Jahrgang 
1857
Seite
42
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Darauf kommts nicht an, ſagte die Alte lächelnd, ob Ihr's wollt oder nicht. Es ſoll an den rechten Erben, was ihm gehört und gebührt, und damit Hollah! Recht muß Recht bleiben! Gott im Himmel will's ſe. Da kann ein armer Menſch nichts ändern.

Ach! Koſelsbaſe, rief das Mädchen in äußerſter Angſt, redet ihm doch zu, daß er da bleibt und Alles läßt, wie es iſt. Wir ſind ja vergnügt mit unſerm Stücklein Brot. Ich will nichts und nehme nichts! Sagt's ihm, ſagt's ihm doch! Wollet Ihr nicht? Gut, dann ſag ich's ihm ſelbſt!

Thue das, Kind, thue es. Es iſt ihm gewiß am liebſten ſo! ſagte die Alte mit einem ſchalkigen Lächeln.

Das Mädchen erglühte.

Ach, quält mich nicht, rief ſie weinend aus, und er⸗ hört mein Flehen! Ich will Euch auf den Händen tragen mein Lebtag!

Sei doch vernünftig, Kind, ſprach die Alte. Wer wird gleich ſo aus allen Fugen ſein, wie Du! Es iſt ja auch noch nicht aller Tage Abend, und der Rhein wird noch manch Tröpflein hinabrollen, ehe das Alles fertig iſt. Doch ſie ſah zum Fenſterlein hinaus und e eefie dickes Gewölke am Himmel man meint', ſollt' heute noch einmal ein Gewitter geben, zu guter L Lest. Da nun ich fort und Deiner Mutter raſch auftrocknen helfen. Nun ſag' ich Dir, heule nicht! Das macht's nicht beſſer. Bete Du, das hilft! Und mit dieſen Worten machte ſn ſich von dannen und eilte, ſoviel es ihr Alter zuließ, dem Pfade zu, der an der Mauer hinab zur Ufer⸗ bleiche leitete. Sie ließ das arme Mädchen in einer troſtloſend Lage. Indeſſen klang ihre letzte Mahnung in eine fromme, gläubige Seele hinein, und bald kniete Käthchen am Boden und ſchüttete ihre Seele vor dem Herrn im innigen Gebete aus. Sie flehte aus angſter⸗ füllter Seele, daß der Herr in Gnaden Franzens Herz regieren wo lle, daß er den raſchgefaßten Entſchluß nicht ausführe; daß er Alles, was jetzt ſo kraus und verworren ſchien, gnädiglich löſen und entwirren wolle, daß es ſich zum Guten für Franz wende!

Die Jahreszeit war ſchon weit vorgerückt und die Abende

Saturn,

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waren ſchon kühl. Die Zeit der Gewitter ſchien längſt vorüber. Dennoch war der Tag heiß und die mächtigen, weißen, geballten Wolken, die im Südweſten über die Berge emporſtiegen, ließen allerdings einen Gedanken Raum gewinnen, wie ihn die Koſelin ausgeſprochen.

Als Käthchen noch in heißem Gebete rang, klopfte es heftig an die Thüre. Sie erſchrak, ſtand ſchnell auf und eilte an's Fenſter. Da ſtand des Schullehrers kleines Töchterchen an der Thüre. Das Kind war ganz athem⸗ los, ſo war es gelaufen.

Käthchen, lieb Käthchen! rief das Kind, komm' doch eiligſt auf die Bleiche und hilf auftrocknen und aufraffen. Es gibt ein ſchwer Wetter! Tummle dich; die Mutter läßt Dir's ſagen, Deine Mutter und meine!

Geh' nur Julchen, war des Mädchens Gegenrede. Ich komme ſogleich.

Wieder eilte ſie in die Küche, die Spuren ihrer Vhrnen durch kaltes Waſſer zu vertilgen, trocknete ſich ſchnell ab und eilte zur Hülfe den Pfad hinab.

Es that aber auch Noth. Die mächtigen Wolkenmaſſen, an denen ddie Nänder ſchneeweiß waren, die aber dann ganz ſchwarzgrau ſich emporhoben, ſtiegen ja mehr und mehr über die Bergeheraus, die oben das Rheinthal au zuſchließen ſchienen. Der Rhein macht bei dem Dorfe einen weiten Bogen. Dadurch ſchließen ihn oben und unten die Berge ſcheinbar ſo ein, daß er wie ein Bergſee vor dem Auge liegt. Der Windl holte aus in gewaltigen Athemzügen und trieb die Wolken ni großer Schnelle über den veiü Thalkeſſel. In den gewaltigen Nußbäumen begann ein prophetiſches Rau⸗ ſchen. Die Wellen des Stromes, die ſich ſeit dem Morgen geglättet hatten, fingen an ſich mehr und mehr zu kräuſeln. Die Möven, welche an den felſigen Ufern hauſen, begannen raſcher die Luft zu durchſchneiden und ſtießen jenen klagen⸗ den Ton aus, der ein Vorbote des Sturmes zu ſein pflegt. Die Vögel flogen raſcher, und alle Vorzeichen eines ſchwe⸗ ren Wetters waren vorhanden, das bei dem Südweſtwinde ungeheuer ſchnell dem Strome, der in dieſer Richtung fließt, folgte.

(Schluß folgt.)

der drittletzte und zweitgrößte Planet unſerer Sonnenweltordnung.

Nach den neueſten Ergebniſſen aſtronomiſcher Forſchungen.

Von Pf. Fleiſchhauer.

(Schluß.)

Gemeſſen iſt das ganze Ringgewölbe von den Aſtro⸗ nomen unzähligemal und mit großer Sorgfalt. Nach den neueſten Meſſungen des verſtorbenen großen Aſtro⸗ nomen Baſſel beträgt der Durchmeſſer des äußern Ringes, einſchließlich dem innern, der Zwiſchenräume und der Saturnkugel, alſo des ganzen Phänomens, 37,587 geographiſche Meilen. Es ſtellt ſich demnach folgendes Ergebniß heraus, wie die, übrigens nicht geo metriſch aufgenommene Fig. 3 darthut.

Zu bemerken iſt noch, daß dieſe Ringe keine vollen Kreiſe bilden, ſondern etwas elliptiſch(oval) ſind; auch ſteht der Centralkörper nicht ganz in der Mitte, ſondern etwas nach der weſtlichen Seite hin.

Die Dicke oder Stärke dieſes Ringſyſtems hat man gleichfalls zu meſſen verſucht und gefunden, daß es ungefähr 30 Meilen beträgt. Da man auf dem innern Theil des Rin⸗ ges bisweilen einen Schatten ſieht, den die Saturnkugel wirft, ſo geht hieraus hervor, daß auch der Ring, ſowie die Kugel Saturns ſelbſt, ein dunkler Körper iſt, der ſein Licht nur von der Sonne erhält. Auch die Farbe des Centralkör⸗ pers iſt von der ſeines Ninaoiwelbe verſchieden; erſterer iſt gelblich, letzterer weißlich gefärbt. Hat der Planet eine günſtige Stellung zu unſerer Erde, ſo daß man einen oder beide Henkel geöffnet ſieht, ſo erblickkmand urch die Zwiſchen⸗ räume den Hintergrund des Himmels; ja ſogar einzelne Fix⸗ ſterne will man durch dieſe leeren Räume erkannt haben.

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