In neuerer Zeit hat man mit mächtigen Fernröhren ſogar noch einen dritten Ring wahrgenommen; nämlich der äußere ſchmalere Ring iſt in zwei Theile von unglei— cher Breite geſpalten. Ja, man will in neueſter Zeit noch mehr Spalten erkannt haben, ſo daß der ganze mit mäßi⸗ gen Fernröhren geſehene Ring nicht blos ein doppelter oder dreifacher, ſondern ein vielfacher iſt. Desgleichen hat man um die Saturnkugel herum noch einen dunkeln Ring entdeckt, der von den äußern hellen Ringen concen⸗ triſch umſchloſſen wird. Er iſt entweder ganz oder doch zum Theil durchſichtig; ſein Schatten, den er auf den Saturn wirft, iſt dunkelgrau, während der Schatten der hellen Ringe vollkommen ſchwarz iſt.
So fein und ſo genau ſind die Beobachtungen, welche ) 9
die unermüdlichen Himmelsbeobachter mit ihren wahr⸗ haft bewundernswürdigen Seh⸗ und Meßinſtrumenten
angeſtellt haben und noch anſtellen, um uns möglichſt
ſichere Kunde zu geben von den großen Werken, die der Weltenſchöpfer in weiter Ferne geſchaffen und dem An— blicke des unbewaffneten Auges entzogen hat.
Wie mag wohl dieſes wunderbare Phänomen, näm⸗ lich der in Rede ſtehende Saturn mit ſeinem Ringge⸗ wölbe, entſtanden ſein?— Dieſe Frage, geehrte Leſer, hängt mit einer andern zuſammen:„wie mag die Welt, d. h. unſere ganze Planetenwelt, entſtanden ſein?“— Ich muß hier über dieſe Frage hinweggehen, da ich dieſelbe in einer beſondern kleinen Schrift*) zu beantworten ver ſucht habe, auf welche ich diejenigen, welche für Gegen⸗ ſtände ſolcher Art ein Intereſſe haben, zu verweiſen mir er⸗ laube. Wir kehren nochmals zu unſerm Saturn zurück!—
Das mehrerwähnte Ringgewölbe zeigt ſich immer in einer ſcharfbegrenzten Geſtalt, indem es auf der Seite, die es der Sonne zukehrt, ſtärker erleuchtet wird, ſtärker noch, als die der Sonne zugekehrte Halbku⸗ gel des Saturn ſelbſt. Das von der Sonne erhaltene Licht reflectirt das Ringgewölbe auf ſeinen Planeten, ver⸗ finſtert bisweilen durch ſeinen Schatten einen Theil von deſſen Oberfläche und erleidet ſelbſt durch den Saturn⸗ ſchatten Verfinſterungen, und es geht hieraus hervor, daß das Ringſyſtem nicht, wie man früher glaubte, ein Strom von leuchtenden Dünſten ſein kann, ſondern eine feſte, undurchſichtige Maſſe ſein muß.
Manche frühere Aſtronomen waren geneigt dazu, daß der ganze Ring oder, wie wir jetzt wiſſen, das ganze Ringſyſtem aus kleinern und größern Weltmaſſen(Me⸗ teoren) zuſammengeſetzt ſei, die vor Jahrtauſenden vom Saturn angezogen und zu einem feſten Gewölbe vereinigt worden wären, was aber ſehr unwahrſcheinlich iſt. Andere hielten dafür, daß Saturn nach vollendeter Bildung eine Umdrehung um ſeine Achſe gehabt habe(die hat er noch), wodurch der leichteſte Stoff ſeiner Oberfläche mit Hülfe der Wirkung der Wärme über ihn erhoben worden ſei, ſo daß ſich alle zerſtreute Dunſtmaterie neben dieſer Fläche in einem nicht gar breiten Raume geſammelt hätte; allein auch dieß iſt nicht wahrſcheinlich.
Dagegen hat der große franzöſiſche Aſtronom La⸗ place die Hypotheſe aufgeſtellt und gerechtfertigt, 1) daß das Ringgewölbe ein feſter Körper von ungleicher Breite ſei; 2) daß ſein Schwerpunkt mit ſeinem Mittelpunkte nicht zuſammenfalle; 3) daß ſeine Dichtigkeit größer, als
*) Die Geneſis der Planetenwelt. Mit einer Monogra⸗ phie der beiden zuletzt entſtandenen Planeten. Mit Holzſchnitten. Langenſalza(Schulbuchhandlung) 1856. Pr. 6 Sgr.(Zweiter Cyelus der„Gemeinfaßlichen naturwiſſenſchaftlichen Vorleſungen“. Nr. 3.)
