Jahrgang 
1857
Seite
28
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Wag heliebt.

Die Heidelbeere und ihr gebrauch.

Es dürfte wohl ein der Beachtung nicht unwerthes Wort ſein, auf den mehrſeitigen, zum Theil wenig bekannten Nutzen eines ſich häufig vorfindenden Landesproducts, der Heidel⸗ beere, aufmerkſam zu machen. Dieſelbe gewährt nämlich nicht nur zur Zeit des Einſammelns vielen Kindern und Erwachſenen mancher Gegenden mehre Tage und Wochen hindurch ihr faſt ausſchließliches Nahrungsmittel, ſondern dient auch als das einfachſte und unſchuldigſte Mittel zum Färben der Liqueure, Wolle, Leinwand. Ganz beſonders aber verdient ihr heilkräftiger Nutzen erwähnt zu werden. Es iſt nämlich eine unter den Landbewohnern ziemlich bekannte Sache, daß 1 2 Eßlöffel voll getrockneter Heidelbeeren, in etwa 1 Quart Waſſer aufgekocht und und lauwarm oder kalt mit den Heidelbeeren genoſſen, den hef⸗ tigſten Durchfall ohne alle nachtheilige Rückwirkung ſehr ſchnell ſtillen, und es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß dieſes ſo einfache

ſei. Beide Anſichten ſind aber falſch. Die Weiße kann und wird auch gewöhnlich bei dem Brote zum Nachtheil der Ver⸗ zehrer durch Alaun bewirkt, und wiſſenſchaftliche Männer wiſſen, daß gröberes Mehl nahrhaft, feines aber weniger nahr⸗ haft iſt. Gibt man einem Menſchen halbweißes Brot und Waſſer, ſo wird er leben und ſich einer guten Geſundheit er⸗ freuen; gibt man ihm dagegen blos weißes Brot und Waſſer, ſo wird er allmälig hinſiechen und ſterben. Das gröbere Mehl, aus welchem das halbweiße Brot bereitet iſt, enthält alle Stoffe, welche zur Ernährung der verſchiedenen Theile des menſchlichen Körpers weſentlich nothwendig ſind. Einige dieſer Stoffe wer⸗ den von dem Müller, um dem Geſchmack ſeines Publikums ſich gefällig zu zeigen, hinweggeſchafft, ſo daß feines Mehl, ſtatt beſſer als das gröbere zu ſein, am mindeſten nahrhaft und, was noch ſchlimmer, auch am ſchwerſten zu verdauen iſt. Es iſt zu wünſchen, daß die Bewunderer des weißen Brotes, und nament⸗ lich die Aermern, mit dieſer Wahrheit bekannt werden. Der unkluge Vorzug, den man dem weißen Brote gibt, hat zu dem ſchädlichen Gebrauch, mit dem feinen Mehl Alaun zu vermiſchen, und zu noch andern Verfälſchungen und Betrügereien geführt; denn die Bäcker können durch Beimiſchung einer größeren Menge Alauns dem Boote aus Mehl von geringerem Getreide ein Aus⸗ ſehen geben, als wenn es aus dem feinſten Mehle gemacht wor⸗ den wäre; dadurch wird aber der Käufer nicht nur betrogen, ſondern es wird auch ſeiner Geſundheit Nachtheil zugefügt.

als unſchädliche Mittel ſelbſt in Choleraanfällen ſich als ſehr

heilſam bewähren dürfte. Früher hieß es, wenn die Heidelbeeren

gut gerathen waren, daß dieſes für die Aerzte nicht gut ſei. Wie viele Haushaltungen die löbliche Sitte haben, alljährlich zur Zeit der Hollunderblüte ihren Hollunderthee ſich ſelbſt zu ſammeln und zu trocknen, wäre es auch jeder Haushaltung ſehr zu rathen, beſonders für etwaige Ruhrfälle, ein paar Quart Heidelbeeren zu trocknen und dieſelben aufzubewahren. Bewährt ſich übrigens dieſer mediziniſche Nutzen der Heidelbeere auch durch ausge⸗ breitetere ärztliche Erfahrungen, ſo dürfte wohl auch die Einſamm⸗

lung, Trocknung und Verſendung derſelben zu einem Nahrungs⸗ Deutſche Rapern. zweige ſich eignen. Auch die jungen zarten Blätter der Heidel⸗ Daß die Knospen des Kapernſtrauchs die bekannten Kapern

