Jahrgang 
1857
Seite
60
Einzelbild herunterladen

w Begriffen führte den Familien⸗Namen Jacobz bei einem dieſer Schimpfname bedarf ebenfalls keiner Erklärung. gegeſellſchaftlichen Streit äußerte Jemand gegen ihn:Geh, Es iſt genug, wenn Jemand zu Jemand ſagt:Du Stax! N geh, Du biſt mir auch der wahre Jacob! Aufhetzer drangen des braucht da gar keines erläuternden Zuſatzes. Ebenſo in den Genannten, er dürfe ſo etwas nicht auf ſich ſitzen wird in ähnlicher Weiſe der Name Hermann mißbraucht laſſen, das ſei ein Schimpf, und der beſchränkte Kopf durch die ſchimpfliche Redensart:Du blinder Herm! werklagte wirklich jenen wegen wörtlicher Schmähung. und doch war der heilige Gerhard nicht taub, der fromme Dceer Beklagte wurde vor Gericht geladen, der Richter hielt heilige Hermann von Cöln nicht blind. Der Name Eras⸗ im Beiſein des Klägers dem Beklagten die Beſchwerde mus, in Asmus abgekürzt, dient zwar nicht zum Schimpf, vor und fragte ihn, ob er ſich dazu bekenne, wirklich geſagt aber doch zum Scherz. Im Werrathale und in Salzungen z haben, Herr Jacob ſeider wahre Jacob?Ja! er⸗ iſt die Redensart gäng und gäbe von Einem, der ſelbſtſtändig Kiderte der Beklagte:Ja, ich habe dieß allerdings geſagt, und um Anderer Urtheil unbekümmert ſeine Wege geht: aallein es thut mir aufrichtig leid; ich nehme es zurück undEr macht es, wie Herr Asmus. Fragt nun jemand: eerkläre hiermit feierlich, daß Herr Jacob nicht der wahreWie machte es dieſer? ſo lautet die ſchlagende Antwort: acob iſt oder der wahre Jacob nicht iſt! GegenEr machte es, wie er wollte. Solche kleine Züge im ddieſe Abbitte und Erklärung ließ ſich nichts einwenden, Volksleben ſollte man überall aufzeichnen; ſie ſind wohl ddeer Kläger wurde ausgelacht und hießder wahre Jacob zu beachten und haben oft einen tiefen Sinn, der aber eben bdis an ſein Ende. deshalb, weil er tief iſt, nicht immer und überall zu Tage Mit dem Apoſtelnamen Bartholomäus, in Bar⸗ liegt. Auch der Name Gottfried dient nur⸗ im guten thel verdorben, hat es auch eine Bewandtniß, die ihn in Sinne dem Volke als Scherzname.Der iſt ein Gott⸗ ddie Reihe der ſchimpflichen und ſpöttlichen Namen ſtellt, fried heißt es von Einem, der ſich viel gefallen läßt,f und Niemand weiß warum und weshalb? Er ſteht in der nicht leicht zürnt, der treulich aushält. Daher kam dieſer Beziehung in nächſter Verwandtſchaft zum Matz, der Name in die Studentenwelt zur Bezeichnung eines unddu Schmutzbarthel! iſt ein häufig zu vernehmendes treu und lange haltenden Flausrockes oder Frießes.Mein

2. 9 3 1 Scheltwort der Aeltern gegen ihre Kinder; ebenſo wird alter Gottfried! pflegte von ſolchem Rocke der Bruder P der Name mit der Vorſilbe Sau in Verbindung gebracht. Studio zu ſagen. Ein neuer Rock heißt niemals ſo. Auch was ein Sch-Barthel iſt, weiß Jedermann, Es ließen ſich immer noch mehr männliche Namen an⸗

eein fahriges, am unrechten Orte haſtiges, ruhiger führen, an denen Schimpf und Scherz unaustilgbar haften; Haltung und Gebahrung entbehrendes Weſen. Wie man denke an Damian, aus welchem Namen die Benen⸗ kommt zu ſolcher Ideenverbindung Bartholomäus? nung Dämel mit der häßlichen Nebenbedeutung geworden; Ddie Heiligen der katholiſchen Kirche: Martinus, Nico⸗ an Johann Sebaſtian, zuſammengezogen Hambaß, laus und Rupertus dienen als Popanze und Weihnachts- daraus der fränkiſche Volksmund das Schimpfwort:Du ſ= fratzen in verſchiedenen deutſchen Ländern dem Volke. Hambaſch! ſoviel alsDu einfältiger dummer Menſch! St. Martinus iſt unter dem Namen Pelzmärte förmlich gebildet, und an andere, die als Taufnamen geführt, ihren als Geſpenſt und Kinderſchreck bekannt und gefürchtet; Trägern mehr oder minder den Beiſchmack der Lächerlich⸗ vornämlich in Schwaben und im Hennebergiſchen heißt keit ohne alles Verſchulden geben, wie z. B. Matthias, er Hackelmärtz und iſt gefährlicher Waſſermann. Der Tobias, Daniel, Simplicius, Nepomuck, Pa⸗

