Jahrgang 
1857
Seite
46
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Um dieſe Zeit nun liegt die ganze Gegend nach dem Nord⸗ pole Saturns zu gänzlich im Schatten; es herrſcht daſelbſt eine mehrjährige Nacht; es iſt Winter, während der uns zugekehrte Südpol einen Tag hat, der mehre Jahre dauert. Betrachten wir aber dieſe tiefbeſchattete Gegend durch vorzügliche Fernröhre, ſo erſcheint ſie uns faſt dun⸗ kelgrau, enthält bis zu der ſehr dunkeln und ſchmalen Aequatorialzone keinen weiteren Streifen und iſt von da an auf der nördlichen Halbkugel ganz weiß(nicht unwahr⸗ ſcheinlich ein Etwas, das unſerm Schnee ähnlich iſt) bis unter den Ring hinein, der auf ſeiner ſüdlichen Fläche von der Sonne erleuchtet wird. Es fällt alſo bei dieſer Stellung Saturns der längſte(mehrjährige) Tag auf die ſüdliche und die längſte(mehrjährige) Nacht auf die nördliche Halbkugel. Ein umgekehrtes Verhältniß findet ſtatt, wenn wir den Saturn in der Mitte des Schützen ſehen(von 1871 1873); dann liegt die ſüdliche Halbkugel im Ringſchatten, und es iſt da Winter, während es auf der entgegengeſetzten nördlichen Sommer iſt.

Aus dieſem Allen leuchtet ein, daß der Saturnring auf dem Hauptplaneten eine weit ſtärkere Verſchiedenheit der Jahreszeiten und des Klima's veranlaßt, als ohne ihn ſtattfinden würde. Indeß, dieß außerordentliche Ring⸗ gewölbe, von dem wir wähnen, daß es den Saturnbe⸗ wohnern eher zum Nachtheile als zum Vortheile diene, iſt nun einmal da; über den Zweck, welchen der Welten⸗ ſchöpfer damit beabſichtigte, als ſeine Hand daſſelbe zu⸗ ſammenfügte, läßt uns die Conjecturalaſtronomie ganz im Dunkeln. Nun, ſoviel iſt wohl ausgemacht, daß auch der Saturn ſeinen Zweck habe.

Stellt ſich uns aber ſchon bei der Betrachtung dieſes ſonderbaren Ringes die Unähnlichkeit des planetariſchen Lebens mit dem unſerigen auf dem Saturn als unzweifel⸗ haft heraus, ſo wird uns dieſe Unähnlichkeit noch augen⸗

fälliger, wenn wir unſere geiſtigen Blicke auf die acht Monde lenken, die ihn auf ſeiner dreißigjährigen Wan⸗

derung um die Sonne als Trabanten begleiten, deren

Dienſt uns ebenſo unbekannt iſt, als der jenes Ringge⸗

wölbes. Oder wie? Sollen die Monde, wie man ver⸗

muthet hat, wirklich dazu dienen, um für die kärgliche Beleuchtung des Hauptplaneten einen Erſatz zu bieten? Wir wiſſen es nicht; auch ihr eigentlicher Zweck iſt, wie der des Ringgewölbes, ein Geheimniß, das ſich der er⸗ habene Himmelsarchitekt noch nicht hat ablauſchen laſſen.

Jedenfalls aber muß das Schauſpiel prachtvoll ent⸗ zückend für diejenigen Bewohner Saturn's, d. h. die Sa⸗ turnmenſchen ſein, denen es vergönnt iſt, in ihren Nächten den ſanft ſtralenden Ring am Firmament zu erblicken, der von leuchtenden Mondkugeln umtanzt wird ein Schau⸗ ſpiel, das ſich bisweilen in 24 Stunden dreimal wiederholt.

