Jahrgang 
1860
Seite
191
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ſtammt, ſo tapfer, daß ſie weder Gott noch Menſchen fürchteten; daher traf ſie auch das Strafgericht von Oben. Eines Sonn⸗ tags fiſchte der Erbe von Lambton nach ſeiner gottloſen Ge⸗ wohnheit und ſtieß, da er lange Zeit Nichts fing, zum großen Aergerniß derer, welche eben ihres Weges zur heiligen Meſſe kamen, laute Flüche aus. Endlich fühlte er ein außerordent⸗ liches Zerren an ſeiner Leine und zog darum, in der Meinung, einen großen Fiſch gefangen zu haben, mit größter Vorſicht an; aber es bedurfte aller ſeiner Anſtrengung, bis er den erwarteten Fiſch an's Land brachte.

dem Kopfe deſſelben; dies hatte aber keine weitere Wirkung, als daß das ergrimmte Ungeheuer ſich auf ihn ſtürzte, ihn mit ſei⸗ nen Ringen umſchlang und in ſeiner giftigen Umarmung zu er⸗ würgen ſuchte.

Je feſter der Wurm aber ſeine Ringe zuſammenzog, deſto tödtlicher wurden die Wunden von den Meſſerklingen, bis der ganze Strom wie Blut floß, und die Kräfte des Ungeheuers

nachließen, je mehr es ſich anſtrengte, ſeinen Gegner zu ver⸗

Dieſer wies ſich aber als ein Wurm

von ganz ungewöhnlicher Geſtalt aus; darum riß er ihn ſchnell

von der Angel ab und warf ihn zornig in den Brunnen da⸗ neben. Wiederum warf er ſeine Leine aus, als ein ehrwürdiger Fremdling an ihm vorüberging.Gut Glück beim Fiſchen? fragte er.Ich glaube, ich habe den Teufel gefangen, ant⸗ wortete der Lord und deutete in das Waſſer, worin der Wurm zappelte.So etwas habe ich nie geſehen, rief der Fremd⸗ ling;es gleicht einer Eidechſe, hat aber neun Löcher an jeder Seite des Maules, das bedeutet nichts Gutes.

Der Wurm, den man in dem Brunnen nicht achtete, wurde bald ſo groß, daß er einen andern Aufenthalt ſuchen mußte. Bei Tage lag er gewöhnlich zuſammengerollt um einen Felsblock

mitten im Fluß, und bei Nacht beſuchte er einen benachbarten

Hügel, ſtreckte ſich am Fuße deſſelben aus und wurde am Ende ſo lang, daß er neunmal die grüne Erderhöhung umſchlingen konnte, und die Spuren ſeines wurmförmigen Leibes auf viele Jahrzehende hinein zurückließ. Der Wurm wurde jetzt der

Schrecken der ganzen Nachbar⸗ ſchaft, verſchlang die Lämmer,

nichten. Endlich erfaßte Lambton eine günſtige Gelegenheit und gebrauchte ſein Schwert ſo gut, daß er damit das Ungeheuer entzwei hieb; den getrennten Theil riß aber die ſtarke Strömung ſogleich mit ſich fort, und der Wurm, dem es ſomit unmöglich war, ſeine geſpaltenen Glieder wieder zu vereinigen, wurde nach einem langen und verzweifelten Kampfe vollends getödtet. Während des Kampfes lagen die Bewohner des Schlaſſes in brünſtigem Gebete; als nun das verheißene Signal ertönte, da vergaß der glückſelige Vater Alles, außer daß ſein Sohn noch am Leben war, und eilte ihm, anſtatt das Windſpiel los⸗ zulaſſen, Allen voraus entgegen. Den Ritter übermannte der Schmerz beim Anblicke des Greiſes; aber er wollte nicht zum Vatermörder werden, und ſtieß, hoffend, auch ſo noch das Ge⸗ lübde erfüllen und den Fluch abwenden zu können, zum zweiten Male in das Horn. Da riß ſich ſein Lieblingshund zu Hauſe los und ſtürzte in gewaltigen Sprüngen auf ſeinen Herrn zu.

