Hel iſt kein Polizeidiener hier, zur Haft nehme?“
„Verſtellen Sie ſich nicht ſo ſehr, Herr von Majoram!“ erwiederte Julius erbittert,—„mehr wie fünfmal ſind Sie dort in der Hausflur bei mir geweſen und haben Beſtellungen an mich gemacht. Auch ſind meine vielen Mahnbriefe richtig in Ihre Hände gelangt. Nuͤn aber bin ich Ihrer eitelen Verſprechungen und Zuſagen ſatt und verlange meine Bezahlung.“
„Der Menſch muß dem Irrenhauſe entſprungen ſein—“ ſprach Majoram zu den in Menge ſich herbei drängenden Leuten.„Ich bitte Sie, befreien Sie mich von dem Wahnſinnigen, und ich, der Hofintendant von Majoram, werde mich dankbar bezeigen. Erblicken Sie keinen Polizeidiener in der Nähe?“
„Der Herr von Majoram iſt's?“ fragte jetzt eine Stimme, und ein breitſchulteriger Bürger trat aus dem Zuſchauerkreiſe hervor.„Wirklich! Ei, guten Tag, Herr Hofintendant! Werden Sie einmal auf der Gaſſe ge⸗ mahnt? Das iſt recht! Wenn es doch Alle ſo machten, die Sie nicht bezahlen wollen. Mir ſind Sie auch ſchon ſeit fünf Jahren einen neuen Damen⸗Reitſattel ſchuldig. Oder iſt das etwa gleichfalls nicht wahr? Kennen Sie mich?“
„Und ich“— hob ein Anderer an—„habe von dem Herrn Hofintendant 10 Thaler für gelieferte Weihnachts ſtollen zu fordern, die ich auf ſeine Beſtellung vor drei Jahren für ihn gebacken habe. Die ganze Stadt weiß es, welch' ein ſchlechter Bezahler Sie ſind. Schämen ſollten Sie ſich!“
„Da iſt wohl auch der Zobelpelz noch nicht bezahlt?“ rief ein Dritter höhnend aus.„Meiner Treu! unter ſolchen Umſtänden kann man gut groß thun und mit Ver achtung auf die bürgerlichen Kanaillen herabſehen. Pfui, o pfui!“
„Pfuil pfui!“ ſprach der Chor nach, und die Gaſſen buben heulten ſchaurig darein.
Herr von Majoram ſah ſich vergebens nach einem Poliziſten um. Nicht ohne Mühe und unter erneutem Verhöhnen ſeiner Perſon von Seite der Menge durch brach er deren Kreis und flüchtete ſich in das nächſte Haus, vor welchem noch lange eine mehr und mehr an ſchwellende Volksmaſſe verweilte und ſich in Schmähun⸗ gen über die ſchlechten, vornehmen Bezahler ergoß.
Julius war zu ſeiner Arbeit zurückgekehrt. Bei ruhi gerem Blute bereute er den Schritt, den er im Zorne gegen den Hofintendanten gewagt hatte. Er beſorgte ſogar, von demſelben verklagt zu werden, obſchon er ſich der Schimpfworte recht wohl erinnerte, welche jener ge gen ihn ausgeſtoßen hatte. Herr von Majoram klagte aber nicht, ſondern ſchickte vielmehr durch ſeinen Diener die ſchuldige Geldſumme an den Graveur, welcher dar über frohlockte und ſeine zuvor bereute Kühnheit pries. So macht es der turzſichtige Sterbliche, nicht ahnend, daß unter Blumen und Wieſengrün zuweilen eine giftige Natter verborgen ſich hält.
„Du haſt einen argen Schnupfen, Julius!“ ſprach deſſen Tante, als er ſie eines Abends ſpät beſuchte, was wöchentlich mehr als einmal geſchah.
