überſtimmt, ſo machte doch das vor uns entrollte Ge⸗ mälde nur einen unfreundlichen, düſtern Eindruck. Wie
anders ſtrahlte die braſilianiſche Küſte in ihrem tropiſchen
Gewand, welch' andere Farbenbracht hatte dort die unter⸗ gehende Sonne auf Himmel, Land und Meer ausge— goſſen! Hier ein grauer, niedriger, ſtruppiger Küſten⸗ ſtreifen, dahinter eine ziemlich leere, in mattem Grün ſtehende Bergkette von irſeanſger Geſtat ,nichts von jenem eigenthümlichen, feſtlichen Anſtrich, den ſonſt immer die Küſten in einiger Entferung von der See aus de bieten pflegen und der ihren Anblick ſo freundlich und an⸗ ziehend macht; kein dämmerndes Blau der Ferne, viel mehr eine höchſt unmaleriſche, faſt unheimliche Durch⸗ ſichtigkeit der Luft, die ſelbſt die entfernteſten Gegenſtände in eine täuſchende Nähe heranlog.— Wie bei dem Be⸗ kanntwerden mit Menſchen immer der erſte Eindruck ent⸗ ſcheidend auf unſer ſpäteres Verhältniß zu ihnen bleibt, ebenſo geht es uns, wenn wir das erſte Mal einen fremden Ort betreten: er wird uns freundlich anſchauen, anheimeln, uns gleichgültig laſſen oder wohl gar abſtoßen, und dar⸗ nach wird ſich unſer Befinden richten. In Auſtralien war und iſt— ſicher für Alle— ein unangenehmer, beſonders wenn man, wie wir, eben den üppigen Boden des tropiſchen Südamerika verlaſſen hat, und nur bei ſehr Einzelnen, die für Natureindrücke weniger empfänglich ſind, wird dieſes Gefühl bei längerem Aufenthalt ſich abſchwächen oder verlieren.
Indeſſen kann und darf dies Alles einem höheren Intereſſe keinen Abbruch thun, und gerade in ſolcher Hin⸗ ſicht bietet Auſtralien nicht allein dem Forſcher, ſondern ſchon dem aufmerkſamen Beſchauer in ſeiner Originalität, in ſeinen ſo häufig allem bisher Geſehenen entgegenge⸗ ſetzten Erſcheinungen einen reichen Stoff der Betrachtung. Es iſt mit einem Worte ein faſt jungfräuliches Land, das noch ſeinem„Humboldt“ entgegenharrt. Wir ſind'd dort rings umgeben von einer fremden, neuen(oder vielleicht gerade urälteſten) Welt, die uns auf jedem Schritte Intereſſantes zuführt, und je weniger jene lange vorherr⸗ ſchenden abenteuerlichen Anſichten ſbe Auſtralien, die es gewiſſermaßen zu einem Curioſitätenkabinet der Natur ſtempeln, ſich beſtätigen, je weniger auf der anderen Seite das Herz, das reine Gcfäht angeregt wird, deſto mehr und unbetrrter wird der ruhige Verſtand, der wißbegierige Geiſt zu denken finden; deſto mehr gibt es den Freunden in der Heimat zu erzählen und zu ſchildern.
Wir Alle empfanden dieſe doppelte Wirkung am andern Morgen, als das Wetter ſich beruhigt hatte und wir im Schlepptau des Dampfers in den ſchmalen Canal, welchen die Fluten in das Land eingeſchnitten haben und der jetzt den Hafen von Adelaide bildet, einliefen und ſomit Gelegenheit erhielten, die Dinge in der Nähe zu betrachten. Der niedere, unſcheinbare Küſtenſtreifen legte hinter ſich die große Ebene offen, die ſich hier in mehrſtündiger Breite von Norden nach Süden bis zu den ſüdlichen Aus⸗ läufern der Mount Lofty, der Lofty Range, dem Cap Jervis, ausdehnt. Die Küſte iſt bedeckt mit einer dunkeln, niederen Vegetation, unbekanntem, dickbl lättrigem Geſtrüpp, das in den weit ins Land gehendenà Lagunen, Sümpfen, umherwuchert. Dieſen Lagunen hat man ein Stück feſten Bodens abgewonnen, auf welchem der Ort Port Adelaide erbaut iſt. Kein Baum iſt hier zu ſehen; die auch nur für das augenblickliche Bedürfniß berechneten Häuſer von Backſteinen oder Holz mit ihren breiten Schindeldächern und theilweiſen Veranden, geben dem Bilde eben ſo wenig
dieſer erſte Eindruck
einen Reiz. Das Zollgebäude iſt das anſehnlichſte unter ihnen und ragt weit über die anderen Häuſer empor. Unter dieſen erſcheinen die Publikhäuſer(Wirthshäuſer,
Hotels), die überk aunt in den Colonien eine große Rolle ſpielen, am ſtattlichſten.
