Frage blieb unbeantwortet; aber, da es ſchien, als käme
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Pfad, den auch Franz einige Stunden früher hinabge ſchritten war, in einer Hoffnung, die ihn ſo bitter tüuſchte.
Fröhlichen Herzens ſchritt das liebliche Mädchen hinunter; denn ob's wohl die Mutter nicht wollte, ſo that ſie doch ihrem kindlichen Herzen ein Genüge, und dieß Bewußtſein iſt ja ſo erquickend! Als ſie zu der Stelle kam, wo die mächtigen Nußbäume an der Ringmauer des Dorfes hinabſtehen, war es ihr, als höre ſie einen feſten, männlichen Tritt. Der Schall kam aus dem Thale herauf. Sie horchte. Das war nicht der Mutter Tritt. Sollte etwa ein Dieb? Sie erſchrak. Doch ſie kannte die Sorgfalt der Mutter und der Koſelsbaſe. Aber wer ſollte es ſein, um dieſe Zeit, an dieſem Ort? Die Tritte kamen näher. Sie trat angſtvoll hinter den Stamm eines Nußbaumes, der ganz nahe an der Mauer ſtand. Der Mond war hinter die Wolken getreten und der Himmel ringsum bedeckt; dennoch war es hell genug, wahrzunehmen, wie eine Geſtalt langſam daher ſchritt. Sie trug nichts. Ein Dieb war's alſo nicht.— Die Geſtalt kam näher. Des Mädchens Herz bebte, ſie glaubte Franz zu erkennen. Wie ſollte der hierher kommen und zu dieſer Zeit? Ihr Auge ſtrengte ſich an, die Lichtſtrahlen zum Erkennen zue benutzen, die das durch die Wolken brechende Mondlicht lieh. Das Auge der Liebe ſieht ſcharf. Wahrlich, er iſt's! ſagte ſie in ſich hinein. Aber was iſt ihm? So hab' ich ihn nie geſehen! Seine Hände ſind vor der Bruſt gefaltet, als wolle er das Pochen des Herzens hemmen. Sein Kopf iſt auf die Bruſt geſunken. So geht er ſtumm dahin. Ach! was mag ihm ſein?— Die
er von der Bleiche her, ſo eilte ſie jetzt um ſo mehr, dort hin zu kommen. Die beiden Frauen fand ſie noch in der größten Angſt wegen des-Geſichtes am Fenſter. Die Mutter ſchalt, daß ſie in dieſer Stunde da herab komme; ſie habe doch das Herz nicht, allein heim zu gehen. Die Koſelin lobte das gute Kind und lachte die Merkin aus, freilich ſich innerlich geſtehend, daß ſie ebenſowenig Luſt trüge, jetzt den Heimweg anzutreten. So kam natürlich die Rede auf das todtbleiche Geſicht am Fenſter. Jetzt erzählte Käthchen, daß ihr Franz Merk in ſeltſamer Haltung und Weiſe begegnet ſei. Vielleicht ſei er es geweſen, den ſie geſehen. Da blickten ſich die Frauen an und erſchraken noch mehr, indem ſie ſich deſſen genau⸗ erinnerten, was ſie geredet hatten. Die Sache hat, wie Alles, ihre zwei Seiten, hob endlich die Koſelin an.
Skizzen aus
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Es iſt gut, daß der Franz einmal Licht bekommt; denn er würde es doch ſonſt kaum ſo klar gewonnen haben; aber es iſt mir leid, daß er es durch mich erhält. Wie oft hat er mich über das ausfragen wollen, was er jetzt wei aber ich habe geſchwiegen, wie eine treue Magd ſchweig3en muß über das, was innerhalb der Wände des Hauſes ihrer Herrſchaft vorgeht. Zwar verachte ich den ſchända lichen Grundſatz: deß Brot ich eſſe, deß Lied ich ſinge; aber die Magd ſoll Augen haben und nicht ſehen; Ohren haben und nicht hören, eine Zunge haben, aber nicht reden, es ſei denn, wenn ſie Unheil und Verderben abwenden kann. So hab' ich's gehalten, und ſo halt' ich es auch jetzt.
Wie ſo denn? fragte die Merkin.
Wie, ich gehe ſelber zu dem Alten, ſagte die Koſelin auf dieſe Frage und erzähle ihm Alles und warne ihn bei Zeiten vor dem, was kommen könnte, wie ich nämlich den Franz zu kennen glaube.
Du wirſt doch nicht? rief angſtvoll die Merkin.
Warum denn nicht, du ängſtliche Einfalt? verwies die Andere.
Was ich geſagt, iſt Wahrheit, die will ich ihm einmal wieder voll, ganz, rund und nackt ſagen, durch dick und dünne, damit ich vollends ſein Gewiſſen wecke; aber ich ſag' es ihm auch, damit er nicht glaubt, es ſei klatſch⸗ weiſe und abſichtlich geſchehen. Er ſoll die Wahrheit wiſſen. Es würde mich quälen, wenn es ſchiene, als hätten wir falſch und hinter dem Rücken geſpielt. Sei⸗ V ner lieben Frau, Gott hab' ſie ſelig, verdank' ich viel zu V viel, als daß ich das vergeſſen dürfte, und das trag' ich, ob's gleich der alte Sünder nicht verdient, von ihr auf ihn über. Dabei bleibt's!
Die Merkin wußte, daß, wenn ſie mit den Worten ſchloß: dabei bleibt's, keine Maus einen Faden abbiß. Und ſo ſchwieg ſie, und das arme Käthchen, das traurig daſaß und ſeinen inneren Regungen Gehör gab, kam um die Frucht ſeiner Kindesliebe; die Merkin blieb, und bald wurde es todtſtille im Bleichhäuschen; denn eine Jede verſank für den Augenblick in ihre eigenen Gedanken. Die Koſelin ſtand endlich auf und ging, nach der Wäſche zu ſehen, und als ſie wieder kam, fand ſie reichen, neuen Stoff, ihrer Zunge freien Lauf zu laſſen. Wie weit ihr Gerede Hörer fand, das ließ ſie ununterſucht. Sie mußte reden oder ſchlafen, und da ſie das Eine nicht mehr konnte nach der Gewohnheit ihrer Natur, ſo that ſie das Andere um ſo emſiger und raſtloſer.
(Fortſetzung folgt.)
Australien.
Nach der Natur, von R. Kl... e.
I.
Adelaide.— Die auſtraliſche Landſchaft. V
(Schluß.)
Der Character der Landſchaft iſt übrigens nach den Jahreszeiten, deren es dort nur zwei, Sommer und Winter (Regenzeit), gibt, einigermaßen verſchieden. Die freund⸗ lichen Uebergänge des Frühlings und Herbſtes kennt man
nicht. Wenn die letzten Regen vorbei ſind, ſteht alſo⸗ bald die heiße Sonne wieder an dem tiefblauen Azur des Himmels, und ebenſo folgt dem letzten heißen Tage die Regenperiode, die überraſchend ſchnell die Scene ändert. I ¹
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