Widerſtrebend zog der Ritter das von dem Blute des Ungeheuers

ſog den Kühen die Milch aus

und that überhaupt dem Vieh allen möglichen Schaden. Die Nordſeite des Fluſſes lieferte ihm nicht mehr den nöthigen Be⸗

darf; der alte Lord damals in Sorge und Gram lebte, denn ſeinen Sohn, eben den Fiſcher, hatte Reue über ſein gottloſes Leben angewandelt, und er war in ferne Lande zum Kampfe gegen die Ungläubigen gezogen. Die erſchreckte Dienerſchaft verſam⸗ melte ſich, und der alte

ſo wandte er ſich über denſelben Lambton⸗Hall zu, wo

noch triefende Schwert und ſtieß es dem treuen Thiere in's Herz. Aber vergeblich: die Weiſſagung ging in Erfüllung, und der Fluch der Sybille lag neun Generationen lang ſchwer auf dem Hauſe Lambton.(E. St.)

Ueber die Pluralität der Welten oder über den Satz, daß außer der Erde auch andere Himmelskörper ihre Bewohner haben, iſt in der königl. belgiſchen Akademie der Wiſſenſchaften zu Brüſſel ein populärer Vortrag gehalten worden, aus welchem einige Andeutungen vielleicht auch unſere Leſer intereſſiren

dürften.

Hausmeiſter machte den Vorſchlag, den

großen im Hofraume ſtehenden Trog mit Milch zu füllen. Daus

Ungeheuer kam heran, ſoff gierig die Milch aus und zog ſich dann, ohne weiteres Unheil anzurichten, zu ſeinem Lieblings⸗ hügel zurück. Am nächſten Morgen kam es zu derſelben Stunde wieder, und es bedurfte der Milch von neun Kühen, um den Trog damit zu füllen; fehlte etwas daran, ſo ſchlang der Wurm ſeinen Schwanz um die Bäume im Park und riß ſie in ſeiner Wuth mit der Wurzel aus. Mancher tapfere Ritter verſuchte ſofort, die Gegend von dieſer Geißel zu befreien, aber er mußte im Kampfe entweder das Leben, oder wenigſtens eines ſeiner Glieder laſſen, denn wenn der Wurm auch entzwei gehauen wurde, ſo vereinigten ſich die getrennten Theile alsbald wieder und er herrſchte unangefochten auf ſeinem Hügel.

Endlich nach ſieben langen Jahren kehrte der junge Lamb⸗ ton, der Kreuzritter, heim und fand die weiten Ländereien ſei⸗ ner Ahnen verwüſtet. Er hörte von der Noth des Volkes und eilte nach ſeinem väterlichen Schloß, 1 Bekümmerniß fand. Er ließ ſich nicht abhalten, über den Fluß zu ſetzen und das Ungeheuer in der Nähe zu betrachten; und da er von dem Looſe derer hörte, welche ſich in einen Kampf mit demſelben eingelaſſen hatten, zog er eine weiſe Frau in der Gegend darüber zu Rathe, wie man dem Ungeheuer am beſten beizukommen vermöge. Er erfuhr, daß e ſelbſt an all dieſem Unheil ſchuldig ſei, was ſeinen Schmerz zw öhte, aber ihn nur in ſeinem Entſchluſſe noch beſtärkte. üſſe ſeine beſte Waffenrüſtung anlegen, nachdem er zuvor ſie von oben bis unten mit Scheermeſſerklingen beſetzt habe, ſeinen Stand auf der Fel⸗ ſeninſel nehmen und ehe er ſeinem Schwerte vertraue, das feier⸗ liche Gelübde ablegen, im Falle des Sieges das erſte lebende Weſen, dem er begegne, zu ſchlachten, ſonſt würden die Lords von Lambton neun Generationen hindurch niemals eines natür⸗ lichen Todes ſterben. Das Gelübde wurde gebracht; der Ritter empfahl ſich in der Schloßkapelle dem Schutze des heil. Geiſtes und der Jungfrau Maria, und wappnete ſich dann zum Kampfe.

