Jahrgang 
1861
Seite
154
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und fort ging es dahin im ſauſenden Galloppe nach dem nur zehn Minuten entfernten Chatsworth! In einem Augenblicke war das Schloß erreicht. Doch es verhielt ſich ganz ſo, wie der Nacht⸗ wächter von Chapelenlefrith ausgeſagt hatte; der Herzog war vor mehr denn vier Stunden abgefah⸗ ren und mußte Nottingham bereits erreicht haben. Von einer Verfolgung konnte daher keine Rede ſein und ſomit beſchloß Allan, ſo bald Mann und Roß ſich erfriſcht haben würden, den Rückweg in's Lager der ſchottiſchen Armee anzutreten.

Es mochte etwa ein Uhr Nachts ſein, als er

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dahin aufbrach, und er wählte dazu einen ihm wohl⸗

bekannten näheren Weg, der eine Zeitlang auf der Straße nach Buxtonhill fortführte und dann links abbog. Langſam, denn es hatte nunmehr keine be⸗ ſondere Eile und die Pferde waren ſchon müde ge⸗ nug, ritt er mit ſeiner Mannſchaft weiter; da hörte er plötzlich in kurzer Entfernung vor ſich Schüſſe. War etwa der Feind in der Nähe und gab es hier ein Scharmützel? ſo fragte er ſich; doch dar⸗ über, was er zu thun habe, war er ſchnell ent ſchloſſen.

Vorwärts im Gallopp! kommandirte er und mit Windeseile ging es auf der Straße dahin.

In wenigen Augenblicken war der Schauplatz, wo die Schüſſe fielen, erreicht, und ein merkwür⸗ diger Anblick bot ſich ihnen dar. Mitten auf der Straße, halb querüber ſtand ein großer Reiſewagen, wie ihn vornehme Perſonen in jenen Zeiten im Brauche hatten. Der Wagen war mit vier Pferden beſpannt und urſprünglich von zwei Poſtillonen ge⸗ führt, während noch einige berittene Diener neben⸗ her folgten. Allein von den Poſtillonen war weit und breit nichts mehr zu ſehen ſie hatten ſich ohne Zweifel durch die Flucht gerettet und von den Dienern lag Einer durch die Bruſt geſchoſſen todt auf dem Platze. Dagegen hielten zehn oder zwölf wohl bewaffnete Reiter den Wagen umringt,

weſen und eben daran waren, eine vornehm geklei⸗ dete Dame aus dem Wagen zu zerren, ließen ihren Raub fahren und beeilten ſich auf ihre Pferde zu kommen.

Schottland und die weiße Roſe, ſchrie Allan Glencairn ſeinen Säbel ſchwingend.Wer in aller Welt ſeid ihr, daß ihr es wagt, in der Maske eines guten Schottländers Reiſende anzufallen und ſo die Schmach auf uns zu laden, als wären wir Mörder und Straßenräuber?

Und wer zum Teufel biſt du, erwiederte Einer der verkleideten Räuber, welcher ſeiner ganzen Hal⸗ tung nach den Trupp kommandirte, aber ſich ſo ver⸗

mummt und geſchwärzt hatte, daß man ſeine Ge⸗ ſichtszüge unmöglich unterſcheiden konnte,daß du es wagſt, dich in meine Privatgeſchäfte zu men

und ein paar Andere waren abgeſeſſen, um den

Kutſchenſchlag zu öffnen und die im Wagen befind⸗ lichen Reiſenden zum Ausſteigen zu nöthigen. Allan Glencairn überzeugte ſich ſogleich, daß es ſich hier von einem Ueberfall oder vielmehr von einem Raubanfalle handle, allein eben ſo klar war es ihm vom erſten Augenblicke an, daß die Räuber keine gewöhnlichen Wegelagerer und Banditen ſeien,

gen?