„Kein Wunder das, liebſte Tante!“ verſetzte Julius. „Vom frühen Morgen bis zum Abend in der kalten Hausflur ſitzen, iſt nicht angenehm. Dazu der ſtete Zug, bald von der Straße, bald vom Hofe her!“
„Werde mir ja nicht krank!“ entgegnete die Tante beſorgt.
daß er den Schamloſen
„Das fürchte ich nicht—“ lächelte Julius.„Die Gewohnheit wird ſchon machen, daß ich ganz Sparkaner werde.“
„Du mußt“— ſprach die Tante—„Dir ein kleines, gläſernes Häuschen, nach Art einer Sänfte anfertigen laſſen, in welchem du vor dem Zug geſichert und warm ſitzeſt.“
„Meine Mittel erlauben mir das noch nicht,— erwiederte Julius—„wenn aber mein⸗ Pech mit der Zeit in Silber oder Gold ſich verwandeln ſollte, werde ich mir ein ſolches Glashäuschen anſchaffen.“
„Nun, ſo magſt Du Luſedeelen meinen mit Pelz ge— füͤtterten Fußſack an die Füße ziehen—“ entgegnete die
Tante.„Nimm ihn ſogleich mit Dir.“
Ei ja, ein ſolcher Fußſack war ein prächtiges Ding, in welchem des Potſchirer Füße ſo weich und warm ſteck⸗ ten wie in einem Bette. Da trat eines Abends Jemand, dem Auftreten nach ein Mann oder ein Burſch an des Petſchirers Arbeitstiſch heran und ſah dem über ſeine Arbeit niedergebückten Julius eine Weile aufmerkſam zu. Plötzlich aber Kchob der Beſchauer ſeinen Mund über den Glascylinder der Lampe und blies deren Flamme aus, ſo daß dichte Finſterniß den darüber betroffenen Künſtler umgab. Bevor derſelbe ſeine Füße aus dem feſt zuge⸗ zogenen Fußſack befreien, aufſpringen und wieder anzün⸗ den konnte, war der ſchadenfrohe Menſch bereis hohn⸗ lachend entſprungen. Noch hatte Julius ſeinen Sitz nicht wieder eingenommen, als der Oberpoſtrath die Treppenſtufen haſtig herabeilte und vor der Hausthüre hinausſprang, was an dem alten, ſonſt ſo bedächtigen Mann zu verwundern war. Nachdem er draußen nach allen Seiten forſchend umhergeblickt hatte, wendete er ſich an ſeinen Flurbewoh ner Pech.
„Sie ſahen mich vorhin nach Hauſe kommen?“ hob er an.
„Ich glaube—“ erwiederte Julius zerſtreut.
„Wiſſen müſſen Sie es, nicht bloß glauben“— ſprach Schleier unwillig.„Ich hatte meinen theuern Pelzrock an.“
„Das iſt möglich—“ verſetzte Julius.
„Nicht nur möglich— gewiß, nur zu gewiß war's!“ rief Schleier—„nun, und dieſer koſtbare Pelz iſt mir ſo eben geſtohlen worden!“
„Nicht nöglich)!“ ſprach Julius ungläubig.
„Herr!“ rief der Oberpoſtrath wild,—„wollen Sie mich zum Lügner ſtempeln? Der Pelz iſt aus meinem Vorzimmer verſchwunden, in welchem ich ihn erſt vor wenig Minuten abgelegt hatte. Nur eine einzige Minute iſt d ie Porhansthüre nicht verſchloſſen geweſen, und ſol— ches hat ein Dieb ſofort benutzt. Wer war dieſer Dieb, Herr Pech? Wie ſah er aus? Wie war er gekleidet? Hurtig! hurtig!“
„Wie kann ich das wiſſen, Herr Oberpoſtrath?“ ant wortete Julius befremdet.
Jener ſtampfte zornig mit dem Fuße.
„Sie müſſen es wiſſen!“ rief er—„für was ſitzen Sie ſonſt als Schildwache hier vor dem einzigen Aus⸗ gange, durch welchen allein der Dieb entwiſcht ſein kann? Alſo, ohne Umſtände: reden— beſchreiben Sie!“
„Und wenn Sie mich todt machten, Herr Oberpoſt⸗ rath—“ entſchuldigte ſich Julius—„ich vermöchte das nicht. Wenn ich auf Jeden achten wollte, der hier ein und ausgeht, ſo würde ich nicht das Salz in meine Suppe, geſchweige 60 Thaler Hausflurzins verdienen können?“
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