Jahrgang 
1857
Seite
40
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Handwerkswahl.

Mein Sohn ſollte durchaus ein Handwerk lernen, und man ſchlug mir deßhalb mehre Arten derſelben vor.

Was beliebt.

ſverkauft in Frankreich Holzſchuhe das Paar mit 2 Sgr. bis zu

Ich konnte

mich aber lange nicht entſchließen; denn überall fand ich etwas, 3

was mir mißfiel. Der Hutmacher hat mit Filzen zu thun; der Hafner mit Hefen. Der Brauer kommt oft an Dinge in der Welt, wo Hopfen und Malz verloren iſt. Der Müller muß gar pfiffig ſein, um überall ſchnell zu erfahren, was das Korn gilt. Dem Glaſer kann jeder Narr die Arbeit durch⸗ ſehen. Der Seiler iſt freilich edelmüthig, indem er Anderen emporhilft; bei den ſchlechten Zeiten aber laſſen viele Leute den Kopf ohne Strick hängen, beſonders wenn ſie ſehen, daß alle Stricke reißen. Dem Schuhmacher wirft Jeder vor, daß ihn der Schuh drücke, und die Korbflechter haben einen ſchwierigen Stand; denn die Damen und Mädchen machen jetzt immer weniger Gebrauch von Körben. Der Friſeur muß alle Stadtneuigkeiten auf ein Haar zuerzählen wiſſen, und die Schneider können oft gut aufſchneiden und ſchlecht zu ſchneiden. Der Leimſieder muß zu Grunde gehen; denn die Menſchen wollen nun einmal nicht recht mehr zu⸗ ſammenhalten; und der Binder kann unmöglich alles Unge⸗ bundene zuſammenbringen. Endlich entſchloß ich mich für den Maurer; denn erſtens kann er ein großes Haus machen; zweitens, da es ihm ein Leichtes iſt eine Wand aufzuführen, ſo kann er auch leicht den Aufwand in ſeinem Hauſe beſtreiten, und für ſeine Mängel und Fehler findet er ohne Schwierigkeit einen Vorwand. Es iſt auch ſonſt der weſentliche Unterſchied zwiſchen dem Maurer und andern Gewerbsleuten, daß jener ein Werk aufführen kann, das ihm hinterdreinerſt einfällt.

holzſchuhe.

In Frankreich und Belgien ſind die Holzſchuhe allgemein verbreitet, und ſelbſt die feinſten Damen und eleganteſten Herren tragen ſolche Schuhe, größtentheils freilich nur als Ueberſchuhe. Wundert Euch das? Ja, wenn Ihr an die Holzſchuhe denkt, wie

ſie in manchen Gegenden Deutſchlands benutzt werden, und die

z. B. in Oſtpreußen und Pommern mit Recht den Namen Klum⸗ pen führen, da hättet Ihr Recht, Euch darüber zu verwundern. Aber ſo iſt es nicht; in Frankreich und Belgien trägt man gar feine Holzſchuhe, ſo fein verziert und lackirt, daß ſie dem Leder⸗ ſchuh täuſchend ähnlich ſind. Ein Fabrikant, Froment⸗Clolus in Paris, liefert allein jährlich 600,000 Holzſchuhe oder Sabots, wie ſie die Franzoſen nennen. Bei uns in Deutſchland ſind die Holzſchuhe nur noch wenig bekannt, und doch verdienen ſie die weiteſte Verbreitung; denn ſie ſchützen den Fuß am beſten vor Erkältung und ſind, was jetzt gar ſehr wichtig iſt, billig. Man

1 ½ Thlr. Wie vortheilhaft wäre die Benutzung der Holzſchuhe bei verſchiedenen Arbeiten, die auf dem Lande vorkommen! Wie manchen Armen würden ſie gegen die Nachtheile ſchützen, welche die Erkältung der Füße herbeiführt! Haſſenſtein.

Schaterzigeuner.

In einigen Theilen Siebenbürgens beſteht noch eine merk⸗ würdige Sitte oder vielmehr Unſitte. Hier leben nämlich ſ. g. Schaterzigeuner, und dieſe werden von der Gemeinde an das meiſtbietende Gemeindeglied verpachtet, um deſſen Felder zu düngen. Sie müſſen deshalb ihre luftige Hütte von Zeit zu Zeit auf einem andern Acker aufſchlagen. Den Zigeunern gefällt dieſes Leben gar wohl, aber an Cultur wird man ſie da⸗ durch ſicher nicht gewöhnen. Uebrigens gibt es unter ihnen Einzelne, welche ein kleines Vermögen beſitzen, ſo z. B. im Alten⸗ land, wo mancher dieſer Zigeuner 200 600 Fl.ſein eigen nennt. e.

Sammelt die Oöſtkerne!

Die Kerne von Aepfeln und Birnen werden von den wenig⸗ ſten Obſteſſern geachtet. Sie werden entweder zerſchnitten oder zerbiſſen. Die Natur hat viel für dieſelben gethan und gerade das, was wir genießen, nur zu ihrem Schutze geſchaffen und angeordnet. Das Kernhaus und das Fleiſch der Frucht iſt für die Kerne da. Man ſoll dieſe deshalb ſorgfältig ſammeln und ſortiren. Dabei ſind folgende Vorſichtsmaßregeln zu beobachten: In kein Gefäß, in keine Schachtel, die mit Leim oder Kleiſter an einander befeſtigt iſt, darf man die Obſtkerne legen; denn Leim und Kleiſter greifen die Keimfähigkeit der zarten Kerne an; am beſten iſt es, wenn die Kerne gleich, ſo wie ſie aus der Frucht kommen, und noch belohnender, wenn ſie mit der Feuchtigkeit derſelben in die Erde gelegt werden. Dieſe iſt ihre Düngung. Daß man beim Sortiren die Kerne der Aepfel von denen der Birnen ſcheide, von beiden nur die vollen, prallen Kerne wähle, ſagt Jeder ſich ſelbſt.

gegen das Verſtocken der Leinwand.

Man kocht 2 Pfund gute Cichenlohe in 20 Quart Waſſer ½ Stunde. In die klare Brühe legt man die Leinwand oder Säcke 24 Stunden, windet ſie dann aus, ſpült ſie in reinem Waſſer und trocknet ſie. Der Gerbſtoff der Lohbrühe dringt in die Faſern und ſchützt das Gewebe nicht blos gegen das Ver⸗ ſtocken, ſondern macht es auch haltbarer.

Die nächſten Nummern des Feierabend werden unter Anderem folgende Artikel bringen:

Der Fiſch für Alle, von B. Sigismund. Durch Nacht zum Licht, Erzählung von G. Nieritz. Touriſtenſkizze aus Neuenburg, von A. Buddeus, mit Illuſtration. Der Winzerbub, erzählt von O. Glaubrecht. Die Schlange und ihr Leben, von Dr. A. B. Reichenbach. Mein Obſtgarten mit Illuſtration, von E. Lucas. Landwirthſchaftliche Briefe von Dr. W. Löbe. Der Wegweiſer, ein Schwank von H. Jäger u. v. Ar

Verlag von Hugo Scheube in Gotha. Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha. Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.

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