Zu gleicher Zeit drehte er ſein Roß gegen Allan, zog eine Piſtole und feuerte. Doch die Kugel ging fehl, denn wie Allan nur den erſten Laut dieſer Stimme hörte, glaubte er ſie auch(obwohl eine Binde, welche der Räuber über den unteren Theil ſeines Geſichtes gebunden hatte, ſie etwas dumpf tönen machte) erkannt zu haben, und ſpornte nun ſein Roß zu einem ſo furchtbaren Anſatze, daß es den Reiter vor ihm faſt zu Boden warf.

Verräther, Schuft, Räuber, Mörder, ſchrie Allan von einem furchtbaren Zorn erfaßt;diesmal habe ich dich und lebendig ſollſt du mir nicht ent⸗ rinnen!

Er holte tief aus mit ſeinem Säbel und ließ ihn auf den Feind niederſauſen; aber der Hieb traf nur das Pferd, nicht den Reiter. Dieſer hatte ſich nämlich im Momente, wo Allan ſein Roß anſpornte, von ſeinem Thiere hinabgleiten laſſen und ſchlüpfte unter deſſen Bauche durch, um das Weite zu gewin⸗ nen. Letzteres gelang ihm auch vollkommen, denn er war bereits hinter dem großen Reiſewagen ver⸗ ſchwunden und in das über der Straße befindliche Gehölz geflüchtet, ehe Allan ſich nur überzeugte, daß er ſtatt des Reiters deſſen Pferd getödtet habe.

Inzwiſchen waren die Reiter Allans natürlich

auch nicht müſſig geblieben, ſondern hatten ſich

denn nicht nur waren ſie überaus gut beritten und bewaffnet, ſondern ſie hatten zum Theil auch ihre

Geſichter geſchwärzt, offenbar um nicht erkannt wer⸗ den zu können. Das Auffallendſte war ihm übri⸗ gens, daß deeſelben ohne Ausnahme ſchottiſche Kleidung trugen, und daher ganz ſo ausſahen, als wären ſie ein Theil ſeines eigenen Korps. Der letztere Punkt machte ihn einen Moment lang ſtutzig, aber auch nur einen Moment lang, denn wenn es Leute von der Garde des Prinzregenten geweſen wären, warum hätten ſie dann nöthig gehabt, ihre Geſichter zu ſchwärzen?

Die Räuber waren in ihr Geſchäft ſo vertieft, daß ſie von dem Anſprengen Allan Glencairns und ſeiner Leute nichts vernahmen, als bis ihnen dieſe ganz hart auf den Ferſen ſaßen. Nun aber natür⸗ lich wandten ſie ſich gegen die neuen Ankömmlinge

und diejenigen unter ihnen, welche abgeſeſſen ge⸗

augenblicklich, Säbel und Piſtole brauchend, mit den Räubern handgemein gemacht. Allein die Letzten widerſtanden nur einen Augenblick und wandten ſich dann zur Flucht, indem der Eine links, der Andere rechts über den Chauſſeegraben ſetzte, während An⸗ dere geradeaus auf der Straße fortſprengten. Na türlich folgten ihnen die Reiter, aber nach kurzer Zeit rief ſie das Signal, welches ihr Befehlshaber blaſen ließ, auf den Sammelplatz zurück, denn Allan ſah ein, daß bei einer weiteren Verfolgung eine Zerſplitterung ſeiner Leute, die ihm große Verant⸗ wortung zuziehen konnte, nothwendig wäre, während noch nicht einmal ſicher war, ob auch nur Einer der Räuber eingefangen würde. So entkamen denn die Letzteren ſämmtlich, einen Einzigen ausgenommen, wdce rrftrn Handgenienge erſchoſſen worden war und todt auf dem Platze lag.

Die ganze Affoine hatte nur etwa fünf Minuten gedallerk, aber m in kann ſich denken, welche Angſt und Qual die eiſenden während dieſer Zeit aus⸗ zuſtehen hatten: Solcher waren es nämlich im Gan⸗ zen viere, zyoei Damen oder vielmehr eine Dame