Zimmer dicht hinter ein Fenſter ohne Doppelſcheiben ſtellen oder, wenn es der andern Pflanzen wegen rathſam erſcheint, den innern Flügel des Blumenfenſters öffnen. Es iſt gut, in warmen Tagen die Roſen mit einem Haar⸗ oder Strohbeſen zu beſpritzen und das Fenſter darauf einige Zeit verſchloſſen zu halten. Auch Theeroſen laſſen ſich auf dieſe Weiſe Ende Februar treiben.
Die übrigen Treibroſen, beſonders die Remontantroſen, können auf ganz gleiche Weiſe getrieben werden, allein es geht damit ſehr langſam. Eignet ſich das Blumenfenſter dazu, eine Vorrichtung zur Erzeugung von Bodenwärme anzubringen, ſo iſt der Erfolg ſchon viel ſicherer. Dies iſt beſonders in Gebäuden mit ſtarken Mauern leicht ein⸗ zurichten, jedoch auch in jedem andern Zimmer, in welchem man den Blumen ein durch die Liebhaberei der Bewohner gerechtfertigtes Vorrecht einräumt, möglich zu machen. Das Blumenfenſter muß nämlich in Form eines Glas⸗ ſchrankes in das Zimmer vortreten. Der Raum bis zum Fußboden wird dann durch einen zum Meublement des Zimmers paſſenden Verſchlag verſchloſſen, der mit einer gutſchließenden Thüre verſehen iſt. Der Boden des Blumenfenſters wird 6 Zoll unter der Fenſterbrüſtungs⸗ höhe, wo das Glas beginnt, angebracht und aus Zink⸗ blech oder aus glatten Dachziegeln gebildet, die auf Eiſen⸗ ſtäbe oder Latten gelegt ſind, weil Holz die Wärme nicht gut leitet. Darauf werden die Töpfe geſtellt und in feuchten Sand eingegraben. Die Erwärmung geſchieht am einfachſten durch einen 4 bis 5 Zoll hohen Blechkaſten von der Größe des Fenſterbodens, den er ſogar mit ſeiner Oberſeite bilden kann. Dieſer wird mit Waſſer gefüllt und täglich zweimal, bei Kälte auch ſpät Abends noch ein⸗ mal, mit Spiritus geheizt, wodurch eine höchſt zuträgliche Bodenwärme verbreitet wird, in welcher alle Treibpflanzen gut gedeihen. Hat man ſtets heißes Waſſer im Hauſe, ohne beſonders heizen zu müſſen, ſo kann man täglich zweimal, bei warmer Witterung auch blos einmal, den Blechkaſten mit heißem Waſſer füllen nnd das kalte ab⸗ laſſen. Dieſes letztere iſt dann zum Begießen vortrefflich. Man kann auch den Blechkaſten mit heißen Steinflaſchen (Kruken oder Krügen) oder mit heißen Steinen füllen und ſo die Wärme erzeugen. Dieß Alles iſt wohl mühevoll und verlangt viel Aufmerkſamkeit, aber dem wahren Blumenfreund, dem die Erziehung und nicht blos der Genuß Freude macht, iſt es nicht zu viel.— In einem ſolchen Zimmer⸗Gewächshauſe, welches eine Temperatur von nicht über+ 12— 15 Grad R. hat, kann man ſchon im November und December mit dem Treiben beginnen, doch iſt es immer ſicherer, bis zum Januar zu warten. Am
erſten ſetzt man die kleinen Centifolien und die Damasce⸗
ner⸗ und Portlandroſen, ſowie die neuen Remontantroſen warm; ja, ich möchte rathen, mit den letzteren zu beginnen. Das Beſpritzen iſt bei dieſen Landroſen noch nothwendiger, als bei Monatsroſen, ſelbſt bevor die Blätter ſich ent— wickeln. Schneller und weniger umſtändlich iſt das Treiben, wenn man einen Kaſten wie zur Hyacinthen⸗ treiberei einrichtet, dieſen mit einem Fenſter einſchließt und an eine warme Stelle bringt, wenn auch dieſelbe nicht hell iſt. Vortrefflich gelingt es in einem Pferde⸗ oder Kuh⸗ ſtalle, indem man in einer hellen Ecke eine Art Miſtbeet anlegt, auf welches der Kaſten mit den Roſen geſtellt wird. Man muß natürlich die Töpfe in ein warmes, helles Zimmer bringen, ſowie ſich die Blätter entwickeln, dabei aber ſehr vorſichtig ſein, daß man die Pflanzen nicht der Kälte und in den erſten Tagen der Sonne nicht ungeſchützt ausſetzt. Will
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man Roſen in der offenen Stube treiben, ſo muß man ſie mindeſtens täglich dreimalbeſpritzen, was natürlich in einem guten Zimmer nicht wohl angeht. Eine Art Verſchlag, und wäre es auch nur ein mit Zeug überzogener Rahmen zur Abhaltung der trocknen Wärme und als Schutz der Meubel und Tapeten, iſt dabei faſt unentbehrlich.
