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Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.
Wöchentlich 1 ½— 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Die Nacht im Zleich-Häuschen. Eine Geſchichte, erzählt von W. O. von Horn.
(Fortſetzung.)
Als ſie am andern Tage aus dem Hauſe Peter Merks kam, eilte ſie ſtracks zu dem kleinen, einſtöckigen Häuschen. Die Witwe Merk war auf der Bleiche, wohin auch die Koſe⸗ lin zurückkehren wollte, da bei hellem Sonnenſcheine die Wäſche des Schulwäschens, wie man die Lehrerin trau lich nannte, aufgetrocknet werden mußte. Käthchen ſaß alleine da und nähte emſig, und manche ſtille, heiße Thräne befeuchtete das Tuch, das ſie zum Hemde verar⸗ beitete. Schnell eilte ſie in die Küche, als ſie die alte Koſelsbaſe kommen ſah, um ſich zu waſchen und die Spuren ihrer Thränen zu vertilgen. Das gelang ihr um ſo vollſtändiger, als die Alte nur langſam gehen konnte. Sie ſaß wieder an der Arbeit, und die Koſelin bemerkte nichts, als ſie eintrat.
Du wirſt mich fragen, hob ſie an, als ſie ſich ſchnell niedergeſetzt hatte, warum ich nicht auf der Bleiche ſei? Ja, da gehe Eins auf die Bleiche!— Weißt Du, was ſich heute Nacht droben bei Merks zugetragen hat? Nun, ich will Dir Alles erzählen! Das that ſie denn nun auch breit und ausführlich, vom Augenblicke mit dem Pferde an, bis zum letzten ihrer Worte, welches ſie dem alten Merk vor wenigen Augenblicken geſagt.
Käthchen hatte die Nadel ſinken laſſen vor Schrecken, als ſie den Entſchluß des jungen Merk vernahm, nach Amerika auszuwandern. Alles Blut war aus dem
lieblichen Geſichte gewichen, und das Herz pochte ſo ſtürmiſch, daß ſie kaum athmen konnte.
Ach! ſagte ſie endlich, mühſam die Thränen unter drückend, die ihr aus den Augen hervorbrechen wollten, er wird es doch nicht thun?—
Thun? Närriſches Kind. Thun? Freilich thut er's! Ich ſage Dir, mit dem Franz iſt dieſe Nacht ein Wunder geſchehen, das ich ſo recht eigentlich nicht begreife. Er iſt ein Anderer geworden: ein Mann, feſt und ſtark. Ja, ich kann dir noch mehr ſagen. Er forderte von ſeinem Vater, daß er Euch all' Euer Geld zurückgäbe; daß er die Hälfte der Erbſchaft des Martinsvetters mit den Zinſen vom Tage an, wo er ſie antrat, erſtatte. Ja, noch mehr: Er iſt in die Stadt und zum Notar, um Dir durch einen Akt ſein mütterliches Erbe zuzuwenden. Auf das väter⸗ liche will er verzichten. Das fiele Euch denn auch noch zu am Ende, wenn der alte Merk es nicht anderwärts vermacht. Er will nichts, als was ihm ſeine Pathe vermachte, und damit will erfort, über's Meer hinüber.—
Das Müädchen rang die Hände und ließ dann die gefalteten in ihren Schoß ſinken. Allmächtiger Herr im Himmel! rief ſie aus, was denkt der Franz?— Wir wollen nichts von ſeinem Vater und ihm! Wir haben uns ehrlich ernährt und werden es mit Gottes Hülfe auch ferner thun.


