Jahrgang 
1857
Seite
20
Einzelbild herunterladen

die aus ganz Deutſchland eingehenden Beiträge für den Herausgeber in Empfang zu nehmen. Wenn wir dieſen volksthümlichen Wunſch auch gegen Jeden, der mit dem Volke verkehrt, ausſprechen, ſo hoffen wir doch, daß ſich b namentlich Geiſtliche, Aerzte, Lehrer, Landwirthe u. dgl. Männer beſonders berufen fühlen werden, ihren Umkreis für den vorliegenden Zweck auszubeuten.

Wir erſuchen die Herausgeber aller Zeitſchriften, die Theilnahme für den Gegenſtand haben, beſonders die Redakteure der Local⸗ und Kreisblätter, die vorſtehenden Worte in ihre Spalten aufzunehmen und auf dieſe b Weiſe das Unternehmen zu fördern. Das deutſche Volk wird dann ein Sprüchwörter-Lexikon erhalten, das zwar gewiß noch manchen Wunſch unerfüllt laſſen, aber ſicher von keinem ähnlichen Werke an Vollſtändigkeit und Ueberſichtlichkeit auch nur annähernd erreicht werden wird.

Was heliebt.

Das Lehen der Thiere im Verlauf der Jahreszeiten. Da tritt das Kind aus dem Hauſe, begleitet von dem treuen 5 Hofhunde, den es mit Anſtrengung hinter ſich her, dem einzigen Januar. ſchmalen Ausgange zuſchleppt. Schon glauben die Aeltern ihr

Die Thierwelt bietet in dieſem Monate nur wenig beſondere Erſcheinungen dar. Repetilien, Inſekten und Würmer liegen im Winterſchlaf. Raubthiere rinzen, die Haſen flüchten in Gärten; der Roſtreih, der Stockfalk, der Sperber und andere Vögel kommen in die Nähe der Dörfer, um auf Feld⸗ und Haushühner Jagd zu machen. Die Nebelkrähe zeigt ſich in den Straßen der Dörfer und in wenig lebhaften Städten und ſucht eifrig nach Nahrung. Der kleine muntere Zaunkönig durchſucht unter lautem Gezwitſcher, ſelbſt bei der ſtrengſten Kälte, neben und in Städten und Dörfern alle Hecken, Sträuche und Zäune. Wilde Enten und Schneegänſe kommen aus nördlichen Gegen⸗ den zu uns. Wider die Gewohnheit aller Vögel pflanzt der Kreuzſchnabel ſein Geſchlecht in dieſem Monate fort, und bei der grimmigſten Januarkälte ſitzen die ausgeflogenen Jungen auf den Nadelbäumen und laſſen ihre Stimme hören. Die Aalraupe oder Quappe in den ſüßen Gewäſſern von ganz Europa ein⸗ heimiſch laicht.

ſammen, und nun bildet das Haus im Feuermeere eine Inſel, auf welcher das Kind mit dem Hunde daſteht, von aller menſch⸗ lichen Hülfe verlaſſen, dem gewiſſen Untergange preisgegeben. Der Hund, heulend und winſelnd, verſucht den rettenden Sprung; aber kaum iſt er gewagt, ſo haben die glühenden Wellen ihn er⸗ griffen und ſein ziſchendes Gebein zerſtört. Jeder Verſuch der g geängſtigten Aeltern, ihr Kind zu retten, iſt vergebens, die Lava ſtrömt breiter und breiter, und in jedem Augenblicke erwartet man, daß die kleine Inſel verſchwinden und von der Lava über⸗ fluthet werden wird. Unwiderſtehlich fließt ſie noch mehrere Tage und Nächte, und immer gewahren die Aeltern ihr jammern⸗ des Kind. Endlich ſtockte der Strom, und alle Anzeichen ver⸗ kündigten, daß der ſchreckliche Ausbruch für diesmal aufgehört. Nach einigen Stunden erſtarb das Ziſchen der Lavafluth, eine ſchwarze Kruſte legte ſich darüber hin, und die Hoffnung, das Kind zu retten, erwacht mit neuer Kraft in den Seelen der 8 Aeltern. Noch immer indeß var ein ſolcher Verſuch ein gefähr⸗ liches Unternehmen; allein de, esr entſchließt ſich dazu. An einer Stelle, wo die Lava nur 10 Fuß breit iſt, wagt er den Uebergang, und wirklich die ingteho Ful⸗ trägt. Mit

Kind gerettet; aber plötzlich ſchließt ſich der Lavaſtrom zu⸗

Eine Lebensrettung am Veſuv.

