Jahrgang 
1857
Seite
12
Einzelbild herunterladen

Kraft; denn Du haſt alle Dinge geſchaffen, und durch Deinen Willen haben ſie das Weſen und ſind ge⸗ ſchaffen.

Item: In einem Städtlein an der Altmühl waren einmal Franzoſen drei Monate oder darüber im Stand⸗ quartier gelegen. Ein gut Theil derſelben war aber nicht weit vom Rhein zu Hauſe, und der Feldwebel aus dem Elſaß hatte auch eine deutſche Zunge im Munde, der ſtand eines Abends im Sommer bei der Tochter des Wagners am Hauseck, da wo es in das ſinſtere Höllengäßlein hin⸗ ein geht, und ſagte ihr, wie er Strohmeier heiße und reicher Leute Kind ſei, auch bald ausgedient hätte und ſich dann eine Frau holen werde, aber eigens aus Deutſch⸗ land, wo die Mägdlein tauſendmal ſchöner wären, als in dem Land der Franzoſen. Das hörte der alte Weber Hartmann, der nicht weit davon auf der Bank ſaß, und da er hörte, daß zwiſchen der Jungfrau und der Höllen⸗

gaſſe nur mehr ein Schritt ſei, nahm er die zwei Fleder⸗ mänſe, die gerade dort ein- und ausflogen, zu Bundes⸗ genoſſen und ſagte:Jungfer, ſieht Sie die zwei Beſtien? Die haben es auf Ihr ſchönes blondes Haar gemünzt. Wenn ſich aber Einem ein ſolches garſtiges Thier auf den Kopf ſetzt, dann muß man es Glied vor Glied heraus⸗ ſchneiden oder ſein Haar laſſen, und den Erbgrind bekommt man dazu. Darüber erſchrak die Jungfrau und ſprang etliche Schritte vor dem Elſäſſer hinweg und ſetzte ſich zu dem Weber, weil er verſicherte, die Fledermäuſe könnten den Taback überhaupt nicht riechen und den Batzen⸗Reiter gar nicht. Den andern Tag zogen die Franzoſen mit Sack und Pack weiter.

Der freundliche Leſer aber weiß, was der alte Weber meinte, und wie gut es manches Mal iſt, daß die Fleder⸗ maus in dem böſen Ruf ſteht, ſie fahre Einem in's Haar und wäre Schuld an dem Erbgrind.

Wachsthum San Franciscos in Ralifornien.

*

Nach Frank Soule'sAnnalen von San Francisco(New⸗ York 1853) hatte dieſe Stadt in der Mitte des Jahres 1846 gegen 200 Einwohner; im Jahre 1847 hatte ſich die Einwohner⸗

ſten californiſchen Zeitung,Californian Star, auf 459 Be⸗ wohner vermehrt, unter denen 375 Weiße(nämlich 288 in den Vereinigten Staaten Geborne, 38 Californier, 2 Mexicaner, 5 Canadier, 22 Engländer, 14 Iren, 14 Schotten, 27 Deutſche, 6 Schweizer, 3 Franzoſen, und aus Schweden, Dänemark, Po⸗ len, Rußland, Malta, wie aus Central⸗ und Süd⸗Amerika und einigen Inſeln Auſtraliens je ein Bewohner) ſich befanden.

der und Iren, 5500 Deutſche, 5000 Franzoſen, 3000 Amerikaner ſpaniſcher Abkunft, 3000 Chineſen und 1500 Einwohner anderer Nationalitäten, mit Einſchluß der Neger. Unter dieſer Bevöl⸗

3000 Kinder. Seit dem Brande von 1853 hat San Francisco 250 Straßen und Spaziergänge, 18 Kirchen, 10 öffentliche Schu⸗ len mit 21 Lehrern und 1250 Schülern, 2 Hoſpitäler, 5 amerika⸗ niſche, 1 franzöſiſches, 1 deutſches und 1 chineſiſches Theater, 160 Hotels, 66 Reſtaurants, 20 Bäder, 63 Bäckereien, 15 Mehl⸗ und Sägemühlen, 13 Eiſenwerke u. ſ. w. Zwölf Zeitungen er⸗ ſcheinen täglich und außer dieſen noch eine Anzahl periodiſcher Blätter; unter den Tagesblättern befindet ſich auch eine in chine⸗ ſiſchen Charakteren gedruckte Zeitung, welcheGold⸗Hill's⸗News heißt, da die chineſiſche Bezeichnung für San Francisco Gold⸗ Hill bedeutet. Die Stadt beſitzt 18 Seedampfſchiffe, von denen 8 für den Verkehr nach Panama, 4 nach San Juan del Sur, 2 nach Oregon und für den Küſtenverkehr beſtimmt ſind. Außer⸗ dem befahren 23 Flußdampfer die californiſchen Ströme.

