Jahrgang 
1857
Seite
61
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Illuſtrirles UofkSl

Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.

Wöchentlich 1 ½ 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.

. 2 f Die Tauf-Wecken. V Eine kleine Geſchichte von Karl Stöber. Der Name Mooskorb lautet faſt wie ein erfundener Unterſchied auf den landesüblichen Abfall für die Kleinen und erdichteter Name; aber er ſteht in den Steuercataſtern rechnete, blieb, die rothen Händlein unter der Schürze, des Königreichs Baiern und gehört ſeit undenklichen den ganzen Nachmittag dem Hauſe des Webers gegenüber Zeiten einem Weiler an, der in dem oberen Altmühlthal ſtehen.Walperle, ſagten die vorübergehenden Weiber, nicht weit von Gunzenhauſen liegt und ſeine Kirche inheut' gibts nichts, und der Weber wollte es mit einem Wald, dem Edelſitze der Freiherren von Falkenhauſen, hat. Stück Hausbrot zufrieden ſtellen, das er ihm hinüber In einem der kleinſten Häuſer des Weilers, das jetzt ſchickte; aber es blieb doch ſtehen. Es war ja nicht mit Nummer 10 bezeichnet iſt, wurde am 6. April 1756, hungerig, aber unmöglich dünkte es ihm zu ſein, daß ein alſo etliche Monate vor dem ſiebenjährigen Kriege, ein Kind ohne Wecken getauft werden könnte. Wie ein Opfer Knäblein geboren. Es war die Frucht der zweiten Ehe ſtock in der Kirche mit der Umſchrift:Für die armen ſeines Vaters. Der Weberbaum, unter dem es ſein erſtes Heiden lehnte es an dem Stamm des alten Hollderbaums, Lager fand, hatte auch noch keine goldenen Aepfel getragen, und je müder ſeine Augen von dem langen Warten wur und die zwei oder drei Streifen Ackerlandes, die zu ſeinem den, deſto deutlicher war in ihnen die Bitte zu leſen:Für Geburtshauſe gehörten, waren zu ſchmal und zu kurz für die Kleinen auch was! Dem Weber ging das Kind einige eine Familie, die außer dem Neugeborenen noch zehn Hände Tage wie der Geiſt eines Vorſtorbenen nach, und er ſagte faltete zu der Bitte:Unſer täglich Brot gib uns heute. mehrmals zu ſeinem Weibe:Es wäre auch nicht Alles Denn drei Schweſtern waren ſchon da, als das Brüderlein aus geweſen, wenn man Wecken ausgetheilt hätte. noch kam. Bei ſeiner Taufe wurde daher auch kein großer Drei oder vier Jahre darauf gab es in dem Hauſe des Aufwand gemacht. Zwei Kannen weißes Bier und ein Webers Wecken genug. Er ſtarb, und ſein Weib folgte Kännlein Branntwein war Alles, womit der Weber, ſein ihm bald nach. Ihr Söhnlein von dem Trauerbrote, Gevattersmann und die Wehmutter ſich erquickten, nach⸗ womit den nächſten Verwandten vor und nach den Leichen dem ſie von der Kirche wieder heimgekommen waren, und aufgewartet wurde, ohne es mit einer einzigen Thräne zu von dem Laib Brot, der mitten auf dem Tiſche lag, ſchnitt ſalzen. Denn bei Kindern von ſeinem Alter kann das ſich jedes, ſo viel es wollte. Die Wecken, die im Franken: Herz vor dem Magen nicht zu Wort kommen, ſondern lande bei Taufen von nur etwas wohlhabenden Leuten wird von ihm überſchrien, wie das klagende Heimchen unter die Kinder vertheilt werden, fehlten ganz. Aber ein von dem Hirſch, der nach friſchem Waſſer ſchreit. Aber Mooskorber Mägdlein, das zwiſchen arm und reich noch die Thränen blieben nicht aus. nicht unterſcheiden konnte und nach jeder Taufe ohne Der Knabe, den Vater und Mutter verlaſſen hatten,