ten. Sie iſt ſchön angelegt, bevölkert ſich jedoch nur
langſam und hat etwa 3000 Häuſer und 30,000 Ein⸗ wohner. Das Congreßgebäude, Capitol, liegt in dem Mittelpunkte der Stadt auf einer Anhöhe, von welcher man eine weite und reizende? Ausſicht auf die Stadt und Umgegend genießt. Das Capitol iſt 352 Fuß lang und beſteht aus einem Mittelpunkte und zwei Flügeln; letztere haben 100 Fuß im Gevierte und 70 Fuß Höhe, der Mit⸗ telpunkt 150 im Gevierte und 145 Fuß Höhe. Es iſt von graugelblichen Marmorblöcken aufgeführt, die man aus Italien kommen ließ. Corinthiſche Säulen bilden das Por⸗ tal. Im Innern befindet ſich ein großer halbkreisförmiger Saal, worin die Abgeordneten der Union ihre Verſamm⸗
gewölbten ſchönen Kuppel reichen, prachtvoll ausgeſchmückt.
In den Gallerien ſind die Bildſäulen berühmter nord⸗ amerikaniſcher Bürger aufgeſtellt; in andern Räumen Leftuden ſich: die Nationalbibliothek, Gemäldegallerie, Muſeum ꝛc. Ueberall herrſcht dort Pracht mit Einfach⸗ heit und Würde. Man hat lange daran gebaut und die Koſten beliefen ſich auf 2 ½ Million Dollars. Von dem Capitol laufen verſchiedene lange und breite Stra⸗ ßen, wie Halbmeſſer von einem gemeinſchaftlichen Mit⸗
lungen halten, er iſt 96 Fuß lang, 40 Fuß hoch und durch eine Reihe von 14 Marmorſäulen, die bis zur Decke der
telpunkte aus. In der Nähe deſſelben erheben ſich in maleriſcher Gruppirung: das Prafidentenhans(die Wohnung des jeweiligen Präſidenten und Sitz ſämmt⸗ licher Miniſterien), das Buchanan am 4. März d. J. beziehen wird, dann das Gentntpoflamt⸗ die Börſe ꝛc.— Mit Bewunderung aber ſieht man auf Alles hin, was durch und ſeit Waſhington in kaum 60 Jahren dort ge⸗
ſchehen iſt!
Der Fiſch für Alle.
Von Berthold Sigismund.
Auf dem Speiſezettel der Inſel⸗ und Küſte nbewohner bildet der Fiſch einen ſtehenden Artikel. In England ver tritt er an der Tafel der Reichen die Suppe, bei armen dem Meere oder fiſchreichen Flüſſen benachbarten Natio nen dient er vielfach ſtatt des Brotes. Schon in Helgo⸗ land ſieht man die Fiſcherknaben ein Stück trocknen Fiſch ohne Brot zum Morgenimbiſſe verzehren; in Norwegen und Island, wo jedes Haus ſein Vorrathshüttchen für den geräucherten Fiſch beſitzt, bildet er das tägliche Brot. Werden doch in Norwegen zu gewiſſen Zeiten ſelbſt die Kühe mit den Abfällen der geſchlachteten Fiſche gefüttert.
