Jahrgang 
1857
Seite
87
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Das ſoll eine Pille für mich ſein? Gut! ſprach Schleier.Aber wieder auf meinen Pelz zurückzukom⸗ men! Denſelben konnte der Dieb weder in ſeine Taſche, noch in den Hut ſtecken. Er mußte ihn entweder unter dem Arme, oder in den Händen oder angezogen auf ſei nem Leibe davon tragen. Und wenn ſonſt auf Niemand in der Welt, ſo ſollten Sie doch auf meine Perſon und meinen theuern Pelz Ihre Aufmerkſamkeit richten. Man könnte ja ſonſt beargwöhnen, daß Sie mit dem Pelzdiebe im Einverſtändniſſe wären.

Herr Oberpoſtrath!

Man ſpricht nur ſo, verſetzte Schleier auf jenen

Warnungsruf des tiefverletzt ſich fühlenden Petſchirers.

Ein Pelz, wie der meinige war, müßte Ihnen recht gute Dienſte hier in meiner Hausflur leiſten. Meinen Sie nicht auch ſo?

Herr Oberpoſtrath! rief Julius zornbebend.

Mit Ihnen, Herr Pech fuhr Schleier fort iſt auch das Pech in mein Haus eingezogen. Faſt hun⸗ dert Thaler koſtet mich der geſtohlene Pelz. Was ſind dagegen Ihre lumpigen ſechzig? Und dann kommt, ſeit⸗ dem Sie hier ſitzen, die ganze Nachbarſchaft nach Röhr⸗ waſſer in mein Haus und meinen Hof, begießt die Stein⸗ platten mit Waſſer, das dann zu Eis gefriert und das Auftreten lebensgefährlich macht. Zweimal ſchon war ich in Gefahr, hinzuſtürzen und einen Arm oder ein Bein, wohl gar das Rückgrat zu brechen. Säßen Sie nicht hier, ſo ſchlöſſe ich den Tag über meine Hausthüre und

meinen Hof zu, und das Gelaufe nach Waſſer wäre zu Ende. Sie beharren alſo dabei, meinen Pelzdieb nicht geſehen oder erkannt zu haben? Gut! ſo werde ich meine Maßregeln darnach treffen.

Mir fällt eben etwas bei ſprach Juliusdas vielleicht einiges Licht über den ärgerlichen Vorfall ver⸗ breiten könnte. Kurz vor Ihrem Erſcheinen, Herr Ober⸗ poſtrath, blies ein mir unbekannter Menſch plötzlich meine Lampe aus. Sollte derſelbe vielleicht mit Ihrem Pelz diebe im Einverſtändniß gehandelt und der Letztere in der bewirkten Finſterniß ſeine Flucht unbemerkt ermöglicht haben?

O wie dumm, ſich die Lampe ausblaſen zu laſſen!

rief Schleier voll Aerger ausUnd noch viel dümmer, nicht ſogleich eine Schelmerei darunter zu vermuthen. Wahrlich, Herr Pech, ich hätte Ihnen mehr Grütze zuge⸗ traut. Ich an Ihrer Stelle hätte weder den Lampenaus⸗ bläſer, noch den Pelzdieb entwiſchen laſſen. Gewiß tragen Sie ein Haſenherz in ſich.

Auf die Kunſt des Sackhüpfens verſtehe ich mich

nicht, erwiederte Julius ſpitzund ſicher würden

Sie an meiner Stelle gleichfalls nichts haben thun kön⸗ nen, wenn Ihre Füße in dieſem feſt zugezogenen Pelzſacke gleichſam gefeſſelt geweſen wären, die Finſterniß noch gar nicht dabei in Anſchlag zu bringen.

Nun, ſo bleibt mir nichts übrig ſagte Schleier als die Pelzangelegenheit in die Hände der lieben Polizei zu legen.(Fortſetzung folgt.)

Die Wintergärten.

Von Hermann Jäger.

Zweiter

Ein Seitenſtück zu dem Wintergarten von Paris,

aber in noch viel größerem Maaßſtabe ausgeführt, wurde

in neueſter Zeit derKryſtallpalaſt in Sydenham bei London, von welchem bereits ſo viel in den Zeitungen die Rede geweſen iſt, daß wohl die meiſten Leſer etwas von ihm wiſſen. Das von dem Gärtner Joſeph Paxton erbaute gewächshausähnliche Rieſengebäude für die Welt⸗ ausſtellung in London mußte in Folge eines Parlaments⸗ beſchluſſes bekanntlich aus dem Hydepark entfernt wer⸗ den. Die Beſitzer deſſelben, Sir Joſeph Paxton an der Spitze, verwendeten es zu einem großen Wintergarten, der in etwas veränderter Geſtalt, aber zweckmäßiger und noch großartiger bei Sydenham, unweit London auf einem 200 Fuß über der vorbeiführenden Brightoneiſenbahn gelegenen Hügel aufgeſtellt wurde. Dieſe Idee, für das Londoner Publikum einen Wintergarten einzurichten, wurde aber bald verlaſſen, und bekanntlich iſt das Ge⸗ bäude in ein Weltmuſeum verwandelt worden, in welchem allerdings die Pflanzen eine Hauptrolle ſpielen, wie ſchon der Umſtand beweiſt, daß ſchon im Anfang eine Palmen⸗ ſammlung(die des Herrn Loddiges) für 10,000 Pfund (ungefähr 68,000 Thlr.) angekauft wurde, daß Schiff⸗ ladungen von Palmen aus Egypten und von andern Pflanzen, namentlich Zapfenpalmen aus Südafrika und andern Weltgegenden herbeigeholt wurden, weil man ſich

Umgebungen vergißt ſich der Winter leicht.

mit kleinen Palmen nicht begnügen konnte. Unter ſolchen Kuppel des Gebäudes iſt 194, das Transſept äußerlich

Autikbel.

Im großen Transſept Mittelbau iſt die ehemalige Orangerie des Königs der Franzoſen Louis Philipp von Neuilly in Form einer Allee aufgeſtellt. Das durch das Gebäude gehende Eiſenwerk iſt überall mit Schlingpflanzen bezogen. Auf der Südſeite ſtehen die Pflanzen der wärmeren ge⸗ mäßigten Zone der ſüdlichen Erdhälfte, aus Japan, China, von Neuholland, vom Cap u. ſ. w. Ueberall ſind die Pflanzen paſſend zu den umgebenden Gegenſtänden angebracht, ſo vor der Pompejaniſchen Abtheilung Agaven,

Oelbäume u. ſ. w., vor der Egyptiſchen Dattelpalmen.

Auch der vorweltlichen Flora iſt Rechnung getragen, indem neben den Verſteinerungen des geologiſchen Mu⸗ ſeums ſolche Pflanzen aufgeſtellt ſind, wie ſie, nach den verſteinerten Ueberreſten zu ſchließen, in ähnlicher Form jene Erdbildungsperiode bezeichnen. Um einen Begriff zu geben, welche Pflanzenſchätze in Sydenham aufgehäuft ſind, erwähne ich, daß man aus Südafrika zwei ſoge⸗ nannte Elephantenfüße oder Schildkrötenpflanzen geholt hat, deren Alter auf mehrere tauſend Jahre geſchätzt wird, die aber dennoch in dieſer künſtlichen Natur fort⸗ wachſen. Einen wunderbaren Eindruck machen die baum⸗ artigen Farrenkräuter mit Stämmen von 812 Fuß Höhe und 8 Fuß langen Blättern(Wedeln), welche die Steinkohlenperiode unſrer Erde charakteriſiren. Die