Ans Land geſtiegen, nahmen wir ſofort Beſitz von jenen zweiräderigen Karren, die hier als Miethwagen dienen, um nach der wei Stunden im Innern angelegten Stadt zu fahren, da die Wege nach dem vorhergegangenen Regen grundlos waren und wir damals überhaupt nicht einſahen, wie es einem Fußgänger möglich ſein ſollte, auf ihnen fortzukommen. Die Straße führt zunächſt zwiſchen den ſumpfigen Lagunen hin, denen man mit großen Koſten den den Pfad bildenden Damm abgerungen hat, und von
da bis in die Stadt auf dem alten Urboden, auf dem jeder Wagen den möglichſt beſten Weg ſich beliebig wählt. Hier, faſt eine Stunde landeinwärts, begegnen dem Reiſenden die erſten Bäume; allein ſie ſind längſt abge⸗ ſtorben, und nichts iſt von ihnen geblieben, als die weiß⸗ gebleichten Skelette. Bald darauf erſcheinen die erſten Außenhäuſer; man paſſirt die Torrensbrücke, dann noch eine ſeichte Anhöhe und fährt endlich in die berühmte Hindle Street, in die Hauptſtad t Adelaide ein.
Auf den Fremdem, dem die Phyſiognomie einer euro päiſchen Stadt zur Gewohnheit geworden iſt, bringt der Anblick dieſer jungen Pflanzſtadt eine eigne Wirkung her vor. Unwillkürlich tritt ihm der Begriff eines Jahr marktes entgegen, wenn er in die genannte Hauptſtraße ein lenkt. Die Hindle Street mit ihrer Verlängerung, der Rundle Street, hat eine Länge von vollen Stunden.
lllein ſie iſt nichts als eine ebenſo lange Doppelreihe von
Kaufläden aller Art, die immer den ganzen Raum des Hauſes ausfüllen, in der Regel nur aus einem Erdgeſchoß beſtehen, ſo daß drei Häuſer den Eindruck von Markt⸗ buden machen. Nur in der Mitte, wo King William Street jene Gaſſe kreuzt, ö ragen an den Ecken, deren eine die Börſenhalle einnimmt, einige ſ ſtattlichere Wo hnhäuſer von mehren Stockwerken empor. Dort hat auch die Bank, ein Gebäude von wahrhaft entſetzlichem Styl, in neuerer Zeit ihren Platz gefunden, und am nördlichen Ende des King Will lliam Street ſchaut das Landhaus des Gouver neurs aus einem noch im Entſtehen begriffenen Garten hervor.
Adelaide wurde urſprünglich nach einem großartigen Plane angelegt, der faſt den Raum einer Geviertſtunde einnimmt, wobei alle öffentlichen Gebäude ihren Platz bezeichnet erhielten; allein man iſt von dieſem Plane ab⸗ gewichen, inſofern man das Entſtehen der Stadt vom Mittelpunkte aus nicht im Auge behielt. In jenen Jahren nun— bis zur Entdeckung des berühmten und wirklich großartigen Kupferber rgwerks, der Burra⸗Burra Mine, die einen neuen Aufſchwung der Colonie im Gefolge hatte — wo die junge Anſiedlung eine höchſt kritiſche Periode durchzumachen hatte und ihrer gänzlichen Auflöſung nahe war, wurde natürlich von der Regierung Alles aufgeboten, um dieſes Letztere zu verhindern. So hatte man nament lich die Einrichtung getroffen, daß jedem Landkäufer, der eine ganze Sektion Land(80 Acker) von der Regierung übernahm, ein Acker des Stadtgebietes mit in den Kauf gegeben wurde, den man nachgerade ſeiner freien Wahl überließ. Dies kam namentlich dem größten Landkäufer, der Süd⸗Auſtraliſchen Compagnie, zu Gute; und in dieſem Umſtande iſt es zu ſuchen, daß die Stadt höchſt unregel⸗ mäßig erbaut iſt. Sie nimmt bereits den ganzen für ſie


