Jahrgang 
1857
Seite
22
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Jüngling geworden, der eben den Pfad zur Bleiche Alten auch nur eine Andeutung darüber hätte gelangen hättet

hinabſchritt. können. Auch an dieſem Abend war der Wunſch, Käth⸗ einem

Franz hieß der Jüngling, der ganz die Milde und chen heimlich zu ſehen und zu beobachten, der Grund, daß vor h Sankftmuth, die Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit ſeiner Franz zum Bleichhäuschen ſchlich. Er glaubte nämlich, Peter Mutter geerbt hatte. Sein Vater erzog ihn wie einen Käthchen wache dort, ſtatt ihrer Mutter, und da er das thete Sklaven. Er mußte ſich blind in Alles fügen, was die liebliche Weſen ſo ſelten ſah, wollte er ſich ihres Anblicks Ihr! Launen des alten Geizhalſes ausheckten. So kam es, heimlich erfreuen. Mit ihr hatte er über ſeine Liebe nie im daß er tief gedrückt war; daß, was er Gutes that, nur geredet; aber wache Einer über ſein Auge! das Mäd⸗ ſicch im Verborgenen geſchah; daß er mit blutendem Herzen chen wußte, wieviel Uhr es im Herzen des Jünglings den ſ

das herzloſe Zuſammenſcharren ſeines Vaters wahrnahm war, und es freute ſich deſſen inniglich; denn es wenn

und, ſoviel er vermochte, das wieder gut machte, was der hatte ihn ebenfalls von Herzen lieb; aber das wußte Amer

Alte übel that. Wie Jener daher gehaßt wurde, ſo war Franz nicht, weil die Mädchen beſſer Verſteckens zu ſpie⸗ Von

Franz geliebt und geſegnet von allen Leuten, die mit ihm len wiſſen. Als der Wächter im Dorfe zehn Uhr blies, er ar

in Berührung kamen. Liebe hegte Peter Merk für Nie⸗ erwachte die Koſelin, gähnte, dehnte ſich und ſagte: Dal ſein mand und eigentlich auch Niemand für ihn. Sein Geld Nun iſt mein Schläfchen gemacht. Merkin, wenn Du Hand war ſeine Liebe; aber haſſen konnte er bis in den Tod, ſchlafen willſt, ſo thue es. Mir kommt nun keiner mehr Ver und ſo haßte er ſeine arme Schwägerin, die Witwe Merk, in's Auge, bis die liebe Sonne aufgeht! das hab' ich, ſeit Euch die im Bleichhäuschen am Fenſterlein lehnte und jetzt ich Waſchfrau bin, gelernt, und das ſitzt nun feſt. Mir Hun darin ſtille rieſelnde Thränen trocknete. Warum er ſie iſt's nicht um's Schlafen! ſagte dieſe und trat zu dem benn b haßte, wußte kein Menſch. So lange ſein Bruder lebte, Herde. Die Koſelin bemerkte die Spuren ihrer Thränen. Uum verfolgte er ihn, und man konnte es ohne Hehl ſagen, er Wieder geweint! rief ſie aus. Armes Ding! Aber was n hatte ihn arm gemacht. In viele Prozeſſe hatte ihn der hilfts? Setz' dich zu mir. Das Herz liegt mir auf der n vyerzloſe Menſch verwickelt, die ſein Vermögen, das ohne⸗ Zunge. Wer weiß, wann wir wieder einmal ſo bei einander h hin Peter, der Aeltere der andern Brüder, nicht wenig ſitzen ohne Zuhörer, Lauſcher und Weiterträger? Komm, 13 zum eigenen Vortheil gemindert hatte, aufzehrten. Reich Merkin, ich habe Dir über Manches Licht zu geben! kn waren ſie nicht geweſen, als ſie zu hauſen anfingen; aber Willenlos ſetzte ſich die Witwe und ſtützte den Kopf geſe Peter wurde es, und die Erbſchaft des Vetters Martin in beide Hände. über begründete vollends Peters Reichthum. Er ſtand mit Ich will bei Dir anfangen, ſprach die Alte. Du weißt, kunn

Einem Fuße im Grabe, aber an die Ewigkeit dachte er ich bin mit dem, was in Peter Merks Hauſe vorging, ſo Her nicht. Wie die Witwe Merk, ſeine Schwägerin, ſo bekannt, wie mit meiner Schürze. Hör' mal zu! die Leute moc

haßte und verfolgte er auch ihr Kind. Sie hatte nur fragen oft: Woher mag es nur kommen, daß der Peter Ali dieß Eine, aber darin beſaß ſie, dafür gab das ganze Merk ſeinen Bruder ſo haßte? Warum vererbt ſein Haß ſann