Londoner Omnibuſſe.

Ueber die Londoner Omnibuſſe bringt eine franzöſiſche Zeit⸗ ſchrift intereſſante Angaben. Demnach haben 582 Omnibuſſe

Gegen Ende des Jahres 1853 zählte die Hauptſtadt 50,000 Ein⸗ wohner, alſo mehr als den ſiebenten Theil der ganzen Bevölke⸗ rung des Landes; darunter waren 32,000 Amerikaner, Englän⸗

Was beliebt.

in einer Woche, vom 7. bis zum 15. November, 249,033 Francs 40 Cent.(ca. 63,000 Thlr.), alſo täglich 35,576 Frcs. 20 Cent. (ca. 9000 Thlr.) eingebracht, ſo daß auf einen Omnibus 62 Fr. 41 Cent.(ca. 15 Thlr.) täglich kommen. Die Einnahme der

Omnibuſſe vom 7. Januar bis 15. November d. Js. betrug

zahl, nach der ſchon im Auguſt des Jahres 1846 begründeten er⸗

9,670,917 Fr. 75 Cent.(ca. 2,417,730 Thlr.), ſo daß im Durch⸗ ſchnitt auf einen Omnibus täglich 71 Fr. 20 Cent.(ca. 18 Thlr.): kommen. e.

Leben der Armen auf dem Eichsſelde in der preußiſchen Provinz Sachſen.

Das jüngſte Kind im Tragkorbe und einige kleine Kinder, die kaum ihre Blöße bedeckt haben, an der Hand, geht das arme

Weib im Eichsfelde ſchon am frühen Morgen gegen Tagelohn auf's Feld, während der Mann den ganzen Sommer hindurch

kerung von 50,000 Seelen befanden ſich nur 8000 Frauen und

in der Fremde iſt. Monate lang und oft doch vergeblich be⸗ ſtürmt das verlaſſene Weib den Briefträger um den zugeſagten Geldbrief ihres Ehemanns. Es fehlt ihr an Allem. Die Kinder liegen auf dem naſſen kalten Erdboden Tag aus, Tag ein um⸗ her, und nur Gottes Hand ſchützt und erhält ſie. Kommt die verlaſſene Familie des Abends zu Hauſe zuſammen, ſo iſt in dem Schranke wohl nicht einmal ein Stückchen Brot zu finden. Etwas Cichorienkaffee und, wenn es gut geht, einige Kartoffeln mit Salz bilden die Abendmahlzeit. Wo das Weib das häusliche Regiment aufgeben muß, wo ſie nicht im Hauſe ſorgt und erhält, da zerrinnt jeder, auch der reichlichſte Verdienſt des Mannes,

da fehlt das harmoniſche Wirken und das häusliche Glück!

Unreinlichkeit, Unordnung im Haushalte, die gröblichſte Ver⸗ nachläſſigung der Kindererziehung, dieſe Haupturſachen der Ver⸗ armung der Eichsfelder Bevölkerung, werden erſt dann aufhö⸗ ren, wenn die Frauen wieder ihr mildes Scepter im Hauſe, Hofe und Garten führen. Sieht man im bäuerlichen Garten ein wohlgepflegtes Blumenbeet und am klaren Fenſter der Wohn⸗ ſtube einen weißen Vorhang und einige blühende Topfpflanzen, ſo iſt das ein gutes, ſelten trügendes Zeichen für das redliche, ſtille Walten einer braven Hausfrau! e.

Verlag von Hugo Scheube in Gotha. Verantwortl. Redacteur: Heinrich Schwerdt in Neukirchen. Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig. 9 3

Her⸗ wäſe rade Koſe Wie w·ſſe ande frau zwiſe von

Koſe

die ſ narb ſchw bewi in F und Mu vorn dan konn keine duvch und

Sei