Jahrgang 
1857
Seite
88
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Salonartig eingerichteter, reich verzierter Wintergarten

300 Fuß hoch. Das Gebäude nimmt einen Flächenraum von 30 engliſchen Ackern, oder ungefähr 45 preußiſchen Morgen ein. Rings um den Kryſtallpalaſt dehnt ſich ein Park von 389 Acker Flächengehalt, der, zum Theil regelmäßig gehalten und der Architektur angepaßt, das Prächtigſte iſt, was der Art in neuerer Zeit geſchaffen wurde. Es befinden ſich darin zwei Springbrunnen von 200 Fuß Höhe.

In den erwähnten Wintergärten wurde aber noch nicht das Vollkommenſte geleiſtet, was auch durch ihre beſondere Beſtimmung verhindert wurde. Weit höher ſtehen mehrere zu Wintergärten eingerichtete Gewächs häuſer von Fürſten und Privatperſonen. Seinen großen Ruf verdient das Conſervatory zu Chatsworth, Beſitz⸗ thum des Herzogs von Devonſhire, von Paxton, der früher hier Obergärtner war, erbaut und eingerichtet. Das Gewächshaus iſt 280 Fuß lang, 140 Fuß breit und unter der Kuppel 60 Fuß hoch. Es beſteht aus dem kuppelförmigen Mittelſchiff und niedrigen Seitenſchiffen, hat alſo Aehnlichkeit mit einer byzantiniſchen Baſilika. Die Säulen, welche das Mittelſchiff tragen, ſind hohl, und bilden Röhren für das Regen⸗ und Tropfwaſſer, das ſie in die zur Heizung nöthigen Dampfkeſſel führen. Das Glas nimmt eine Fläche von 60,000 Quadratfuß ein und koſtet jährlich mehrere hundert Thaler Fenſterſteuer. Die Hauptwege dieſes Gartens ſind 15 Fuß breit, können alſo ſehr gut befahren werden. Sie ſind bald mit Alleen von Orangenbäumen, bald mit Piſangs und Palmen ein gefaßt. Alle Pflanzen ſtehen im freien Grunde wie in ihrem Vaterlande. Wir ſehen hier den Bambus 60 Fuß hohe vielſtämmige Büſche bilden, die Farrenbäume in ihrer unübertrefflichen Anmuth und Zierlichkeit. Die Ein⸗ theilung iſt regelmäßig, was der maleriſchen Gruppirung

einigermaßen nachtheilig iſt. Davon ſticht die Felſenpartie von 30 Fuß Höhe, höchſt maleriſch und natürlich aus nur großen Blöcken geformt und mit der reichſten tropiſchen Vegetation bedeckt, ſehr vortheilhaft ab. Zu ihren Füßen und theilweiſe noch von Felſen und Tropfſteinen eingefaßt, breitet ſich ein klarer, flußähnlicher Teich 70 Fuß lang aus, von der üppigſten, ſaftigſten Ufervegetation umge⸗ ben. Um die Kuppel des mächtigen Glasdomes läuft eine Gallerie, von welcher man die tropiſche Pflanzenpracht von oben überſchauen kann, und erſt von dieſer Höhe herab bekommt man einen Begriff von der Schönheit der Palmenformen.

In England gibt es noch zahlreiche Wintergärten an den Schlöſſern, denn bekanntlich bringen die engliſcheu Großen den Winter bis zum März und April auf dem Lande zu, wo ihnen ein ſolcher Wintergarten unentbehr⸗ lich wird. Sie ſind, wenn auch nicht groß, doch oft ſchöner eingerichtet, als der zu Chatsworth, und liegen meiſt unmittelbar an dem Wohngebäude. In Frankreich, wo der Adel wenig Güter hat und das Landleben nicht liebt, gibt es verhältnißmäßig wenige Wintergärten. Doch findet man in und um Paris manchen ſchönen der⸗ artigen Platz. Der ausgezeichnetſte iſt wohl der des Herrn Fion in Verſailles, der ganz wie ein Park ange legt iſt. 1

In Deutſchland beſitzt gegenwärtig der Herzog von Naſſau in Bieberich den prächtigſten Wintergarten. Der des Luſtſchloſſes Wilhelma bei Stuttgart, deſſen prachtvolle Gebäude ganzim mauriſchen Styl(wie das ganze Schloß) angelegt und decorirt ſind, ſoll dem zu Bieberich wenig oder nichts nachgeben; allein er iſt und bleibt für das Publikum ein Geheinmiß und darf nur mit beſonde⸗ rer Erlaubniß des Königs betreten werden. Die Räum⸗

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