtellung bilden können von den Schnee⸗ und Eisfeldern, die ſich in jenen Höhen lagern müſſen.

*) Es iſt ſtets von der Erhebung uͤber dem Meeresſpiegel oder von

der abſoluten Höhe die Rede.

Wer eine Keller'ſche Spezialkarte der Schweiz oder auch nur einen Sydow'ſchen Atlas hat, worin die Eis meere der Alpen gut verzeichnet ſind, der wird mit dem erſten Blick überſchauen, welch' bedeutenden Raum blos dieGletſcher einnehmen. Die Summe ſämmtlicher Gletſcher in den Alpen überſteigt wahrſcheinlich die Zahl 600; die größeren davon ſind 6 bis 7 Stunden lang, eine halbe bis eine ganze Stunde breit und oft mehr als 500 Fuß mächtig. Das Eismeer des Berninaſtocks mag wohl 16 Stunden im Umfange haben; die Gletſchermeere der Finſteraarhorngruppe ziehen ſich fort in einer Länge von ca. 20 Stunden. Hugi hat die Oberfläche der Gletſcher in den Berneralpen allein auf 100 Quadratſtunden be⸗ rechnet.

Die Gletſcher dringen von ihrer kalten Höhe hinunter ins grüne Bergland; der 8 Stunden lange Aletſchgletſcher reicht bis zu 4000, der untere Grindelwaldgletſcher noch tiefer, bis zu 3200 Fuß(alſo noch 300 Fuß tiefer als die Höhe des Brockens von 3500) herab. Die höchſte Spitze der Gletſcher überſchreitet ſelten die Höhe von 9000 Fuß, denn zu ihrer Bildung gehört ein tropfbar flüſſiger Zuſtand des Schnees, und in jenen Höhen ſchmilzt der Schnee kaum, er iſt bei der großen Fein⸗ heit und Trockenheit der Luft trocken und feinkörnig, gleich den Eisnadeln, die bei ſehr kaltem und trockenem Froͤſt auch wol in die Ebenen hinabſchneien. So hatten denn die großen Berghäupter noch über der Region des Eiſes ihren weißen aus Firnſchnee gewobenen Mantel umgehängt, und begreiflicher Weiſe ſind die Schneeflächen noch ausgedehnter, als die Eismeere.

Aber, wird hier der geneigte Leſer vielleicht fragen, wenn es in den Hochalpen Jahr aus Jahr ein ſchneit, ſo iſt zu verwundern, daß die Schneemaſſen ſich im Ganzen gleich bleiben und nicht in unzähligen Lawinen, Alles zer⸗ ſtörend, in die Thäler hinabrollen! Nun, dieſelbe Weis⸗ heit, welche dafür geſorgt hat, daß die Bäume nicht in den Himmel wachſen, hat auch dem Schnee und Eis der

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