Name iſt in Märtz verſtümmelt, wie Moritz in Murtz, phuntius, Valentin, Thaddäus, Wenzel u. A.

Lorenz in Lurz ꝛc. Blinzelmärte ſchimpft das Volk Auch manche weibliche Namen bleiben nicht ganz frei

Leute, die mit den Augen blinzeln oder körperliche Licht vom Anhauche ſchimpflicher Nebenbedeutung. ſcheu ausdrücken. Nicolaus, Nielas iſt der bekannte Bertha muß als wilde Bertha, Berchtel, Perchtel Herrſcher⸗Klas, der in Franken am 6. December ver⸗ der Hölle ähnlich in den Sagen des Voigtlandes, des Salz⸗ V mummt umgeht und die Kinder mit der Ruthe züchtigt, kammergutes und Tirols umherſpuken und Führerin der wenn ſie das Jahr über böſe waren, aber die Guten mit Seele ungetaufter Kinder ſein. Der Name Katharine, Nüſſen begabt. Was er in Mitteldeutſchland verrichtet, z. B. in Thrine verkürzt, kommt häufig mit den Bei⸗

übt Rupprecht, vorzugsweiſe Knecht Rupprecht, in ſätzen:Du tolle Thrine, du dumme Thrine, du alberne

Norddeutſchland. Warum juſt Knecht? Schwerlich in Thrine vor. Derſelbe Name, in Kätter verſtümmelt,H

Folge des Begriffes, daß auch der Heiland in Knechts⸗ begegnet uns alsLachkätter, womit man Dirnen ſchimpft,

V geſtalt, der Bibel nach, auf Erden wandelte. Ruppertus die allzuviel lachen. Selbſt eine Krankheit: das Laxiren,

war Biſchof in Salzburg und ſtarb im Jahr 700. nennt das Volk in ſeiner derben Natürlichkeit:Die St. Chriſtophorus, der nach der frommen Legende ſchnelle Kath'rine. Suche Jemand den Grund davon!

das ihm erſcheinende Chriſtuskind durch das Waſſer trug, Gleiche Bewandtniß hat es mit dem heiligen Namen (daher ſein Name) war gewiß ein würdiger Heiliger. Margaretha.Die faule Greth, iſt häufig volks⸗ Dem ungeachtet verſtümmelt das Volk ſeinen Namen in mündlich. Ebenſo diefaule Metze(Magdalen a). Stoffel, und was einStoffel iſt, weiß jeder: ein UnterMetze eine feile Dirne zu verſtehen, mag wol alberner Menſch, einſogenannter Stumbax, auch dumm⸗ von der bibliſchen Sünderin Magdalena herrühren; backs, in Allem und zu Allem unbrauchbar. es iſt aber immer eine Härte, den ſchönen Namen und Der Name des heiligen St. Gerardus, in Gerz ſeine büßende Trägerin von einem Jahrhundert zum an⸗ vweerſtümmelt, lebt wiederum ſchimpflich im Volke. Im dern gleich dem ewigen Juden durch wegwerfende Verach⸗

1

Hennebergiſchen hört man häufig die Redensart:Du tung büßen zu laſſen. Urſchel⸗Blandine tönt auch nicht taber Gerz! ſoll heißen:Du tauber(dummer, unver ſelten als Scheltwort entgegen; ſpukt doch die Tut-Urſel ſtändiger) Gerardus! ſchon im wilden Heer. Ein anderes Mal über die volks⸗ 1ſ So geht es mit dem häufig begegnenden Heiligen- thümliche und volksübliche Sitte und theilweiſe Unſitte, 1 I namen Stachus; aus ihm iſt Stax verſtümmelt, und] den Thieren und Pflanzen Menſchennamen beizulegen. 1

Verlag von Hugo Scheube in Gotha. Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha. Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.