beerpflanze geben einen guten Thee, wenn man ſie mit der geben, die man eingemacht im Handel bekommt, iſt wohl ziem⸗ gehörigen Sorgfalt ſammelt und behandelt. lich bekannt; vielleicht kennen aber viele Hausfrauen die deutſchen Kapern noch nicht, welche die bekannte ſpaniſche Kreſſe in ihren Blumenknospen darbietet. Auch die Knospen der Dotterblume Weißes oder ſchwarzes Brot? liefern ſehr gute Kapern. Man ſammelt dieſelben Anfangs Die Engländer ſind bekanntlich ſehr ſtolz auf ihr weißes April, wo die Dotterblume auf feuchten Wieſen und an Bach⸗ Weizenbrot und ſehen das ſchwärzere Brot für ſehr gemein an. rändern wächſt, kocht ſie in einer dreifachen Menge Waſſers In neuerer Zeit ſind aber den Aerzten mancherlei Zweifel dar⸗ 3 4 Mal auf, gießt dann das Waſſer ab, läßt die Knospen etwas über aufgeſtiegen. Gewiß iſt es, daß falſche Anſichten über trocknen, thut ſie dann in ein Zuckerglas und übergießt ſie ſo die Güte verſchiedener Brotarten vorherrſchen. in allge⸗ hoch mit ſiedendem Weineſſig, daß derſelbe einen Zoll hoch über meine Meinung iſt, daß Brot vom feinſten Mehle das beſte, den Kapern ſteht. Nach gehörigem Erkalten verbindet man das daß die Weiße des Brotes der Beweis ſeiner guten Beſchaffengei Glas mit feuchter Blaſe und bewahrt es auf.

Aus dem reichen Inhalte der nächſten Nummern des Feierabend ſei nur das Folgende hervorgehoben:

Skizzen aus Auſtralien. Nach der Natur von R. Kl... e. Eine Reihe von Artikeln mit vielen p rachtvollen Illu⸗ ſtrationen nach Originalzeichnungen. Neue Bauten der Berliner Gemeinnützigen Baugeſellſchaft. Mit drei Abbil⸗ dungen nach Originalzeichnungen. Ueber den Wolken. Eine Erzählung von Franz Hoffmann. Gallerie deutſcher Volksſchriftſteller. I. Joh. Peter Hebel. Ein Lebensbild von Karl Stöber. Mit Porträt. Die Berliner Aktien⸗ Bratbäckeret. Mit mehren Abbildungen nach Originalzeichnungen. Neuenburg. Ein Reiſebild von Aurelio Buddeus. Mit Illuſtrationen. Die Chemie in ihrem Rerhaletniſ zum häuslichen Leben. Eine Reihe von Vor⸗ lefungen von Dr. Hugo Fleck, Aſſiſtenten am polytechniſchen Inſtitut in Dresden. Eine Jagdſcene in Oſtindien⸗ Mitgetheilt von Franz Hoffmann. Wie lebt die Pflanze? Ein Cyklus von Vorträgen von Prof. Dr. Haſſenſtein. Originalbrief aus Waſhington in Nordamerika. Mit Illuſtrationen. Die Wintergärten von H. Jäger. Mit zwei Abbil⸗ dungen. Der unterſeeiſche Telegraph. Von S. Steinhard. Der Saturn und ſeine Monde Von Pf Fleiſch⸗ hauer. Herat. Von S. Steinhard. Mit drei A lbLildungen Das Bettel⸗ und Gaunerweſen im Mittelalter. Von Jäde. Chamäleon. Ein Preisräthſel. Die Dampfmaſchine. Eine Erfindung d Spanier. Die Taufwecken. Eine Geſchichte von Karl Stöber. ꝛc. ꝛc

Außerdem eine Fülle der Pntereſ ſänaſten kirmnen Mittheilungen aus Leben und Natur für die Rubrik: Was beliebt, und eine reiche Sammlung von Rathſchlägen aller Art für den guten Rath in offenen Briefen.

Berichtigung einiger Druckfehler in Nr. 2.

In dem ArtikelDas Leben der Thiere S. 20 des Feierabend leſe man ſtatt Repetilien: Reptilien; ſtatt Roſtreih: Roſtweih; in dem ArtikelGuter Rath im Leſeſtübchen S. 7 ſtatt Schönlein: Schönbein.

Verlag von Hugo Scheube in Gotha. Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha. Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.