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Doch ſchließen wir nicht zu raſch. Auch hier fehlt dem namentlich von den obenbeſchriebenen dadurchunterſcheidet, Weibchen der Federſchmuck; ja, es mangeln ihm faſt die daßder Federſchmuck der Fühler nicht eine Pyramide bildet, ganzen Fühler; denn während das Männchen dreizehn ſondern einen Büſchel, dem noch ein vierzehntes kleines, Fühlerglieder beſitzt, von denen 11 kugelig, das erſte kurz, ſpitzes Glied hinzugefügt iſt. Es finden ſich darunter noch das letzte aber ſehr lang walzenförmig ſind, wurden dem zartere mit mancherlei Zeichnungen verſehene Geſchöpfe, Weibchen nur ſechsgliederige Fühler zu Theil, wovon die die aber im Ganzen ſeltner ſind. Die zweite trägt den vier mittleren Glieder beinförmig oder eirund ſind mit weni⸗ Federſchmuck auf der Seite des Fühlers, und die fünf gen Wirbelborſten beſetzt, wie aus der Zeichnung erhellt. letzten Glieder ſind nackt. Die weiblichen Fühler haben
Der Vergleichung wegen gebe ich in Fig. 3 noch die zwar eben ſo viel Glieder als die männlichen, doch ſind Abbildung von zwei Mücken, von denen die erſte ſich alle nur mit wenigen kurzen Haaren beſetzt, und das letzte Glied iſt kugelig, beſonders bei der erſten Gattung. So weiß die Natur durch kleine Abänderungen ſtets die reichſte Mannigfaltigkeit hervorzubringen. Sie macht dabei keine Sprünge, läßt keine Lücken, und wir ſehen an ihr Alles von einem Geiſte der Weisheit und Liebe durch drungen, der uns die größte Ehrfurcht einflößt und uns antreibt, unſer ganzes Verhalten auch nach einem wohl durchdachten Plane zu ordnen und in jedem Streben das große Ziel, immer vollkommener zu werden, ſtets vor Augen zu behalten. 8
Bitte um Ergänzungsbeiträge
zu einem
vollſtändigen deutſchen Sprüchmärter-Terikon.
Kaum dürfte es ein Erzeugniß des menſchlichen Geiſtes geben, das geeigneter wäre, die Beachtung des Gebildeten eines Volkes in Anſpruch zu nehmen, als ſeine Sprüchwörter, die ſchon Salomo die Weisheit auf der Gaſſe nennt, und in Beziehung auf welche Wyß bemerkt, daß unter den ſinnreichen Dichtern dem Volke eine Hauptſtelle gebühre. Das deutſche Volk hat den Sprüchwörtern auch ſtets eine bald geringere, bald hervortretendere Aufmerkſamkeit erwieſen, wie die Menge von Schriften und Sammlungen aus einer Reihe von Jahrhunderten zeigt. Bei alledem hat es bis jetzt noch an einem Werke gefehlt, das dieſen großen Schatz in möglicher Voll⸗ ſtändigkeit und Ordnung vereinigt hätte. Ein ſolches iſt ſeit längerer Zeit vorbereitet und ſoll mit deſſen Heraus⸗ gabe nächſtens begonnen werden. Bevor dies jedoch geſchieht, möchten wir noch eine Nachleſe im Volke ſelbſt halten laſſen. Was in gedruckten Sammlungen und Schriften ſich findet, iſt wol in das Lexikon übergegangen; allein es dürften noch gar viele Sprüchwörter im Munde des Volkes leben, die noch nie in eine gedruckte Sammlung gekommen ſind,nund welche Aufnahme eben ſo gut wie andere verdienen. Wir können uns der Anſicht nicht anſchließen, daß ein Sprüchwort deßhalb keinen Boden habe, weil es bloß in kleinem Kreiſe ſich bewegt, oder in den Schriften des vierzehnten ꝛc. Jahrhunderts noch nicht gefunden wird. Der die Sprüchwörter ſchaffende Volks⸗ geiſt iſt zu allen Zeiten thätig, und ſtets werden neue Sprüchwörter geboren, welche die Zeit-, Orts⸗ und Volks⸗ verhältniſſe und Zuſtände charakteriſiren und von ſeiner ewigen Friſche Zeugniß ablegen, gleichviel ob ſie als Pfennigſtücke oder Goldmünzen auftreten, in engen oder weiten Kreiſen Umlauf haben.
Dieſe Zeilen haben daher die Abſicht, alle Freunde des Sprüchworts und des deutſchen Volks⸗ lebens zu erſuchen, die an ihrem Orte im Volksmunde lebenden Sprüchwörter und ſprüchwörtlichen Redensarten (in der Volksmundart, wenn ſie nur in dieſer vorkommen, dann aber mit hochdeutſchem Text in Klammern) nieder⸗ zuſchreiben und, falls ſie nicht an ſich verſtändlich ſind, mit zwei Worten zu erklären, oder die Anwendung bei⸗ ſpielsweiſe beizufügen, wie bei lokal- oder provinzialgeſchichtlichen die näheren Umſtände ſeiner Entſtehung. Es handelt ſich hier ganz beſonders um die Sprüchwörter, welche nur in geringeren Gränzen heimiſch ſind. Jede Provinz, jeder Ort mit ſeiner Umgegend hat die ſeinigen, und gerade hier iſt noch eine große Ausbeute zu gewinnen. So ſind dem Herausgeber kürzlich über dreißig Sprüchwörter und ſprüchwörtliche Redensarten zugegangen, die in der Oberlauſitz, und zwar bloß im Umkreiſe von Görlitz geſammelt worden ſind und von denen nur etwa zwei oder drei in einer bisher gedruckten Sammlung ſich befinden. Man kann daraus auf die reiche Ausbeute in ganz Deutſchland— hier im Sinne,„ſoweit die deutſche Zunge klingt“— ſchließen! Es iſt auch faſt unmöglich, auf— merkſam über den Markt zu gehen, oder mit Landleuten, Arbeitern, Schiffern ꝛc. zu verkehren, ohne ein Sprüchwort oder eine ſprüchwörtliche Redensart zu vernehmen, die man bisher noch nicht gedruckt geſehen hat; da ſich nur wenig deutſche Gauen eines Werkes erfreuen, wie beiſpielsweiſe Toblers, Appenzeller Sprachſchatz iſt.
Möchte ſich daher in jeder Gegend ein Mann finden, der dieſe Volksreden aus dem Munde des Volks ſammelte und durch eine nahegelegene Buchhandlung unter der Adreſſe:„Beiträge für ein deutſches Sprüch⸗ wörter⸗Lexikon“ an die Verlagsbuchhandlung von Hugo Scheube in Gotha einſendet, die es übernommen hat,


