auch im freien Zimmer bei mäßiger Wärme. Schöner wird ſie bei einer niedrigeren Temperatur. Amygdalus nana, die einfache und die gefüllte Zwergmandel, treibt ſich leicht vom Februar an ohne große Wärme. Die ge⸗ füllte kommt etwas ſpäter, als die einfache, iſt aber eine wahre Prachtpflanze. Coronilla Emerus bildet reizende kleine Sträucher mit ſchöner Belaubung und treibt ſich bei mäßiger Wärme im Doppelfenſter gut. Robinia hispida, auf kleine wilde Akazienſtämme gepfropft, bildet ein reizendes Bäumchen und blüht, im Februar warm geſtellt, ſehr leicht. Selbſt Pflanzen, die eben erſt ge— pfropft ſind, blühen ſofort mit mehren großen rothen Blütentrauben. Man muß die Zweige vorher um ein Drittheil einkürzen. Rhododendron oder ſogenannte Al⸗ penroſen treiben ſich bei milder Wärme im Doppelfenſter leicht, müſſen aber häufig beſpritzt werden und leiden bei trockner Zimmerluft, dabei auch von Staub, der ſich auf die immergrünen glänzenden Blätter legt. Sie bilden mit den Azaleen die prächtigſten Treibpflanzen und ſind den Roſen an die Seite zu ſtellen.
Staudengewächſe.
Unter dieſen nehmen die bekannten Maiblumen den erſten Rang ein. Man pflanzt im Oktober ſo viele blühbare(runde, dicke) Keime von der großen Garten⸗ maiblume mit den dazu gehörigen Wurzeln ein, als Platz im Topfe haben. Die Wurzeln beſchneidet man bis auf 2 Zoll Länge. Die untere Hälfte oder 1½ des Topfes wird voll Moos geſtopft. Zwiſchen die Wurzeln kommt Erde, und die Keime werden einen Finger hoch mit Moos bedeckt. Man kann ſchon zu Weihnachten Maiblumen haben, wenn man ſie 4 Wochen vorher in Unterſetzer mit Waſſer ſogleich auf den warmen Ofen ſtellt; denn ſie können außerordentlich viel Hitze vertragen und müſſen ſogar warm ſtehen, wenn ſie austreiben ſollen. Das Waſſer im Unterſatz kann+ 35— 40 Grad R. warm wer⸗ den, ohne zu ſchaden, doch iſt 20— 25 Grad hinreichend und beſſer. Oben auf den Topf legt man eine Hand voll feuchtes Moos und deckt einen leeren Blumentopf von der Größe des unteren darüber, der darauf bleibt, bis die Blumen faſt an den Rand anſtoßen. Man läßt die Töpfe warm ſtehen, bis die Blumen faſt alle aufgeblüht ſind, und ſtellt ſie dann hell, aber warm; denn bei niedriger Temperatur werden ſie augenblicklich ſchlecht. Sie ver⸗ tragen daher auch keinen langen Transport.
Wahrhaft prachtvoll und bereits allgemein beliebt iſt die vor wenigen Jahren noch ſeltene Dielytra leigentlich Dielytra) oder Dicentra ſpectabilis. Sie läßt ſich ſchon vom Januar, ſelbſt noch früher leicht zur Blüte bringen, wenn man ſie in ein mäßig warmes Doppelfenſter ſtectt. Die Pflanzen müſſen vorher im Keuhr oder kalten Blu⸗ menzimmer ſtehen. Die zuerſt getriebenen Pflanzen bleiben etwas klein, blühen aber im Mai im Garten noch einmal; dagegen werden die erſt im März warmgeſtellten Stöcke in großen Töpfen ſo prachtvoll, daß ſie allein einen Blu mentiſch ausfüllen. Die Pflanze braucht viel Platz, weil ſie nur ſchön iſt, wenn ſie nach allen Seiten gleichmäßig ausgebildet iſt. Ich kenne keine andere leicht zu ziehende Pflanze von einer ſo zierlichen Schönheit. Die Blumen ſind köſtlich voſenroth und wunderbar regelmäßig geformt.