Die zum Treiben beſtimmten Roſen werden vorher ſo lange im Freien gelaſſen, bis es ſtark gefroren hat, dann aber im Keller oder ſonſtwo froſtfrei aufbewahrt und vor⸗ her ziemlich trocken gehalten. Das Beſchneiden geſchieht wie bei den Roſen im freien Garten. Centifolien, Moos⸗ roſen und Damascenerroſen können kurz, d. h. auf 3— 5 Augen eingeſchnitten werden. Große Aufmerkſamkeit er⸗ fordert das Vertilgen des Ungeziefers. Zeigen ſich zu⸗ ſammengerollte Blätter, ſo ſitzt meiſt eine braune oder grüne Wickelraupe darin oder unter einem noch nicht be— ſchädigten jungen Blatte. Die ſich einſtellenden Blatt⸗ läuſe werden wiederholt mit weichen Bürſtchen oder Pinſeln abgekehrt.—
Unter den verſchiedenen Sträuchern, welche ge⸗ trieben werden können, kann ich für die Zimmerculter nur folgende empfehlen: Deutzia gracilis, Weigelia roſea und amabilis, Syringa perſica(Zwergſyringe), Corchorus (Kerria) japonica, Spiraea prunifolia plena, Azalea pon⸗ tica in mehren Farben, Paeonia arborea(Baumpäonie), Amygdalus nana und pumila fl. pleno(Zwergmandel⸗ ſtrauch), Coronilla Emerus(Kronwicke), Robinia hispida, (die rothe Akazie in Zwergform gezogen), Rhododendron ponticum, Maximum und Spielarten dieſer Alpenroſen. Die übrigen werden zu groß oder ſind ſchwierig zu treiben.
Die ſämmtlichen genannten Sträucher können ganz wie Landroſen behandelt werden. Nur in Bezug auf die Zeit ſind ſie unter einander verſchieden. Des Beſchnei⸗ dens iſt man dabei überhoben; manche vertragen es nicht einmal, weil die Blüten oft in den Spitzen erſcheinen. Man läßt die Töpfe, wie die Roſen, vor dem Treiben kalt ſtehen. Ueber die einzelnen genannten Pflanzen werden nachſtehende Andeutungen genügen. Deutzia gracilis iſt ein reizender kleiner Strauch, der ſchon als ganz kleine Pflanze blüht und wie mit Maiblumen bedeckt ausſieht. Man treibt ihn mit Sicherheit vom Januar an. Weigelia roſea und amabilis gehören zu den prachtvollſten Holz⸗ arten, die es gibt. Obſchon im Freien erſt im Juni blühend, laſſen ſie ſich doch ſchon im Janur ungemein leicht treiben. Sehr hübſch ſind kleine Bäumchen von 1—2 Fuß Höhe auf Diervillea canadenſis veredelt, welche viel reichlicher blühen, als wurzelächte. Syringa perſica, die niedrige perſiſche Silberblüte oder Syringe, braucht etwas lange Zeit bis zur Blüte; auch hat man ſie ſelten in kleinen Töpfen, ſo daß ſie ſchwer in ein gewöhnliches Doppelfenſter geht. Die Knospen ſitzen an den Spitzen, und man erkennt dieſelben leicht an der noch kahlen Pflanze. Corchorus(Kerria) japonica, auch Ranunkelſtrauch ge⸗ nannt, hat gelbe Blumen, die um dieſe Zeit ſelten ſind. Dieſer Strauch wird leider etwas hoch und blüht einzeln, hat aber ſehr ſchönes Grün und gefällt darum auch mit wenigen Blumen. Spiraea prunifolia mit gefüllten weißen Blumen iſt ſehr ſchön; leider gehört aber eine große Sorgfalt und Erfahrung dazu, vollblühende Pflanzen im Topfe anzuziehen. Azalea pontica in vielen prächtigen Farben iſt eine wahre Prachtpflanze. Man kann ſie in⸗ deß mit Sicherheit vor Februar nicht antreiben und darf dabei keine große Wärme anwenden.(Paeonia arborea
treibt ſich vom Februar an leicht imz Doppelfenſter und