Im deutſchen Binnenlande dagegen iſt der Fiſch ein
Luxuseſſen und kommt bei den ärmeren Klaſſen ſelbſt bei Hochzeiten und anderen Feſten ſelten auf den Tiſch. Die ſpärlichen und kleinen Flußfiſche, die bei großem Waſſer oder bei Eisfahrten, wo das Fiſchfangen jedem verſtatt et iſt, von den Liebhabern gefangen werden, ſind die einzigen friſchen Fiſche, die der Aermere zuweilen genießt. Man ählt zwar in vielen an Flüſſen gelegenen Städten
Mitteldentſchlands, daß daſelbſt in früherer Zeit die
Dienſtboten ſich ausbedungen haben, die Woche nur zwei⸗ mal Lachs eſſen zu müſſen; aber dieſe Zeit, wo unſre Flüſſe ſo lachsreich geweſen zu ſein ſcheinen, wie die Flüſſe des polaren Amerika, fuuſ weit zurückliegen, ſonſt wären wol die Bauern, als ſie im Bauernkriege die
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Klöſter plünderten, nicht ſo gierig über die Karpfen der
Kloſterteiche hergefallen, da ſicherlich die Leute, die Lachs im Ueberfluſſe haben, nicht auf Karpfen erpicht ſein werden. Als Erſatz für die Leckereien der Teiche, Bäche und Flüſſe, welche jetzt nur den Reicheren zugängl lich ſind, dient der großen Maſſe der Binnenländer der Fiſch für die Million, der Häring. Er iſt unter den„Früchten des Meeres“(wie die Italiener die der See entnom menen Speiſen nennen) das was, der Roggen unter den Früchten des Landes. Er würzt dem armen Gebirgsbe wohner das dürftige Kartoffelmahl; er iſt eine haupt⸗ ſächliche Feſtſpeiſe. Kein Jahrmarkt oder Vogelſchießen, wo nicht neben der Gurke der Häring figurirt. Im
Frühjahre, wenn der Kukukruf die Städter in unſere Bier⸗ gärten lockt, führen altenburger Männer mit kleinen Hüt⸗ chen und weiten Kniehoſen in zierlichen Körbchen den pſeu⸗ donymen Häring als wohlparfümirten, goldigglänzenden Pöckling in die Geſellſchaft ein. Bei ſommerlichen Volksluſtbarkeiten dagegen erſcheint er in blauer, mit Silber geſtickter Tracht in den Tonnen der beredten Hökerinnen, we lche ihre Schauſtücke ſo lockend auszu⸗ legen wiſſen, wie die großſtädtiſchen Traiteurs ihre Hummern und Ananas. Wie vielen Tauſenden macht er wol alljährlich bei ſolchen Gelegenheiten den Mund wäſſerig, wie vielen flößt er Luſt zum Trinken ein! Auch in der Hausapotheke ſpielt der Häring eine große Rolle. Iſt der Magen verſtimmt und mürriſch, ſo verſucht man ſtets als erſtes Begütigungs⸗ und Erheiterungsmittel den ſalzigen Magentröſter; nur die Vornehmen rufen die ariſtokratiſche Sardelle zu Hülfe. Selbſt als Zauber⸗ mittel dient dieſer„Fiſch für Alles“, Am Sylveſter— abend ißt man in vielen Gegenden Deutſchland Haus für Haus Häring oder Häringsſalat, damit im neuen Jahr das Geld nicht ausgehen möge.
So häufig nun auch dieſer Meerbewohner im Binnen⸗
lande gaſtirt, eine ſo wichtige Rolle er auch in der Volks⸗
wirthſchaft ſpielt: ſo ſehr iſt doch die öffentliche Meinung im Unklaren oder ſelbſt im Irrthum über ſeine Lebensweiſe. „Der Häring zieht, nach Art der Zugvögel, aus dem
Eismeere in ſo dichten Schaaren nach der Nordſee, um
hier zu l lgichen, daß man ihn mit Eimern ſchöpfen kann, und die Holländer r ſind ſo glücklich, daß der Zug gerade ihre Küſten trifft, weshalb ſie das Häringsmonopol haben.“ Dies iſt ſo weit ich beobachtete, die Anſicht des größten Theiles der Häringseſſer, welche ihre leckere
Speiſe nicht etwa als gegebene Thatſache ohne weitere Fragen nach der Heimath und dem Lebenslaufe ihres Lieblings verzehren. Bei den Thüringern wenigſtens, die wegen ihrer Härings⸗Liebhaberei im Mittelalter den
Spottnamen„Häringsnaſen“ erhielten, iſt dies die gäng und gäbe Meinung.
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