Vor dem Abgange ermahnte er noch ſeinen Vater, ſobald er drei Stöße in ſein Hüfthorn als Zeichen des Sieges ver⸗ nehme, ſolle er ſein Lieblings⸗Windſpiel loslaſſen, das der Ritter ſich zum Opfer beſtimmt hatte. Dann nahm er ſeinen Stand auf dem Felſen⸗Eiland, entblößte ſein treues Schwert und em⸗ pfahl ſich der göttlichen Vorſehung. Zur gewohnten Stunde machte ſich der Wurm auf den Weg nach Lambton⸗Hall, und kam an dem Felſen vorüber, wo er zuweilen der Nuhe pflegte. Der unerſchrockene Ritter führte einen gewaltigen Streich nach

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Iſt unter allen Himmelskörpern, welche ſich im Raume bewegen, die Erde der einzige, welcher bewohnt iſt und bewohnt werden kann? frägt der Redner und fährt nach kurzer Andeu⸗ tung der Vorſtellungen der alten Völker über das Weltſyſtem fort:der Hochmuth, der den Menſchen antreibt, ſeine Wichtig⸗ keit zu übertreiben, brachte ihn auch auf den Glauben, das Sandkorn, worauf er ſich bewegt, ſei die einzige Welt, elcher der Schöpfer Bewohner gegeben habe, und alle andern ſeien ſteril und todt.

Berechtigt die ſcheinbare eiſige Unbeweglichkeit des Mon⸗ des zu der Annahme, daß das Leben darauf fehle? Mit Hülfe der beſten optiſchen Inſtrumente bleibt für das Auge des Beob⸗ achters immer noch eine Diſtanz von etwa 80 Meilen. Man begreift, daß ſelbſt ſehr große Gegenſtände ihm entgehen und er von Bewohnern nichts gewahr wird, deren Größe im Verhältniß zu dem Umfang des Weltkörpers, auf dem ſie leben, ſtehen muß.

Vielleicht kommt eine Zeit, wo mächtigere Inſtrumente die Com⸗

o er Alles in ſchwerer

munikation zwiſchen der Erde und ihrem Trabanten näher rücken.

Der gewöhnliche Einwurf gegen die Hypotheſe der Mond⸗ bewohner iſt der, daß dieſer Planet keine Atmoſphäre habe. Das iſt aber noch nicht ſo ganz ausgemacht. Es bedurfte der Luft, um den Brand der Vulkane zu nähren, welche man auf dem Monde bemerkt, und des Waſſers, um die Landalluvionen zu bilden, deren Spuren gleichfalls erwieſen ſind.

Zur Feſtſtellung, daß der Mond Bewohner hat oder hatte, fehlt es an poſitiven Thatſachen, aber keineswegs an Wahr⸗ ſcheinlichkeiten, und wie oft haben dieſe in Verbindung mit Ana⸗ zolih vnd Induction zu den unwiderſtreitbarſten Wahrheiten geführt. Wo hat die Idee einer Pluralität der Welten ihren Ur⸗ ſprung genommen? Der Redner findet ſie ſchon im hohen Alter⸗ thum, verfolgt ſie mit großem Scharfſinn und großer Unpar⸗ theilichkeit bis auf die Gegenwart, und ſtellt ſie auf eine über⸗ zeugende Weiſe am Ende zuſammen.Wie unfruchtbar ſind die Abſichten derer, fährt er fort,welche ſich bemühen, in Erklä⸗ rung der das Weltall regierenden Geſetze die Wiſſenſchaft der Religion in Einklang zu bringen! Herz und Verſtand h ihr eigenes Gebiet; Glauben und Vernunft muß man hängig von einander laſſen; und diejenigen, welche eine⸗ lität der Welten für antireligiös halten, beruhia mit einer Stelle aus dem zu Rom gedruckte imprimatur verſehenen Werke des P. Ange ſüßen Gefühl denkt der Menſch an jene

jeder Stern eine Sonne iſt, welche