Jahrgang 
1857
Seite
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Treu, ſchweigſam, beſcheiden, fleißig, war ſie überall wohlgelitten, und wie auch die Koſelin, welche in ſich das vollendete Urbild einer Waſchfrau erkannte, ſich bemühen mochte, ihre Art ihr einzuimpfen, ſie blieb einmal, wie ſie war, und ließ die Alte ſchwatzen und knurren; dennoch aber hatte die Koſelin viel Gutes, was die Merkin und Andre anerkannten. Heute hatten beide bei Schulmeiſters gewaſchen, und die waren der Koſelin oder, wie ſie trau⸗ licher genannt wurde, Koſelsbaſ' beſonders dicke Freunde. Es war ſpät geworden, darum legten ſie noch auf, als ſchon die Dunkelzeit nahte und der Nebel, derTrauben⸗ drücker, ſich auf die feuchten Wieſen herabſenkte.

Gelk, Merkin, es wird uns ſpät? fing die Koſelsbaſ' an; hab' ich's nicht geſagt? da nebelts ſchon, daß es meine alten Knochen eiſigkalt durchdringt. Es hätte dem hoch⸗ müthigen, dicknaſigen Schulwäschen auch nichts geſchadet, wenn es hätte ausdrehen helfen. Jetzt hielt ſie etwas ein, um zu hören, was die Merkin ſage. Dieſe ſchwieg einige Augenblicke; dann ſagte ſie, in den Korb ſehend: wir tummeln uns ein Bischen, dann ſind wir raſch fertig!

Ja, tummeln! Du haſt gut reden, biſt gegen mich ein junges Ding, da gehts noch; aber ſeit Montag hab' ich noch keine Nacht geſchlafen; immer gebaucht, gerieben, gewaſchen, gebleicht. Gelt', daran denkt Ihr junges Volk nicht, daß da eine alte Frau zu Grunde geht? Nun, ich muß ſagen, das Schulwäschen weiß aber doch auch Be ſcheid! Sie hat mir eine Düte voll gemahlenen Kaffee gegeben und einen ganz kleinen Klumpen Cichorie, die wir nicht einmal brauchen; der Kaffee wird doch delikat,

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und Zucker genug; auch ein Halbſchöpplein Neuwieder

Kümmel, der ſich gewaſchen hat. Dazu einen halben Pollmehlskuchen, der auch nicht bitter iſt, ganz friſch. Man kriegts nicht überall ſo. Du lieber Sanct Antonius von Padua, was könnt' ich Dir Geſchichten erzählen! Aber Du haſt gehört, wie der Herr Schulmeiſter heute ſagte: im Schwätzinger Garten ſtünde an der türkiſchen Kirche geſchrieben: Reden iſt Silber; aber Schweigen iſt Gold!

Der iſt ein Schlitzöhriger und hat mir das zu Gehör geſagt; weiß es wohl, weil ich gar unterhaltſam bin; aber warum thut man's? Um ſelbſt nicht zu ſchlafen und Andre wach zu halten! Geht das Maul, ſo weicht der Schlaf! Item, ich weiß, daß der Schulvetter ein Necker iſt. Er meint's aber nicht bös und hält dicke Stücke auf mich. Sol ſagte ſie endlich, als das letzte Hemde auf gelegt war; nun wollen wir uns in's Bleichhäuschen machen und uns ein Feuer anfachen und Kaffee kochen. Der wärmt. Ob wir gleich mutterſeelenallein ſind, ſo iſt's keine Gefahr, und wir können, wenn uns etwa der Schlaf überkommt, wegen der Wäſche ruhig ſein. Auch geht bald der Mond auf; denn wir haben Voll Licht. Damit brachen die beiden Frauen auf nach dem Häuschen. Der Mond ſtieg im Oſten über die Berge. Der Wind ſtrich durch das Rheinthal, und der Strom brandete heftig an dem felſigen Ufer, auf dem die Bleiche lag. Das Dorf, mit Obſtbäumen umgürtet, lag etwa zweihundert Schritte entfernt. Es lehnte ſich an die Weinberge an, die ſich ſtolz erhoben. Von dem Kamme der Berge aber nickte der Hochwald herab, und an ſeinem dunkeln Hintergrunde vom Monde beleuchtet, blickten geſpenſtig die großartigen Ruinen einer Ritterburg in's ſchöne Thal. Es war empfindlich kühl, als die Frauen in das Bleichhäuschen traten. Die Merkin begann das Holz auf dem kleinen Herd zurecht zu legen. Während ſie ſorglich das Feuer

vorbereitete, ſchlug die Koſelin ihren Biberrock auf und hüllte ſich ganz hinein. Huh! Es iſt kalt! ſagte ſie. Man iſt alt und das Feuer iſt fort. Wär' ich ſo leicht gekleidet, wie Du, Merkin, ich ginge zu Grunde; aber ſo einer jungen Schnawatze thut Alles nichts! War auch mal jung, und Dir wirds auch kommen, darauf kannſt Du rechnen!

