entziehen. Die Schwierigkeiten, womit das Baumaterial auf der Achſe zur Wartburg geſchafft werden muß, bleibt kaum zu ſchildern, und nicht minder ſtörend wirkt der enge Raum und die frühzeitig eintretende, hier doppelt rauhe Witterung. Die Arbeiten an der vom Dlerindeniene Büchner trefflichſt angelegten Werrabahn gehen dagegen unter deſſen Leitung ununterbrochen und mit rieſigen Fortſchritten von Statten, ſo daß man hoffen kann, die Bahnſtrecke werde ſchon einige Monate früher, als im Anſchlag liegt, eröffnet werden können. Unbezweifelt ge hört dieſelbe zu den großartigſten Deutſchlands, und die Fahrt auf der Werrabahn, namentlich durch die hieſige Gegend, darf man ſich ſchon jetzt als die pittoresteſte und Kauceojſateſt ausmalen. Sind wir einſt aus dem Werra⸗ thale über den koloſſalen Viaduct des Ell üeife ge brauſ't, ſo wird der Zug mittelſt einem 1200 Fuß langen Tunnel den Hauptrücken des thüringer Hefldgehärdes durchſtechen, darauf in ein ſchmales Waldthal auslaufen und von da an ſchroffen Felſen vorüber in das Hauptthal münden. Hier tritt dann plötzlich die alterthümliche Wartburg, die als Thüringens Kern auf dem ſchönſten Haupte der vor uns liegenden Berge prangt, wie ein ver körperter Gruß des ſtabilen Mittelalters an die raſch dahinbrauſende Gegenwart, vor die ſtaunenden Blicke. Nachdem man noch zwei reizende, hoch überdämmte und überbrückte Waldthäler durchflogen, naht man— wie die Abbildung zeigt*)— dem Fuß des Berges, der die Bahn durchſchneidet. Sie hat dabei immer noch eine Höhe von 60— 70 Fuß über der Chauſſee, die im Grunde hinläuft, überſchreitet, ſcheinbar um den Blick auf die Burg wiederzugewinnen, mittelſt einem vierten Viaducte das Thal, ſpaltet jenſeits die koloſſalſten Felſen wände und muß ſogar dem Thalwaſſer ſammt der Straße eine andere Richtung geben. Noch einmal über dämmet die Bahn einen links neben ihr aufſteigenden Felſenkeſſel und läuft eine Strecke noch hoch genug, um
*) Nach dem Wunſch der Redaction ſollte auf dem einen Bilde die Wartburg in ihrer gegenwärtigen Geſtalt, und im Vorder⸗ grund die rieſigen Werrabahnarbeiten, wie ſie jetzt im Angriff ſind, dar⸗ geſtellt werden. Der Maler aber hat ſich in die Zeit hinein gedacht, wo Burg und Bahn vollendet ſind. Namentlich zeigt ſich auf dem kleineren Bilde die Burg in der Geſtalt, wie ſie völlig wiederhergeſtellt zur Werra⸗ bahn herabblicken wird.
bei den prachtvollſten Sichten nach den maleriſchen Felſen⸗ geſtalten der Wartburg auch die Stadt Eiſenach in ihrer ganzen Ausdehnung überblicken zu können, bis ſie in die Richtung der thüringſchen Bahn einlenkt, neben ihr wegziehet und nahe dem thüringer Bahnhofe aus mündet.
Schon jetzt bietet der Beſuch der in Arbeit begriffenen Bahnſtrette den ſeltſamſten Genuß, namentlich wenn man ſolche von den nächſten Anhöhen und in den Momen⸗ ten überſchaut, wo die Sprengminen längs der ganzen Strecke nach und nach entzündet werden. Man dürfte glauben, ſchlimmer ſei es dem Malachoff nicht ergangen, als jetzt dem armen Wartburgfelſen. Aber noch grau ſiger und dämoniſcher ſind die Sprengarbeiten am Tun⸗ nel, wenn in der Nacht bei Lampenlicht oder Mondſchein die Arbeiter wie geſpenſtige Gnomen am ſchroffen Berge und in enger Felsſchlucht wühlen, ſchanzen, hämmern, und dann nach erwartungsvoller Stille die Krater ſich entladen, Flammen und Felsſtücken weit in den mächtigen Himmel ſchleudernd. Still und lautlos ſteht dann die Schar, bis der Dampf ſich zerſtreut und der Donner in den Bergen verrollt. Dann eilen ſie hinzu, das Ergeb⸗ niß der Pulverkraft zu ſchauen und arbeitsmuthig wieder an's Werk zu gehen.
Am letztverwichenen 18. October baten die Arbeiter der ganzen Bahnſtrecke, zu Ehren des Tages ihre ſämmt lichen Minen mit einem Male explodiren laſſen zu dürfen. Es wurde ihnen geſtattet, und der Effect dieſer klei⸗ nen Probe deutſcher Einheit war unbeſchreiblich. Acht Stunden weit rollte der Donner.
„Wird denn die Welt hier umgewandelt?“ hört' ich dabei voll Staunen und taen fragen. Gewiß!— denn was möchte wohl mehr zur Umwandlung aller Ver⸗ hältniſſe beitragen, als die Einführung der Eiſenbahnen und der Telegraphen!
Mit Stolz darf unſere Zeit auf die unberechenbaren Ergebniſſe ihres wiſſ ſenſchaftlichen und büdinialen Fort ſchrittes ſchauen.— Jal erſtänden die alten Ritter aus ihren längſt verſunkenen Grüften, ſie würden um ſolchen Preis den Fuß ihres Burgberges bereitwillig opfern, ihre Eiſenſchienen mit denen unſerer Tage gern vertauſchen und die vorüberbrauſenden Dampfzüge mit ſtaunender Freude von den Zinnen der Wartburg begrüßen.
Das Waſſer und die Kälte.
Wenn der Schmidt einen eiſernen Reif um ein Wagen⸗ rad legt, ſo weiß er, daß der Reif ſich dann erſt feſt um das Rad ſchließt, wenn er kalt wird. Der heiße Reif iſt weiter, als der kalte!— Ebenſo iſt es den Büglerinnen bekannt, daß die Bügeleiſen⸗Bolzen oder Stähle, wenn ſie heiß find, nicht ſo leicht in das Bügeleiſen fallen, als wenn ſie kalt ſind. Die heißen Bolzen ſind größer, als die kalten!— Daraus ſieht man, daß die Hitze das Eiſen ausdehnt, und daß es ſich wieder zuſammenzieht, wenn es ſich abkühlt.—
Das iſt aber nicht nur mit dem Eiſen, ſondern mit den Naturkörpern überhaupt der Fall. Bei den aller⸗ meiſten gilt der Satz: je heißer, deſto ausgedehnter;
je kälter, deſto mehr in ſich zuſammengezogen.
Die Wärme lockert ſie gleichſam auf— und das kann auch ſo weit gehen, daß die Theilchen eines Körpers, der vorher feſt war, in einer gewiſſen Hitze ihren Zziſaminen halt verlieren und zuletzt auseinander fließen. Dann ſagt man: der Körper ſchmilzt. Der eine braucht dazu weniger Hitze, der andere mehr;— ſo die Butter, das Wachs, das gZlei. Und werden viele Körper in der Wärme nicht noch weit lockerer?— ſie gehen gleichſam ganz aus— einander und werden zu— Dampf.
Aufgelockerte Körper ſind aber auch im Verhältniß zu dem Raum, den ſie einnehmen, leichter, als feſt in ſich zuſammengezogene. Es geht eine große Maſſe von