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die des Saturn ſei. Dieſe Hypotheſe ſtimmt ſehr gut überein mit der Hypotheſe, die derſelbe Aſtronom über die Entſtehung der Planeten in unſerm Sonnenſyſtem aufgeſtellt hat, und die ich in der vorhinerwähnten Schrift des Nähern beſprochen habe.
Das Vorhandenſein von Ungleichheiten gebirgiger Art hat ſchon der ältere Herſchel mit ſeinem berühmten 40 füßigen Rieſenteleſkop durch Beobachtungen nachge⸗ wieſen, indem er fünf heller glänzende Punkte auf einem der Ringe bemerkte, mit deren Hülfe er auch die Ro⸗ tation oder Achſendrehung des Ringgewölbes auf 10 St. 32 Min. beſtimmt hat.
Sonderbar iſt es, daß an derſelben Stelle, wo ſich nach oben hin ein ſolcher Berg zeigt, man auch nach un⸗ tenhin einen ſolchen zu bemerken pflegt, und es hat wirk⸗ lich den Anſchein, als wären dieſe Erhöhungen wie kleine
Monde in die übrige Ringmaſſe eingeſchloſſen; allein
dieß ſind wol nur optiſche Täuſchungen. Monde ſind es auf keinen Fall und können es nicht ſein.
Um dieß zu beweiſen und es meinen geehrten Leſern klar zu machen, ſcheint es mir denn doch als nothwendig, Einiges bezüglich der möglichen Entſtehung des Ring⸗ ſyſtems noch beizubringen, reſp. zu ergänzen.
Da wir bis jetzt 8 Hauptplaneten und 42 Planetoi⸗ den, die zuſammen eine beſondere Zone bilden, kennen, ſo umfaßt die Bildungs⸗oder Entſtehungszeit dieſer Welt⸗ körper 9 Perioden, gleichviel ob eine ſolche Periode nach Jahrhunderten oder nach Jahrtauſenden zählt, was wir natürlich nicht wiſſen, aber es auch nicht zu wiſſen brauchen.
Die erſte Periode beginnt mit dem Neptun, als dem uns bis jetzt bekannten äußerſten Planeten unſeres Sternenſyſtems, der als der älteſte und für jetzt als der erſte zu betrachten iſt; er trennte ſich von der Scheibe des im unendlichen Wolkenraum rotirenden glühenden Gasballes als Ring zuerſt los, und dieſer Ring geſtal⸗ tete ſich durch ſeine Concentration zu einer ſich um ihre Achſe ſchnell drehenden Kugel. Auf ähnliche Weiſe bilde⸗ ten ſich in dieſer Periode Uranus; in der 3.— Sa— turn; in der 4. Jupiter; in der 5.— Die Plane⸗ toiden; in der 6. Mars; in der 7. Cellus; in der 9.— Merkur, den die erwähnte Gasballſcheibe zu⸗ letzt abſetzte und von da circa 8 Millionen geographiſche Meilen zurückzog und zur Sonnenkugel geſtaltete.
Unſer Saturn, um vorläufig bei dieſem ſtehen zu bleiben, entſtand alſo in der 3. Periode. Die erwähnte Gasballſcheibe ſetzte ſein Material als einen großen Ring ab, und aus dieſem zerplatzten Ringe concentrirte ſich die Saturnkugel, die ſich durch ihre ſchnelle Rotation abermals zu einer Scheibe bildete, deren Grenze ſich über 500,000 Meilen weit von ihrem Mittelpunkte erſtreckte, um den uns bis jetzt bekannten letzten Saturntrabanten als Ring abzuſetzen, welcher letztere ſich gleichfalls zu einer Kugel zuſammenzog.
Nachdem alle Monde, von denen ich nachher reden werde, gebildet waren, zog ſich die Scheibe immer mehr zur Kugelform zurück, doch zuletzt, nachdem der neugebil⸗ dete Planet durch Wärmeverluſt ſchon eine ziemliche Con⸗ ſiſtenz erhalten hatte, riß ſich— Gott weiß durch welche Kraft— abermals ein großer, ſtarker Ring los, der aber wegen ſeiner Stärke ſowol als wegen der ihm ſchon inne⸗ wohnenden größern Conſiſtenz nicht wie die übrigen Ringe zerbrach und ſich zu einem oder mehren Trabanten bil⸗ dete, ſondern um ſeinen Centralkörper freiſchwebend blieb