Der Ausbruch des Veſuv hatte ſchon mehrere Tage gedauert.

Verlag von Hugo Scheube in Gotha. Verantwortl. Redacteur: Heinrich Schwerdt in Neukirchen. Druck von Gieſecke& Hevrient in Leipzig. ¹ 4 zig

1 10 unbeſchreiblicher Wonne ſchließt er die vor Hunger und Angſt die Furchtbare Rauch⸗ und Flammenſäulen waren hoch emporge⸗ halb ohnmächtige Kleine in ſeine Arme und bringt nun der und ſtiegen, und der aus dem Krater hervorragende Hügel war in den überglücklichen Mutter ihr ſchon verloren geglaubtes Kind Ja Abgrund geſunken. Der öſtliche Theil des Berges öffnete ſich zurück. 1 ſich an mehreren Stellen, und aus allen dieſen Spalten ergoſſen ſich ma Lavaſtröme. Mit lautem Jammergeſchrei flohen die Menſchen Kit aus ihren Wohnungen vor dem Alles zerſtörenden Feuerſtrome, DOel aus den Samenkernen der Sonnenblume. ein nur mit der geringen Habe beſchwert, welche die ſchnelle Flucht als mitzunehmen erlaubte. Eine Viertelmeile breit ergoß ſich die Es iſt bekannt, daß die Samenkerne der Sonnenblume ſehr 3 pfe glühende Lava, oft zu einer Höhe von 10 bis 15 Ellen empor⸗ ölhaltig ſind; ja in manchen Gegenden wird bereits das Oel ab ſteigend. Schon waren viele der herrlichſten Beſitzungen, der in größeren Mengen gewonnen. Die Sache verdient aber ie d. ſchöne Palaſt des Fürſten Ottojano, der fruchtbarſte Theil der weiteſte Verbreitung, beſonders da der Anbau der Sonnen⸗ de Gegend von Rappi, Caprari, Mauro St.⸗Giovanni und viele blume, Helianthus annuus, wie ſie der Botaniker nennt, gar w andere blühende Ortſchaften verwüſtet. Aus einem Hauſe, von wenig Mühe macht und die Pflanze auch gerade nicht eben den v welchem der Lavaſtrom nur noch wenige Schritte entfernt war, beſten Boden zu ihrem Gedeihen fordert. Das Oel aus dieſen u ſtürzte mit lautem Jammer eine unglückliche Familie, Vater, Samenkernen übertrifft an Feinheit des Geſchmackes alle be⸗ 9 Mutter, Kinder, nur das Nothdürftigſte mit ſich nehmend. kannten Speiſeöle und iſt daher ſehr zu empfehlen. Der be⸗ 1 Schon hat die Lava die Mauern des Hauſes erreicht, die aber ſo kannte Blumiſt J. M. Agtha in Dietendorf bei Gotha theilt b feſt ſind, daß der mächtige Strom ſich gabelförmig theilt; aber uns mit, daß auch der Ertrag ein ſehr erfreulicher ſei; er gewann 3 nun hat er das Haus beinahe umzingelt, da bemerkt die un⸗ aus 12 Pfund Samenkernen 4 ½ Pfund des beſten Oels. Herr glückliche Mutter, daß ihre Tochter fehlt. Nur ein kleiner Raum Agtha erbietet ſich, Denen, welche Verſuche machen wollen, das 1 iſt noch zwiſchen den beiden Rieſenarmen des Stromes offen. Loth Samenkerne für 1 ½ Sgr. abzulaſſen. V 1

V 3