Jahrgang 
1860
Seite
192
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Güte, andern Weſen ohne Zahl, die von der Hand des Allmäch⸗ tigen geſegnet ſind, Leben und Glück vertheilt. Sein Herz er⸗ greift überſchwengliche Freude, wenn er bedenkt, daß er ſelbſt einen Theil jener privilegirten Klaſſe intelligenter Weſen aus⸗ macht, welche aus den Tiefen des Himmels ihre Loblieder dar⸗ bringen.

Welches ſind die Merkmale, die ein Himmelskörper zu ſei⸗ ner Bewohnbarkeit haben muß? Daß er das beſitzt, was die Alten die Elemente der Natur nannten, d. h. Erde, Waſſer, Luft und Feuer. Nach der Verſicherung des Redners findet man dieſe auf dem Planeten Mars. Man erkennt auf demſelben un⸗ veränderliche grünliche und röthliche Flecken, woraus man ſchließt, daß er aus Subſtanzen, welche das Licht auf verſchiedene Weiſe zurückwerfen, gebildet iſt. Dieſe Subſtanzen ſind wahrſcheinlich Kontinente und Meere. Das Waſſer zeigt die Gegenwart einer Atmoſphäre an. Außer jenen unveränderlichen Flecken gibt es

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auch ſolche, welche eigene Bewegungen haben und welche, am Pole gelegen, ohne Zweifel unter dem Einfluß der wechſelnden Jahreszeiten ſich periodiſch vergrößern oder verkleinern. Die Konſtitution des Mars wäre demnach derjenigen der Erde ähnlich.

Behaupten zu wollen, daß die Erde allein bewohnbar ge⸗ ſchaffen ſei, heißt eine Meinung feſthalten, welche einzig in un⸗ ſerem Hochmuth gegründet iſt, heißt das Geſchöpf auf Koſten des Schöpfers verherrlichen. Die Idee von einer Pluralität der Welten vergrößert den Menſchen, erhebt ſeinen Geiſt. Fragt

man, wozu dienen die zahlloſen, in den Raum geworfenen Him⸗

melskörper, wenn das Leben nur auf der Erde exiſtirt, ſo ant⸗ worten die Gegner jener Idee, der Anblick des geſtirnten Him⸗ melsgewölbes ſei ein poetiſcher, dem Menſchen gegebener Genuß. Wem wird aber dieſe Antwort genügen und was wäre der Zweck jener Milliarden teleſkopiſcher Sterne, deren Anblick nur wenigen privilegirten Beobachtern geſtattet iſt; warum würde die Sonne Tage, Nächte, Jahreszeiten den Planeten ohne Be⸗ wohner vertheilen? Warum ſollten die wohlthätigen, den Aegua⸗ torialringen des Jupiter und Saturn zugeſchriebenen Winde be⸗ ſtändig auf lebloſe Zonen blaſen; warum die Monde, welche um dieſe beiden Welten kreiſen, ihre ſilbernen Strahlen auf unge⸗ heure Eismeere und wüſte Kontinente werfen?

Die Materie ſollte in's Unendliche verbreitet ſein, und das Leben nur auf einem kleinen Punkte, welcher die Erde iſt, exi⸗ ſtiren! Die Vernunft ſträubt ſich gegen dieſe Annahme. Wie die Materie, iſt auch das Leben univerſal!

. dieſer Idee einer erhabenen Gerechtigkeit ſchließt der Reduer ſeinen Vortrag, der von allen Seiten mit dem größten Beifall aufgenommen wurde.(J. B.)

Man ſchreibt aus Homburg(3. April): Der Spanier G., einer der ſtärkſten Spieler, die je exiſtirten, macht in dieſem Augenblicke unſere Spielbank erzittern. Er ſpielt zwölf Stun⸗ den ununterbrochen, mit dem Maximum des Einſatzes, und hat jetzt 1,500,000 Fr. gewonnen. M. B., einer der Bankdirekto⸗ ren, kommt eben eiligſt aus Paris mit 2 Mill. in Bankbillets an, um die Kaſſe wieder zu füllen. Gleich nach ſeiner Ankunft wird im Kurſaal angeſchlagen: der Bankfonds für trente et quarante ſei von 200,000 auf 300,000 Fr., und das Maximum des Einſatzes von 8500 Fr. auf 12,000 Fr. erhöht. Das Publikum von Frankfurt ſtrömt in Maſſan hinaus, um den Muth und die Kaltblütigkeit des Spielers zu bewundern, der ſein Wort als Kaſtilianer gegeben hat, nicht eher aufzuhören, als bis er die Bauk vollſtändig geſprengt habe. Nimmt man die mittlere Summe für jeden der Sätze zu 20,000 Fr., und hundert Sätze in jeder Stunde an, ſo macht dies für zwölf Stunden zwölfhundert Sätze, oder 24 Millionen täglich, welche über den grünen Teppich rollen. Seltſamer Weiſe ſpielt ein Engländer, der ſchon ſeit mehreren Tagen behauptet, ein ſo un⸗ geheures Glück müſſe umſchlagen, beharrlich gegen den Spanier. Setzt dieſer Roth, ſo ſpielt der Engländer ſtets Schwarz und umgekehrt; gegenwärtig iſt der Engländer mit 120,000 Fr. im Verluſt, und läßt eben durch Telegramm 2000 Pf. Sterl. kom⸗ men, um ſein Spiel fortzuſetzen. Natürlich ſind alle Zuſchauer Seiten des Spaniers, und wünſchen ihn als Sieger aus ein furchtbaren Kampfe hervorgehen zu ſehen.(J. B.)