Dorf Zeugniß, einen Schatz. Das Mädchen war eben auf ſeine arme Schwägerin? Ja, noch mehr: Warum 3 der

neunzehn Jahre alt, und wer das Käthchen ſah, mußte haßt der alte Sünder das liebe Käthchen? Ich kann Fal bekennen, Etwas lieblicheres, ſchöneres, ſittigeres war Rede ſtehen; denn ich diente in des Merks Hauſe, als eine keaum zu finden. Trotz ihrer Armuth war ſie ſtets ſau- Peter ein Jung burſche war und nach den Töchtern des ſetzt 3 ber und nett gekleidet in die alten Lümpchen; trotz ihrer Landes anefcaiee Sieh' mal, ſein jüngerer Bruder, der, Noth war ſie ſtets heiter. An Fleiß und Gefälligkeit Dein Mann, Gott habeihn ſelig! war ein ſchöner Junge; 6 Sch war ſie unübertroffen; an Demuth und Beſcheidenheit der Peter war ein bärheißiger Zornnickel, der nur lachte, und ebenſo, und ihr Leben war ſo untadelig, daß auch nicht wenn ein Anderer den H brach. Du warſt damals tin

der Schatten eines Vorwurfes daran haftete. Ihr das ſchönſte Mädchen im Dorfe. Reich waren die Merks mal frommer Sinn zeichnete ſie indeß vor Allem aus, und nicht, das weißt Du. Und Du war uch nicht. da ſein ihre barmherzige Nächſtenliebe. Es war gewiß Niemand war denn eben kein Bauernpfiff im Spiele. Dem Peter Erk krank im Dorfe, Merks Käthchen pflegte ihn freiwillig Merk trauten die Leute nur zu, er werde nach einer Rei⸗ ſche

und wachte an ſeinem Lager, und die Leute meinten, ihre chen angeln; aber dießmal irrten ſie. Du ſtachſt ihm in uno

Nähe wirke mehr, als des Doctors Arznei, beſonders ihr die Augen und ob ich gleich nicht glaube, daß er ein als Zuſpruch, ihr Gebet mit den Kranken, ihr Vorleſen aus Menſchenherz hat auch in das, was bei ihm das Herz kam

der heiligen Schrift, die ſie durch und durch kannte. Sie war ich weiß es nicht. Nun iſt's kurios in der Welt. von

hatte ſich denn auch in der freiwilligen Krankenpflege eine Mag Einer reden, was er will, ohne Lieb' geht's doch Er Uebung, ja man konnte ſagen, eine Kunſt erworben, die immer arg in der Ehe, und die Lieb' kann man nicht ver er's ſelbſt der alte Doctor Thomae mit Lob und Preis aner ſchachern, wie der Jüd' das alte Eiſen. Sie iſt ſo, wie He

kannte, und der war ein Iſegrimm und Brummbär. Er ein Vögelein, das ſich ſein Zweiglein ſucht, darauf es ſein der

war auch Armenarzt in der Stadt, aber wer nicht bezahlte, Liedlein ſingen will, wie's ihm gefällt. So war's auch wen war ihm ein Greuel. Da gings den Armen übel. Es mit Dir. Du hatteſt deinen nachherigen Mann lieb und All läßt ſich denken, daß das Mädchen der Liebling aller Leute er Dich, und als der Peter um Dich freiete, da mußte er dig war; nur der alte Peter Merk, ihres Vaters Bruder, abflattern mit einer langen Naſe, wie man ſagt, und ni haßte ſie gründlich. Nun, das ſchadete dem liebrei gleich darauf heiratheteſt Du Deinen braven Mann. Ver⸗ ho

chen Mädchen bei Niemand, ſelbſt nicht bei ſeinem ſchmähte Lieb' brennt ſchärfer, denn ſiedend Oel, und der re

Sohne. Im Gegentheil, er hatte ſie von Herzen lieb, Brand iſt auch gar nicht mehr zu löſchen. Ich ſah Peters P und die Leute ahneten's nicht, wie tief dieſe Liebe im Her⸗ Wuth, ich hörte ſeine Flüche; ich war Zeuge fort und ei zen ſaß. Hätte er das ſeinem Vater merken laſſen, der fort ſeines Haſſes gegen Euch Zweie, der bis heute nicht P würde aus allen Fugen gefahren ſein. Er merkte es nicht endete und das Grab Deines, ihm ſo ungleichen Mannes R und wußte es nicht, und wenn es Andere weg hatten, ſo war. Ich weiß es am beſten, wie er ihn um Geld und R. war der gute Franz wieder viel zu beliebt, als daß zu dem Gut brachte; wie glücklich er ſich geſchätzt, wenn Ihr V un