Jahrgang 
1857
Seite
33
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Hat der Regen den harten, lehmigen Boden erweicht, ſo breitet ſich auf ihm ſchnell eine dünne Raſendecke aus; Berge und Wälder hängen eine Zeitlang voll bunter Blumen, wenn die Acaziaceen ihre gelben Trauben im Winde wehen laſſen und die Ericen ihre oft prachtvollen, fußlangen Blütenſtengel erheben. Die Bäche ſtrömen und ſtürzen oft wüthend in die Ebene hinab; die Sonne ſendet nur bisweilen milde Blicke und malt blaſſe, wäſſerige Streiflichter auf die Gegend. Selbſt in die fahlen Wipfel der Gummibäume kommt ein etwas friſcherer Hauch; ſie öffnen ihre Blüten, die wieder originell, wie Alles dort, in grüner Farbe prangen. Eine kühlere Luft weht von den Bergen und erfriſcht den ermatteten Körper. Täglich ziehen oft ſehr ſchwere Re⸗ genwetter über die Fluren und ſetzen nicht ſelten weite Strecken unter Waſſer, ver⸗ ſumpfen Lehmboden und machen die Wege grund⸗ los, ſo daß man ſelbſt in der Stadt oft nur mit Mühe bis zum nächſten Nachbar kommen kann, worunter natürlich die ent⸗ fernter liegenden Häuſer beſonders zu leiden haben. Wenn aber dann die Sonne wieder ſenkrechter ſteht, die Regenwolken einzelner zie⸗ hen und endlich ganz aus⸗ bleiben, der trübe Himmel ſich löſt, und wieder Tag für Tag das reine Blau ſich zeigt; wenn der Som⸗ mer mit glühendem Fuße daherſchreitet, und der Bo den ſo ausdorrt, daß er zu Staubzerfällt, und alle an⸗ dere Vegetation verküm mert: dann deckt die ganze Fläche ein gleichmäßiges, ermüdendes Stoppelgelb, die Bergezeigen wieder das düſtere Grau des bloßge⸗ legten Geſteins, und da zwiſchen ſtehen die alten, fahlen Gruppen der Gum⸗

miwälder. Die ganze Ebene, wenn man ſie

von den Höhen überblickt, ſchwimmt und flirrt in ei⸗ ner glühenden, electriſchen Luft, die fortwährend täuſchende Spiegelbilder vor die Augen des Wanderers zaubert; auf der gleichmäßigen Fläche liegen zeitweiſe einzelne Wolkenſchatten wie Schmuz flecken; es iſt wieder das alte düſtere Bild, die alte Ein öde und Eintönigkeit, die das Auge ermüdet und das Herz beklemmt.

Eine wahrhaft furchtbare Erſcheinung der warmen Jahreszeit ſind die heißen Winde. Wenn der Nordwind aus dem wüſten Innern hereinbrauſt, flieht Alles, was fliehen und ſich verbergen kann. In ſeinem Gluthauch welkt der letzte Reſt der grünen Vegetation, die Blätter und Halme rollen ſich verhängt zuſammen und fallen ab,

Der Third-Creck-Grund.

alles thieriſche Leben ſchmachtet und ſchnappt nach Luft. Der lehmige Boden zerſtiebt, erhebt ſich zu himmelhohen, meilenbreiten Staubwolken und wird oft zu anſehnlichen Hügeln zuſammengeweht, wie bei uns der Schnee. Alle Häuſer ſind geſchloſſen, die Fenſter verhängt und jede Oeffnung verſtopft, was bei der leichten Bauart der erſteren doch nicht dem Sturme wehrt, ins wahre Innere einzu dringen und Alles mit zolldicken Schichten Staubes zu bedecken. Die Straßen ſind völlig verödet, denn kein leben des Weſen kann ſich hervorwagen; die Geſchäftslocale blei ben oft mehre Tage geſchloſſen, der Verkehr iſt gänzlich aufgehoben. Die Sonne iſt verſchwunden oder ſteht höch ſtens als eine braunrothe Scheibe auf gelblichem Grund. Welchen Anblick die Ge gend und namentlich die Stadt bei ſolchem Sturme bietet, iſt kaum zu be⸗ ſchreiben!

Der Umgebung Ade⸗ laide's fehlt indeß nicht alles Leben, weil dieſelbe nun ſchon ziemlich ange baut iſt. Alles Land iſt in Beſitz genommen und, wie es dort üblich iſt, einge⸗ hegt. Ueberall blicken die weißen Häuschen der Co⸗ loniſten hervor; ja an den Bergen leuchten ſchon manche Landhäuſer, in de⸗ nen ſich reichere Bewoh⸗ ner, beſonders Kaufleute, angeſiedelt haben, undbrei⸗ ten um ſich herum einen werdenden Garten aus, in welchem die Pflanzen der tropiſchen und gemäßigten Zone vertraulich neben ein⸗ ander gedeihen. Denn wenn Auſtralien auch nicht im Stande war, aus ſich ſelbſt eine nährende Pflan⸗ zenwelt zu erzeugen, ſo er weiſt es ſich doch für die Pflege und das Gedeihen der in ſeinem Boden her⸗ übergetragenen Pflanzen immer dankbar. Auch bie hier zuſammenlaufenden, immer mehr oder weniger belebten Heerſtraßen tra⸗ gen dazubei, den der auſtra⸗ liſchen Landſchaft anhaftenden Character der Einöde allmä⸗ lich zu verdrängen. Die See, die man von den Bergen herab einige Meilen weit überblickt, bildet nicht mehr die einförmige, blaue Wand, ſondern iſt fortwährend belebt durch ein⸗ und auslaufende Schiffe, die wie weiße Punkte darauf ſtehen; am Horizont ſteigt bisweilen eine dunkle Wolke von den Dampfern auf, welche kommen oder gehen und das Band knüpfen mit der übrigen Welt, von welcher Auſtralien ſoweit entfernt gelegen iſt. Auf den Höhen weiden Heerden, in den Thälern ſteigt manche blaue Rauchſäule aus gaſtlichem Schornſtein, und die aus dem Walde ſchallenden Axtſchläge verrathen, daß die tauſend⸗