Die Merkin ſeufzte, und die Koſelin hörte den Seufzer und fuhr fort: Du ſeufzeſt, Merkin; ſage mir doch warum?

Ei nun, entgegnete die Merkin, ich könnte auch einen warmen Biber⸗Rock und ein Mützchen brauchen, wenn ich es mir kaufen könnte. Ihr habt nur für Euch zu ſorgen, Koſelsbaſ' wir aber ſind unſrer zweie, und Alles iſt theuer, was man in den Mund ſeeckt.

Weiß wohl, ſagte die Alte, und ihre natürliche Gut⸗ müthigkeit brach durch. Ja, ja ſo gehts! Einer raubt dem Andern den fetten Biſſen von dem Munde weg! Meinſt Du, ich wüßte nicht, wie das Alles kam, was Dich drückt? Gelt', der Peter Merk, Dein Schwager, ſitzt im Schmalztopf bis über die Ohren, und Du und Dein liebes Kind, ihr nagt am Hungertuche, dazu er den Zettel und Einſchlag hergegeben hat, und hats ſelbſt ge⸗ woben, ob er gleich kein Leinweber iſt. Hah! meinſt vielleicht, ich wüßt's nicht? Ich glaub', ich weiß, was Du nicht weißt! Ich will Dir einmal, da wir ſo alleine ſind, die Geſchichte vom Vetter Maxtin erzählen. Ich habe damals bei Peter Merks gedient und weiß mehr, als andre Leute. Doch ich will einmal nach der

Wäſche ſehen! Der Peter Merk iſt nicht ſauber, wenn's

an's Nehmen geht! Sie ſtand auf und öffnete das Fenſter⸗

lein des Bleichhäuschens, welches gegen Oſten ging, von 7 4 2/

wo aus ſie die Wäſche der Schulmeiſterin überblicken konnte, die der Mond jetzt hell beſchiene Das Bleich⸗ häuschen war nämlich eine ehemalige franzöſiſche Douane oder Zollwächter-Hütte. Es war aus Steinen erbaut, oben gewölbt, und hatte drei Fenſter nach Oſt, Süd und Weſt; die Thüre ging von Norden hinein. Man konnte ganz bequem den weiten Uferſtrich des ſogenanntenGrün's überblicken, wie man am Rheine die Wieſenſtriche am

Ufer, in der Nähe der Orte, nennt, auf denen in der

Regel gewaltige Obſtbäume, namentlich aber Wallnuß⸗ bäume in Reihen gepflanzt ſind.

Die Koſelin wandte ſich nach einigen Augenblicken wieder zu ihrem Sitze, nachdem ſie das Fenſterlein ge ſchloſſen hatte.

Die Merkin hatte unterdeſſen das Feuer zu heller Lohe angefacht, das Waſſer ſang ſchon im Keſſel. Der Topf zum Aufguß ſtand bereit, und die Merkin ſagte: Gieb mir den Kaffee! Die Alte reichte ihn hin. Meinſt Du nicht, Merkin, ſagte ſie zutraulich, man könnte die Cichorie zurück laſſen? Es ſind, wenn ich mich im Schätzen nicht verthue, vier Loth. Das Schulwäschen läßt ſich nicht lumpen! Es gibt keinen Klarefit oder Dünnefit, wenn Du auch den ganzen Milchtopf voll braueſt. Wir ſtellen ihn in die Kohlen. Da bleibt er laulich, und wir können uns die ganze Nacht laben, nicht wie die Scherzerin, die ſich immer rühmt, ſie habe ihren todtkranken Mann mit Wurſtbrühe gelabt, bis er geſtorben ſei. Der arme Scherzer! Ja, das iſt eine Zecke, die! Hätt' ſie ihm noch Kaffe gegeben! Aber dazu war die Kreuzſpinne zu geizig! Wurſtbrühe für einen Kranken! Man meint nicht, daß ſo Etwas möglich wäre! Ach, laß ſie doch in Ruhe! bat die Merkin.

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