Nehmen wir nun auch an eine Annahme, die ſich mit triftigen Gründen rechtfertigen läßt, nehmen wir an, daß auch der Ringkörper Saturns ſeine Bewohner habe, ſo dringt ſich uns von ſelbſt die Frage auf: wie wird ihnen die Kugel ihres Hauptplaneten erſcheinen? Die, welche in der Mitte der Ringfläche wohnen, werden dieſe Kugel ſtets in ihrem Zenit, d. h. gerade über ſich im Scheitel, erblicken, und zwar in einer Größe, die 20,000 mal bedeutender iſt, als uns unſere Sonne vorkommt; ja, dieſe Kugel, deren ſcheinbarer Durchmeſſer den der Sonne, von der Erde ausgeſehen, 154 mal übertrifft, wird den achten Theil ihres ganzen Himmels einnehmen, während der Bogen, auf dem die Ringbewohner ſtehen, ſich ſcheinbar rechts und links zum Himmel ausſpannt und die ganze Rieſenkugel umfaßt und umſchließt. Welch' ein ſonderbarer Anblick würde dieß für uns ſein, wenn wir denſelben einmal genießen könnten?!

Jedoch auf dieſer Ringfläche zu leben, wird ſich Nie mand von uns wünſchen; denn während die Bewohner der einen Hälfte der Ringfläche einen 15 jährigen Tag

15jährigen Nacht umhüllt,

haben, ſind die Bewohner der andern Hälfte von einer und wir können uns durchaus nicht vorſtellen, wie dieſe Bewohner zurecht kommen werden. Indeſſen wird auch für ſie, wenn es anders deren gibt, die göttliche Allmacht durch Mittel geſorgt haben, daß ſie leben und ſich ihres Lebens erfreuen können und werden. Soviel über den Wunderbau des Saturn, ein Wun⸗ derwerk der Schöpfungskraft des Herrn aller Herrn!

Altes und Ueues aus der Zlumenwmelt.

Von H.

Jäger.

Zweiter Artikel. Das Treiben ſchön blühender Sträucher und Stauden im Winter.

Sträucher.

Unter allen Sträuchern behauptet die Roſe, als Königin der Blumen, fort und fort die erſte Stelle. Die Roſenzucht im Zimmer hat jedoch ihre großen Schwierig⸗ keiten und gelingt nur bei einer ſehr guten ſonnigen Lage in Doppelfenſtern oder in eigens zur Blumenzucht ein⸗ gerichteten Fenſter⸗Gewächshäuschen, von denen zu einer andern Zeit die Rede ſein ſoll. Man treibt die ſogenannte Monatsroſe, die Centifolie, beſonders die kleinere Art,

die Moosroſe, Damascenerroſe, Königsroſe(Roſe du Roi)

und neuerdings mit großer Leichtigkeit die mehrmals blühenden Landroſen(ſogenannte Remontantroſen). Von Monatsroſen eignet ſich vorzugsweiſe die als Roſa ſemperflorens centifolia bekannte ſchönere Abart der gemeinen blaßrothen Monatsroſe. Man ſtellt im Herbſt

den Roſenſtock mit Knospen in das Doppelfenſter, bis er aufblüht. Mit dem eigentlichen Treiben wartet man aber lieber, bis der Januar und Februar mehr Sonne bringt. Die Roſen werden auf gutes Holz zurückgeſchnitten und, wenn es nöthig iſt, mit fetter Erde aufgefüllt. Es iſt gut, die Töpfe im Keller oder Blumenzimmer vorher lange trocken zu halten. Will man die Roſen zeitig haben, ſo muß man immer etwas warme Luft in das Doppelfenſter laſſen, ſo daß es nicht unter+ 8 Grad R. Wärme hat. Be⸗ ſonders zweckmäßig iſt es, wenn man die warme Luft von unten eindringen läßt, ſo daß die Töpfe ſtets erwärmt werden und austrocknen können, wodurch auch die Luft eine wohlthätige Feuchtigkeit annimmt. Sind die Knospen ſo weit, daß ſie ſich färben, ſo kann man, wenn man das Aufblühen beſchleunigen will, die Roſen in das warme