Jahrgang 
1857
Seite
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Der Saturn mit ſeinen acht Monden.

ungleich ſtärkere, als der Mond für die Erde. Es fragt ſich nur, ob ein Gegenſtand vorhanden ſei, an welchem dieſe Flutwirkung ſich darſtellen könne.

Waſſer von der Beſchaffenheit und namentlich von der ſpecifiſchen Schwere des unſerigen kann freilich auf dem Saturn nicht angenommen werden, da die Dichtig⸗ keit des ganzen Körpers und beſonders der Oberfläche, wie oben ſchon bemerkt wurdo, beträchtlich geringer iſt,

und Oceane, deren Schwere größer, als die der Conti⸗

nente wäre, mit dem Gleichgewichte des Ganzen nicht wohl beſtehen würden. Dieß hindert aber nicht, uns die Möglichkeit zu denken, daß dennoch irgend eine Flüſſig keit vorhanden iſt, die den hydroſtatiſchen Geſetzen, d. h. den Geſetzen von dem Gleichgewicht tropfbarer Flüſ⸗ ſigkeiten, unterworfen ſei. Wenn aber dieß der Fall iſt, ſo muß ſie durch die Anziehung des Ringes in eine ſchmale Zone ſenkrecht unter ihm angehäuft werden, ebenſo wie umgekehrt die auf dem Ringe ſelbſt befindliche freie Flüſ⸗ ſigkeit durch die Gegenwirkung Saturns an die innere Kante gezogen und dort angehäuft werden muß. Dieß muß aber gerade ſolche graue Streifen erzeugen, als man beobachtet hat, und hiernach ſtänden ſich gleichſam zwei Flutringe einander gegenüber, in denen entweder die ſämmtlichen oder doch der größte Theil der flüſſigen Maſſen beider Körper enthalten ſind.

Obgleich es nun, wie ſchon bemerkt wurde, wegen der äußerſt geringen Dichtigkeit Saturns und ſeines Ringes nicht wahrſcheinlich iſt, daß auf dieſen beiden Körpern Waſſer in unſerm Sinne vorhanden ſei, ſo muß doch ein Fluidum(ein Flüſſiges), es mag von einer Art ſein, von

welcher es will, als daſelbſt vorhanden angenommen werden, das den Bewegungsgeſetzen ebenſo wie das Waſſer

Bedenkt man nun, daß die Höhe der Flut im um gekehrten Verhältniß des Würfels der Entfernung des anziehenden Körpers wächſt, ſo daß z. B. bei gleicher Maſſe ein zehnmal näherer Mond ſchon eine tauſend mal höhere Fluth bewirken würde; bedenkt man ferner, daß der Ring von der Oberfläche Saturns, wie wir vor hin ſahen, etwa 5000 Meilen entfernt iſt, alſo ihm 10 mal näher ſteht als der Mond unſerer Erde, ſo kann man ſich eine Idee machen, bis zu welcher Höhe dieſe Flut ſteigt, und es iſt demnach höchſt wahrſcheinlich, daß die um den Aequator Saturns befindliche graue Zone weiter nichts als eine conſtante, in ſtets gleichbleibender Höhe zu ſammengehäufte, große Menge von Saturnwaſſer iſt.

Ueber den Zweck des Saturnringes äußerten frühere Aſtronomen die Anſicht, daß er dazu beſtimmt ſei, dem lichtarmen Centralkörper mehr Licht zu ſpenden; allein es unterliegt keinem Zweifel, daß Saturn ohne Ring weit mehr Sonnenlicht genießen würde, als ihm in Folge dieſes Ringes wirklich beſcheert iſt. Denn dieſe Ringdecke ent zieht ihm das Licht am meiſten zu einer Zeit, wo es ihm am ſpärlichſten zugemeſſen iſt, nämlich im Winterhalb jahre Saturns, das, wie ſchon bemerkt wurde, 14 ¾ Er⸗ denjahren gleich iſt.

Welche Abſicht aber der Schöpfer des Weltalls mit der Erſchaffung dieſes Ringes gehabt habe, bleibt uns gänzlich verborgen. Daß derſelbe aber in Folge ſeines Schattens oder ſeiner Lichtentziehung einen großen Ein fluß auf die Beſchaffenheiten der Jahreszeiten und des Klima's auf dem Saturn haben müſſe, das ſtellt ſich durch folgende Betrachtung heraus.

Wir ſahen bereits oben, daß, wenn Saturn in der Mitte der Zwillinge ſteht(von 1855 1857), ſein Ring

unſerer irdiſchen Oceane unterworfen iſt. ſich uns Erdbewohnern in ſeiner größten Breite zeigt.