Veilchen, beſonders die verſchiedenen Abarten des Monatsveilchens, als das gefüllte(auch als Baumveil— chen bekannt), das einfache blaue, das hellblaue(Veilchen
von Parma), das gefüllte weiße und das gefüllte dreifar⸗ bige,— laſſen ſich den ganzen Winter zur Blüte bringen und blühen von ſelbſt bis December und wieder vom Februar an. Man darf ſie nie einer ſtarken Wärme aus⸗ ſetzen, und ſelbſt halb aufgeblühte Veilchen gehen in einem warmen trocknen Zimmer wieder zurück und welken ab. Sie müſſen daher im kalten Doppelfenſter ihren Platz finden oder die kälteſte Stelle im geheizten Zimmer ein⸗ nehmen und ſtets dicht am Glaſe ſtehen. Daſſelbe gilt vom Sammetveilchen oder Stiefmütterchen(Penſee Gedenkemein) und von der Gartenprimel, worunter beſonders die gefüllte kurzſtielige(Primula acaulis) Gar⸗ tenprimel, wovon es mehre ſchöne Spielarten gibt, zu empfehlen iſt. Die Primeln können jedoch ſchon etwas mehr Wärme vertragen, wenn dieſe nicht zu trocken iſt.
Auch das Gartenvergißmeinnicht oder Gedenkemein⸗
(Omphalodes verna) wird auf gleiche Weiſe gezogen, kann aber recht gut 10— 12 Grad Wärme bekommen. Von Veilchen und Vergißmeinnicht kann man die alten Blätter abſchneiden. Die reizenden rothen und blauen gefüllten Leberblümchen oder Leberröschen(Hepatica triloba) werden wie Veilchen gezogen. Folgende Blumen werden leicht vom Februar an im Doppelfenſter ohne Anwendung von großer Wärme in Blüte gebracht und verdienen ge⸗ trieben zu werden: Myoſotis alpeſtris(montana oder ſylvatica grandiflora), blau und weiß, das ſchöne Alpen⸗ und Bergvergißmeinnicht, Trollius aſiaticus, caucaſicus und andere, Adonis vernalis(Frühlingsadonis), Nar⸗ dosmia fragrans(wohlriechender Huflattig), Bellis pe⸗ rennis,(gefüllte Tauſendſchön oder Masliebchen in vielen Farben), Asperula odorata(der reizende Waldmeiſter), Corydalis belboſa,(Hohlwurz), Epimedium macronthum, pinnatifidum, violaceum(Sockenblumen, höchſt empfeh⸗ lenswerth), Gentiana acaulis(blonder niedriger Enzian), Lithospermum davuricum und pulohrum(Tulmonaria virginica), Saxifraga longifolia, Orobus vernus, Sol⸗ danella alpina, Erinus alpinus, Aurikel, mehrmals blühende Nelken(ſogenannte Remontantnelken) in vielen Farben, Uvularia grandiflora.
Etwas abweichend iſt die Behandlung der Zwerg⸗ ſchwertlilien(Iris pumila), wovon man mehre Farben hat, jedoch vorzugsweiſe die dunkelblaue Sorte treibt, weil die Farbe ohnedies matt bleibt. Man pflanzt davon die Spitzen der Knollen, woran hinlänglich Wurzeln in fingerlangen Stücken ſind, aufrecht ein, ſo viele in den Topf gehen, und treibt ſie bei mäßiger Wärme an.— Prächtig ſind die Gartenranunkeln, jedoch eben ſo ſchwierig zu ziehen. Dieſe dürfen durchaus keine warme Stelle und keine trockene Luft bekommen. Hierzu eignen ſich nur die ſogenannten Türkiſchen oder Turbanranunkeln, wovon man rothe, gelbe und bunte(gelb mit roth) hat. Man läßt die Töpfe mit den Knollen, die im Auguſt in lehmige Erde gelegt werden, ſo lange wie möglich im Freien und ſtellt ſie bei eintretendem Froſt an einen kalten hellen Ort. Die erſten Töpfe kann man ſchon im No⸗ vember in das kalte Doppelfenſter ſtellen, wo man reichlich Waſſer gibt. Man muß die Fenſter von außen gegen Kälte verwahren, damit man die warme Zimmerluft nicht hineinzulaſſen braucht, was leicht das Mißlingen zur Folge haben kann. Beſſer iſt es, wenn man die erſt im October eingepflanzten Knollen erſt gegen Ende Februar in das Doppelfenſter ſetzt, wo ſie bei Sonnenſchein ſehr bald und ſchön zur Blüte kommen.
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.


