war die Schenkung an die Witwe Koſel, wie ſie Franz gefordert. Er legte ſie in Käthchens Hand, nachdem der Notar weggegangen war, und ſagte: Gott ſei Preis, er hat ſeine Seele befreit und Recht geübt. Käthchen, Du biſt nun eine reiche Erbin.
Das Mädchen erſchrak heftig.
Der Lehrer las ihr das Dokument vor. Ach Gott, ſagte ſie, was ſollen denn alle die Beſtimmungen?
Dich und Deine Mutter in ihre Rechte einſetzen, ſagte Franz.
Sag' Kind, fragte der Lehrer ſchalkig: Wirſt Du denn nun auch den Franz nehmen, da Du ſo reich biſt?
Erröthend blickte ſie, aber ſtrafend, den Lehrer an. Dann legte ſie ihre Rechte in die Franzens und ſagte: Im Angeſichte des Todes hätten wir uns verlobt, wenn es nöthig und möglich geweſen wäre, laßt uns von ſolchen Dingen nicht reden.
Franz zog ſie an ſeine Bruſt, und der Lehrer bereuete das unbeſonnene Wort, das ihr wehe gethan hatte.
Nachdem Franz den Sarg beſtellt und noch Einiges mit dem Arzte geredet hatte, beſtiegen ſie den Wagen und fuhren heim.
Das ganze Dorf war in Bewegung. Die Todes kunde war ſchon vorausgeeilt; nicht aber die, daß Käthchen und Franz Verlobte ſeien. Daß ſie ſo traulich zuſammen ſaßen, das fiel wol den Leuten auf.
Vor dem Häuschen, an deſſen Wände die Rebe ihre Liebesarme ſchlug, hielt der Wagen, und die Merkin hieß ſie willkommen.
Was da drinnen weiter vorging, blieb ein Geheim⸗ niß, aber, als die Koſelsbaſ' hereintrat, die bei der Merkin geweſen war, und die Leute ſie neugierig umdrängten, ſagte ſie: Wartet's ab! Aber das ſag' ich Euch, daß Merks Käthchen des Franz Braut iſt, und daß der Herr im Himmel Alles wohlgemacht hat.
Das war genug fürs Erſte. Aber am Nachmittage,
nachdem Franz lange bei dem Pfarrer verweilt hatte, ging
ein ſeltſam Gerede durchs Dorf. Der und Jener wurde gerufen und erhielt von Franz Quittung über alle Rück⸗ ſtände; den Aermſten zerriß er den Schuldbrief und Allen ſagte er: Ich handle im Sinne meines Vaters.
Da kam es denn, daß mancher Fluch zum Segen wurde, und bei dem Leichenbegängniſſe zeigte es ſich, wie
ſich die Geſinnung der Leute geändert hatte. Mit großer
Theilnahme holte die Gemeinde die Leiche an der Grenze der
Ortsgemarkung ab und geleitete ſie zu Grabe, wo manche
Thräne floß, die gewiß einen ſtillen Segen in ſich ſchloß. Ein Trauerjahr hielt Franz ſtrenge ein; denn ſo wollte: es die liebliche Braut.
Im Canton
Dieſes Jahr gab Zeugniß davon, wie die Nacht im Bleichhaus hier gewirkt. Franz legte den Grund zu einem Verſorgungshauſe für arme Alte, deſſen Bau ein Lieb⸗ lingsgedanke ſeiner Seele war. Der Pfarrer und der Lehrer waren dabei ſeine berathenden Helfer. Er ſtiftete Kapitalien für die Erziehung armer Waiſen und andere wohlthätige Einrichtungen und gab ſo faſt alle ſeine Ka⸗ pitalien hin. Zu Käthchen ſagte er: Nun mußt Du auch arme Menſchen ernähren! Sie lächelte und ſagte, Du haſt ja doch das Meiſte, und wenn Du bettelarm wäreſt; denn Du bringſt den Segen mit, den Segen der Armen und den Segen Gottes. Das iſt ja das rechte Gut. Ich weiß, daß Du ſcherzeſt; ich aber meine es ſo ernſt, als ich es nur meinen kann mit meinen Worten.
Das fühlte Franz tief und drückte das treffliche Mäd⸗ chen mit Dank gegen Gott an ſeine Bruſt.
Als endlich das Jahr um war, ſegnete der Pfarrer den heiligen Bund zweier glücklicher Menſchen. Nie war im Dorfe eine Trauung ſo gefeiert worden. Alles, was ſonſt die Hochzeiten zu Gelagen macht, hatte Käthchen ver⸗ boten, und Franz ſtimmte ihr vollkommen bei; aber alle Armen waren reichlich beſchenkt worden. Nur eine kleine Genoſſenſchaft war in Franzens Haus geladen, der Pfar⸗ rer, der Lehrer und ſeine Frau und die alte Koſelsbas'. Aber der Zug zur Kirche war auch kein gewöhnlicher. Die ganze Gemeinde, Männer, Weiber, Jünglinge und Jungfrauen umſtanden in den Sonntagskleidern das Häuschen der Witwe Merk, und als die Glocken läuteten, trat das Brautpaar aus dem Häuschen, und es folgten zunächſt nur die, welche zur Hochzeit geladen waren. Die
ganze Gemeinde ſchloß ſich an. Käthchen weinte Thränen
der Freude und des Dankes gegen Gott. Unendlich er⸗
hebend war die Feier, und als das junge Ehepaar durch die Reihen ging, da reckten Alle die Hände hervor und drückten die ihren, und manche Stimme verſagte, als ſie den Glückwunſch ſprechen wollte.
Als die Koſelin in Franzens Haus endlich angekommen war, rief ſie aus: Heiliger Sanct Antonius von Padua! es war Zeit für Euch, daß es ein Ende hatte; denn das Herz wollte mir berſten vor Freude, Rührung und noch Etwas, dem ich eigentlich keinen Namen zu geben weiß!
Die Mutter Merk zog zu den Kindern und die Koſelin auch, daß ihre alten Tage ſorgenlos würden. Und das Glück wohnte bei ihnen Allen und der Segen Gottes, und die Nacht im Bleichhäuschen wurde von Allen geſegnet, ſo lange ſie lebten; denn durch dieſe Nacht war der Fluch
zum Segen geworden, und aus den Wirren kam der Friede,
weil der Weg des Unrechts zu einem Wege des Rechts
geworden war und ein Weg der Umkehr zu dem Herrn.
Neuenburg.
Touriſtenſkizze von A. Buddeus.
(Mit einer Anſicht von Neuenburg.)
Der NReuenburger See.
Der ganze Canton Neuenburg liegt in den waſſer armen Längenthälern und an den waldreichen Wölbungen des Jura. Dieſer gehört eigentlich nicht zu dem, was man ſonſt ſpeziell unter dem Begriff von ſchweize⸗
riſcher Gebirgsſchönheit verſteht.
Vielmehr ähnelt er jenen langgezogenen verſchwiegenen Bergzügen, welche, wie die ſchwäbiſche Alb, der heſſiſche Odenwald, ja bis zu einem gewiſſen Punkte ſelbſt der thüringer Wald und das Fichtelgebirge, obſchon in größeren Maßſtäben, ihre Schönheit nach innen wenden. Man muß erſt in die
N
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