Jahrgang 
1857
Seite
89
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Kleiner Zimmerwintergarten.

lichkeiten übertreffen diejenigen des Wintergartens zu Bieberich jedenfalls. Auch der Wintergarten der nahen Billa des Kronprinzen in Berg iſt großartig, höchſt ge⸗ ſchmackvoll und reich an herrlichen Pflanzen. Dagegen

iſt der berühmte Wintergarten zu Bieberich, aus einer

großen Anzahl zuſammenhängender Gewächshäuſer be⸗ ſtehend, zur Zeit ſeiner prächtigſten Ausſchmückung dem großen Publikum geöffnet, eine Einrichtung, die uns wahr⸗ haft fürſtlich erſcheint. Er beſteht aus mehreren Gewächs⸗ häuſern mit ſehr abweichenden Pflanzenformen. In der

Anordnung iſt das Maleriſche vorherrſchend, und es iſt Landes ſein!

dort, wenn auch im kleineren Maßſtabe als in den er⸗ wähnten großen Wintergärten, die Anordnung vielleicht die gelungenſte und ſchönſte unter allen. Wir ſehen allerdings nur kleinere Landſchafts⸗ und Vegetationsbilder, aber jedes iſt ein Kunſtwerk und feſſelt den Beſchauer lange Zeit. Auch hier finden wir Urwaldsſcenen nachgeahmt, Felſenpartien, Waſſerfälle, verſchlungene Lianengeflechte u. ſ. w., aber ſie ſtellen ſich ſogleich als ein Kunſtwerk dar, wollen nicht täuſchen, und bringen ſo im Grunde einen reineren Genuß hervor. Ueberraſchend iſt die Blu⸗ menpracht in den Monaten Januar bis April, beſonders im März und April, und in dieſer Beziehung hat kein anderer Wintergarten einen ſo großen Ruf erlangt. Von Zeit zu Zeit werden in Verbindung mit den Biebericher Wintergärten Blumenausſtellungen abgehalten, die Tau⸗ ſende von Beſuchern in dieſes Winterparadies an den Ufern des Rheins locken.

Ich will nun noch der Wintergärten des kaiſerlichen botaniſchen Gartens in St. Petersburg gedenken, welche ſeit kurzem dem Publikum im Winter geöffnet ſind. Um den Leſern einen Begriff zu geben, wie weit

Cocospalmen, Zuckerpalmen, die Mauritiapalmen, Pal⸗ myrapalmen, Mainpalmen einen Wald bilden und die kurzſtämmigen Sago⸗ und Zapfenpalmen überragen, ein Wald über dem Walde, wie A. v. Humboldt von den Palmen ſagt. Ein 30 Fuß hoher Springbrunnen verbreitet Friſche und Leben. Die Wege winden ſich parkartig durch dieſe tropiſchen Urwaldsſcenen und füh⸗ ren ſtets zu den ſchönſten Bildern und Gruppen. Trotz einer Kälte von 30 Grad und darüber blühen in dieſen herrlichen Räumen fortwährend Blumen aller Zonen. Welcher Genuß mag dies für die Bewohner jenes rauhen

Aber man braucht weder Kaiſer, noch Engliſcher oder Deutſcher König und Herzog zu ſein, um einen Winter⸗ garten zu haben; ja wir hoffen, daß manche unſrer Leſer ſo vom Glück begünſtigt ſind, ſich in ihrem Hauſe den Genuß der ſommerfriſchen Natur in einem Wintergarten verſchaffen zu können. Manche andere Liebhaberei koſtet viel mehr, und gewährt weniger Genuß. Ein mit Glas bedeckter Balkon, ein als ſolides Gewächshaus eingerich⸗ teter Bodenraum, ein hohes, helles Zimmer, ein auf dem Dache eines niedrigeren Nebengebäudes angebrachtes mit den Hauptzimmern in Verbindung geſetztes Gewächshaus kann einen netten Wintergarten geben. Man braucht auch dazu nicht durchaus tropiſche Gewächſe und Palmen, denn es gibt unter den Pflanzen, die ſich mit einer gerin⸗ geren Wärme begnügen, genug von höchſt maleriſchem

Anſehen, prächtigen Blüthen und allen Eigenſchaften, die

es die Kunſt in dieſem nordiſchen Lande gebracht hat, führe ich ſie jedoch nur in die Abtheilung der Palmen. Der

Mittelbau iſt 77 Fuß hoch; und doch berühren die Wedel der Palmen bereits die hohe Kuppel und ſehen ſo geſund aus, wie in ihrem Vaterlande. Hier ſehen wir die

den Sinnen angenehm ſind. Ich erinnere nur an die ge⸗ meine Fächerpalme, an die Dattelpalme, die prächtigen Drachenbäume(Dracaena), die Alöe(Agaue), die Yucoa, die Camellien u. a. m., welche ſich mit 4 6 Grad Wärme begnügen, ſo daß der Wintergarten blos zur Zeit des Beſuches wärmer geheizt zu werden braucht.

Die beigegebenen Bilder geben zwar nur einen ſehr unvollkommenen Begriff von der Pracht eines Win⸗ tergartens, wie ich ſie zu beſchreiben verſuchte, ſind aber