Jahrgang 
1857
Seite
66
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V drinenſtraße. In ſeinem untern Stockwerk ſind elegante w Kaufläden eingerichtet, und ſehr viele Inſaſſen haben in dem umfangreichen Bau geſchmackvolle und bequeme Woh⸗ nungen gefunden. Eins der andern Häuſer, Fig. 2. auch vier Stockwerke hoch und ſehr geräumig, liegt vor dem Roſenthaler Thore in der Wollantsſtraße. Das kleinere Häuschen, Fig. 3. im geſchmackvollen Schwei⸗

ſtück und zum Betriebe einer ländlichen Wirthſchaft ge⸗ eignet. Es gewährt auf der Bremerhöhe vor dem Schön⸗ hauſer Thor einen gar freundlichen Anblick.

Wer aber möchte den Verein nicht ſegnen, der auh den beſchränkten Lebensverhältniſſen ſo wohnliche Hei⸗ matsſtätten bietet?

zerſtyl, iſt, gleich dem vorgenannten, ein älteres Grund⸗

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Im Canton Neuenburg.

Touriſtenſkizze von A. Buddeus.

(Schluß.) Neuenburger Gebirgsland. zunächſt hinunter auf die drei Nachbarſeen von Biel, Murten und Neuenburg, zwiſchen denen die von der Zihl durchſtrömte Ebene ſich dehnt. Und hier erkennt man erſt recht, wie dieſe drei Gewäſſer nur die Ueberbleibſel jenes Binnenmeeres bilden, das einſt den Genferſee an Größe weitaus übertraf. Aus dieſem weitoertieften Becken heben ſich aber weiterhin, langſam anſteigend, unzählige Ortſchaften, unter denen Solothurn, Bern, Freiburg und viele andere deutlich hervorragen. Den Horizont endlich umzieht in prächtig ſchimmerndem Halb⸗

Die Stadt Neuenburg iſt eine Eigenthümlichkeit des Cuantons; doch beherrſcht ſie nicht, wie ſchon erwähnt, den ggeeſammten Character ſeiner Bevölkerung. Um die Mon⸗

tagnards(die Gebirgsbewohner) kennen zu lernen, muß man hiinnaufſteigen über Valengin nach Chaux⸗de⸗Fonds und Looele, den weltberühmten Heimatſtätten der Uhrenfabri⸗ ccation. Die Straße dorthin durchwandelt man, aus Neu⸗ enburg tretend, zuerſt eine Reihe lieblicher Landhäuſer,

wiſchen denen ſich im Rückblick die ſchönſte Ausſicht auf kreiſe die Alpenkette vom Säntis bis zum Montblanc. 8 den See und die Stadt darbietet. Dann verſinkt der Nur anzudeuten, nicht zu beſchreiben iſt das Panoramag. Veg in einen ſchönen Eichenwald und klettert nachher Aber daran mag erinnert ſein, daß hier, wie ſo häufig in voch empor über die Schlucht, deren Tiefe der Seyon aus⸗ der Schweiz, ſich die Wahrheit bewährt, daß nicht die V 4 ggewühlt. Mitten in dieſer wildromantiſchen Umgebung höchſten Gipfel dem Naturfreunde die größten landſchaft: überraſcht uns plötzlich das Städtchen Valengin mit ſeiner lichen Genüſſe bieten, ſondern jene, welche iſolirt vortre- V alten finſtern Burg, welche einſt der Wohnſitz jener Grafen tend, den Beſchauer in den obern Theil der ſogenannten V var, deren Namen der König von Preußen mit dem eines Waldregion ſtellen. Denn hier hat das Bild einen pla⸗ Fuüſrſten von Neuenburg in ſeinem Titel vereinte. ſtiſchen Charakter und faſt immer einen natürlichen Rahe

men. Dagegen verſinkt dieſer bei höherer Stellung, und

es ſchrumpfen die Vorberge zuſammen, bis dem Blicke

V auf den höchſten Gipfeln von der darunter liegenden

Landſchaft nur noch eine Reliefkarte übrigbleibt, welcher

meiſtens ſelbſt die Reize wechſelnder Färbung abgehen.

Der Chaumont iſt nur etwa 3500 Fuß hoch. Von Valengin nach Chaux⸗de⸗Fonds führt die Straße

immer aufwärts. Freundliche Dörfer mit ſtädtiſchen V Häuſern verkünden die darin arbeitende Gewerbthätigg keit. Doch bietet die Natur jetzt ſchon nur noch ſpärliche Gaben. V

Zwiſchen kümmerlichem Schwarzwald und ſchmalen Feldern, auf denen blos Gerſte und Hafer wächſt, b ſiedelten ſich die Menſchenwohnungen an. Ja, je är- mer die Natur, deſto lebendiger und blühender entfaltet f ſich das Menſchenleben, und in einer Meereshöhe, die anderwärts kaum noch Berghäuschen oder Hirtendörfer trägt, gelangen wir hier plötzlich in einen ſchönen, neuen, weit hin verſtreuten Ort, von dem man beim erſten An⸗

blick nicht zu ſagen vermag, ob er eine Stadt oder wirklich blos ein Landflecken iſt. Das iſt La Chaux⸗de⸗fonds. Daß Alles ſo neu ausſieht, kommt freilich daher, weil

Valengin.

Wir laſſen die mehr localhiſtoriſchen Merkwürdig⸗ keiten dieſer Stadt unerwähnt und verfolgen auch für jetzt die Straße nicht weiter, um den prächtigen Chau⸗ mont zu beſteigen. Nordöſtlich erhebt er ſich und zieht

ſich gegen den Chaſſeral hin. Mit buntgemiſchtem Wald und ſaftigen Alpenweiden iſt er bedeckt, in kaum zwei Stun⸗ den leicht erſtiegen, ja für bequeme Leute ſogar mit kleinen Wagen faſt bis zum Gipfel zu befahren, während eine Viertelſtunde unterhalb demſelben ein behagliches Pachtgut ländliche Erfriſchungen bietet. Der ſchönſte Standpunct iſt bei dem Signal für trigonometriſche Ver⸗ meſſung, nahe an ſeinem Gipfel. Von da ſinkt der Blick

1794 ein großer Brand beinahe die ganze Ortſchaft ver⸗ wüſtete. Zugleich aber iſt es ein Zeichen von der mate⸗ riellen Kraft, welche die Stadt ſchon damals beſaß, indem ſie nach ſo furchtbarem Unglücke ſich ſo raſch zu ihrer jetzigen Schönheit entwickelte.

Man muß auf einen der umgebenden Hügel ſteigen, um ſich einen Geſammtüberblick zu verſchaffen. Wie locker

gereihte Perlen laufen nach allen Seiten die weißbewor⸗

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