Jahrgang 
1857
Seite
18
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giebt es auch hier manche Ausnahmen, und die Inſekten

beſonders zeigen, daß es dem Schöpfer ein Leichtes iſt,

auch widerſtrebende Zwecke zu vereinen und das Getrennte zu verbinden. Der Malikäfer, der ſeine Geburt und ſeine Jugend in der dunkeln Tiefe zubrachte, erhebt ſich, wenn er die engen Hüllen abgelegt hat, in den Himmelsraum und iſt trotz ſeinem ſchweren Körper ein Weſen, das nach Blumenduft haſcht. Er weiß ſich mit ſeinen Klauen an den Blättern feſtzuhalten, ſchlürft edle Nahrung und gleicht nun kaum noch dem Geſchöpfe, das er in ſeiner Kindheit war. Sollte uns das nicht ein Antrieb ſein, uns bei zunehmender Entwickelung des Leibes und der Seele auch dem Höhern zuzuwenden, von der Erde, die unſere Wiege war und uns die erſte Nahrung gab, zu geiſtigeren Genüſſen, zu reineren Freuden uns zu er heben?

Noch an einem andern Beiſpiel, das Fig. 2 abgebildet

iſt, wollen wir zeigen, wie in dem Waſſer viele Geſchöpfe

leben, die beſtimmt ſind, in vollkommenem Zuſtande zu

fliegen. Es ſind verſchiedene Mücken, und wahrſchein

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lich leben die meiſten in ſumpſigen Orten und Moräſten, da ſie daſelbſt häuſig gefunden werden. Wer ſich die Mühe geben will, auf den Grund einer Pfütze zu blicken, der wird bald erkennen, daß zahlloſe Thiere darauf leben. Einige haben ſich gar ſonderbare Wohnungen gebaut, aus winzig kleinen Holzſtücken oder Sandkörnern. Sie haben dieſe zuſammengeleimt und oft ſehr regelmäßige Röhren und Trichter daraus gefertigt; andere ſehen ver⸗ faulten Reißern und Strohhalmen ähnlich, und man ſtaunt nicht wenig, wenn ſich dieſe Gegenſtände bewegen. Man glaubt, es ſei die Strömung des Waſſers; bei genauerer Unterſuchung findet man aber eine Made, die vorſichtig erſt ein Paar Beine und dann anch den Kopf heraus ſchiebt und ſo das ganze Gehäuſe mit ſich fortträgt. Das Geſchöpf iſt faſt durchſichtig und darum zu mikroskopiſchen Unterſuchungen beſonders geeignet; allein ich kann nicht ſagen, daß es beſonders ſchön wäre. Nimmt man es aus dem Waſſer heraus, ſo verbirgt es ſchnell den Leib in ſeiner Wohnung. Man muß ſich hüten, aus ſolchen ſtehenden Pfützen zu trinken, und es fehlt nicht etwa

an Beiſpielen, daß auf dieſe Weiſe ſich Käfer und andere Thiere in dem Magen des Menſchen ausbilden, zum Nachtheil ſeiner Geſundheit. Denn wie die Larven in dem Waſſer enthalten ſind, ſo befinden ſich gewiß noch weit mehr Cier in demſelben, die wegen ihrer Kleinheit leicht hinuntergeſchluckt werden und doch ihre Lebens thätigkeit behalten. An ſonnigen Tagen wird man häufig Gelegenheit haben, jene Larven zu vollkommenen Inſekten ſich verwandeln zu ſehen. Das in der Puppenhülle ein⸗

geſchloſſene Inſekt reißt ſich nämlich vom Boden los, es

wird durch ein Luftbläschen, das ſich an ſeinem Kopfe entwickelt, und durch die nach unten zugeſpitzte Form ſeiner äußeren Bekleidung nach der Oberfläche des Waſſers heraufgetrieben. Einige ſteife Borſten an ſeinem Schwanz⸗ ende dienen ihm dabei als Ruder, damit es die gerade Richtung beibehält, und im Augenblick, wo es oben ange⸗ kommen iſt, platzt jene Luftblaſe, die Hülle öffnet ſich, und das Thier entweicht als geflügeltes Inſekt, während das abgeſtreifte Gewand auf dem Waſſer ſchwimmt. Dies geſchieht oft in ſo großer Menge, daß das ganze Waſſer mit ſolchen Puppenhüllen bedeckt iſt. Zuweilen miß lingt aber auch die kühne Verwandlung, und das arme Thier muß mit dem Leben für jede verſäumte 1 Minute zahlen oder für jedes Hinderniß, das es nicht

J mit beherzter Kraft aus dem Wege räumen konnte.

Wenn das auch bei uns der Fall wäre, wie viele Leben müßten wir einſetzen können für einen verſchwendeten Tag oder für träge Nachgiebigkeit in den Verſuchungs⸗ ſtunden? Und doch ſind wir mit größeren Mitteln ausgeſtattet und von liebevolleren Freunden umge ben, als die hülfloſe Mücke. Zuweilen aber iſt ein

unbewachter Augenblick auch des Menſchen leiblicher

und geiſtiger Tod.

Betrachten wir das zu ſeiner Vollkommenheit ge⸗ langte Geſchöpf genauer. Es iſt ein gar zartes zier liches Ding, und du mußt es leiſe anfaſſen, wenn du ihm nicht wehe thun willſt. Man ſieht es ſeiner gan⸗ zen Beſchaffenheit an, daß es nicht aus Erde geboren iſt, es trägt faſt nichts Irdiſches an ſich. Seine Augen funkeln ſo hell und luſtig, ſeine Flügel ſind klar wie der Tag, ſelbſt ſein Leib, bald grün, bald gelb, iſt durch⸗ ſcheinend an den einzelnen Ringen, und ſo kennt es keine andere Luſt, als ſich im Sonnenſchein herum zu tum⸗ meln. Man ſieht, es hat des Lebens Mühen über⸗

wunden und genießt nun den Lohn für ſein treues Käm⸗ pfen. Auf dem Waſſerſpiegel ſchwebt es und nicht allzu⸗ fern über ihm, daß es ſich an ſeinem Anblick erfreuen mag, wie ein fleißiger Landmann am Feierabend nach ſei⸗ nen Feldern hinblickt.

Am ſonderbarſten ſind an dem Thiere wieder die Fühler. Es ſtehen nicht Schaufeln anf den letzten Gliedern wie beim Maikäfer; wozu ſollten ſie dem Thiere auch nützen, das nicht in der Erde zu graben braucht; noch hat der liebe Gott ihm die Fühler an die Seiten des Kopfs geſetzt, daß ſie der Käfer zurücklegen könnte, wenn er ſich ſchmal machen muß, um allmählig die feſte Rinde zu durchbrechen. Gleich einer Krone, einem prächtigen Federſchmuck erheben ſie ſich gerad' in die Höhe; jedes einzelne Glied iſt mit einem Kranze von langen Haaren umgeben, die in Büſcheln zuſammenſtehen, aber gegen die Spitze des Fühlers wieder kürzer werden, ſo daß ſie eine wunderbare Pyramide bilden, die gewiß dazu bei⸗ trägt, daß ſich die Mücke mit um ſo größerer Leichtigkeit in die Luft erheben und ſchwebend darin beharren kann.

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