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mildthätig war, und daß ſie eine paſſende Hausfrau ſal blitzähnlich gegen und welche
für ihn abgeben könnte.
Ueber Schloß Angenſtein war ein neuer Geiſt
gekommen; der Vater Bertha's, glücklich über die Wahl ſeiner Tochter, durchlebte ſeine Jugend noch einmal in der Wonne ſeiner Kinder.
Hugo und Bertha waren glücklich, durchzogen die Wälder des Birsthales, ſtreiften in den frucht⸗ baren Ebenen oder erheiterten dem glücklichen Vater die alten Tage; immer näher rückte der Augenblick, der ſie für ewig binden, auf ewig glücklich machen ſollte. Ein Monat noch, und Bertha ſollte Hugo's Weib werden, ſollte das väterliche Schloß verlaſſen, und mit ihrem Geliebten in die gaſtliche Burg Iſtein am rebenbegränzten Rhein ziehen.
Aber einer jener Schläge, wie ſie oft das Schick⸗
das menſchliche Leben führt, die Menſchen nur zu gern zur Anklage gegen die Vorſehung verleiten, ſollte auch hier das Glück der beiden Liebenden und des grauen Vaters zerſtören, ſollte die edle Seele Bertha's dahin füh— ren, wo nichts mehr den Frieden und die Ruhe ſtören kann.
Auf Angenſtein wurde ein Feſt gefeiert. Kuno hatte dazu die Ritter der Umgebung eingeladen, und mit dieſen kamen ihre Frauen und Töchter.
Bertha hatte die Aufgabe der Hausfrau über⸗ nommen und, da ſie Angenſtein Ehre machen wollte, vollauf zu thun; kaum daß ſie Zeit fand, all' die Gäſte zu empfangen und hie und da Hugo ein
(Siehe S. 191.)
freundlich Wort, einen liebevollen Blick ſpen⸗
den.
zu In dem Kranze der edlen Damen, die ſich an dieſem Tage auf Angenſtein eingefunden hatten, ſtrahlte beſonders ein Edelfräulein hervor, die, aus Hochburgund ſtammend, all' die Pracht entfaltete, welche den Süden charakteriſirt. Auch ihre Geſtalt war imponirend, ihr ſchönes, kühnes Geſicht um— faßten ſchwarze reiche Locken, ihr durchdringender
Blick ſchien Alles zur Huldigung zwingen zu wollen.
Eine ungemeine Lebhaftigkeit, eine volle wohltönende Sprache, ein heiterer, witziger Geiſt und eine aus— gezeichnete Unterhaltungsgabe riſſen vollende zur Bewunderung hin. Hugo, welcher die Aufmerkſam⸗ keit des ſtolzen Fräuleins erregt hatte, war ganz geblendet von dieſer Erſcheinung; ſie hatte einen
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bewältigenden Eindruck auf ihn hervorgebracht. Wenn er dann und wann den Zauber, der ihn be⸗ fangen, abſchütteln und an ſeine Bertha denken
wollte, da erſchien ihm dieſe in ihrer anſpruchloſen Einfachheit, in ihrer prunkloſen Schönheit, mit ihrer ſtillen aber um ſo tiefern Liebe, als ein ſchlichtes Mislein, das von der feurigen Pracht der Tulpe überſtrahlt und verdunkelt wird. Und ſchnell kehrte er von dieſen Träumen zurück, und hörte um ſo begieriger die Schmeiche elworte der Fremden; fieber⸗ haft ſteigerte ſich ſeine Empfindung, und nur zu bald hatte er ſeine Liebe zu Bertha vergeſſen, und ſchwelgte nur noch in dem Gedanken an das Fräu⸗ lein aus Hochburgund.
Bertha, welche nur für wenige Augenblicke in der Nähe Hugo's weilen konnte, freute ſich im Ge⸗