*s Echo du Nord ſchreibt aus Moulins⸗Lille: Bei den 1- für die Baſoſitpungen ſtieß man auf einen 1. ugel, welcher anſtatt der Gebeine, die man zu (Der Lindwuteungeheuren Steinblock enthielt, deſſen In⸗

vergift Drachen und LindwGeſtimmung anzeigen. Derſelbe diente

Dels verbreitet. Eine ſorr man liest unter anderem darauf

die Namen: Héſus und Teutates, alte Gottheiten der Gallier, und außer mancherlei druidiſchen Attributen entdeckte man neben dem Steine eine goldene Hippe von ſeltſamer Form und treff⸗ licher Arbeit, womit die Druiden den geheiligten Miſtel von der Eiche, an deren Fuß der Altar ſtand, abſchnitten. Man hat oft behauptet, ſchenopfer brachten; man durchbohrte denſelben das Zwerchfell und machte aus der Beſchaffenheit ihrer Konvulſionen, der Menge und Natur des Blutes ſeine Schlüſſe für die Zukunft. Die Inſchriften an jenem Steine laſſen keinen Zweifel über die Thatſache übrig. Bei dem Andringen des Chriſtenthums woll⸗ ten die Prieſter ohne Zweifel die Gegenſtände ihres Kultus in Sicherheit bringen und flüchteten ten, in einen Grabhügel.

Vor einigen Tagen ſah bahn zwiſchen Cincinnati zwei kleine Mädchen in geringer Entfernung Bahn hingehen. Er gab ein Signal mit der warnen, aber ſtatt zur Seite auszuweichen, aus. Die Lokomotive brauſ'te immer näher hedem, ihre Schnel⸗ ligkeit wurde möglichſt gehemmt, aber die Kinder ſchienen die drohende Gefahr nicht zu ahnen; noch einmal wurde das Sig⸗ nal wiederholt; die Kinder ſuchten jetzt über ein kleines Gehege zum Schutze für das Vieh zu ſteigen; ſie bekamen aber das Uebergewicht, und fielen rückwärts über die Schienen. Es wurde gebremst, aber die Kinder ſchienen verloren, trotz aller Mühe, den Zug ſchnell anzuhalten; er war nur noch zehn Fuß entfernt. Kinder noch im Momente

ganz ruhig auf der Pfeife, um ſie zu

des drohenden Todes hinweg. .(E. St.)

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Leſefrüchte aus deutſchen Schriftſtellern.

Ein Schwärmer ſein, iſt nicht ſchimpflicher, als ein hitziges Fieber haben; ein Enthuſtaſt ſein, iſt das Liebenswürdigſte, Edelſte und Beſte ſein, was ein Sterblicher ſein kann. Aber freilich, wer wird die froſtigen, lichtloſen, öden und leeren See⸗ len jemals dahin bringen, dies zu fühlen!

Ein Volk dem nicht verſtattet iſt, zu ſagen, was es denkt,

wird ſich bald gewöhnen, nur das zu denken, was es ſagen darf, und ſo wird die Kraft gelähmt, und die Lüge zur Natur.

daß die Druiden in Zeiten großer Noth Men⸗

ſie unter den Schutz der Tod⸗

der Lokomotivführer auf der Eiſen⸗ und Indianopolis bei Greensburg,

liefen ſie gerade

Da ſprang der Lokomotivführer herab und riß die

Wer nicht ſtets zulernt, der verlernt, ſo wie die Pflanze,

welche nicht mehr treibt, am Verdorren iſt.

Wer darf ſich ſelbſt oder irgend einem ſeiner Freunde nach⸗ rühmen, daß er in jeder Lage des Lebens, im Kleinen wie im Großen, in fremden wie in eigenen Geſchäften, immer und im⸗ mer ſtreng redlich gehandelt habe? Der Eigennutz i*ſt es ja nicht allein, der von der Bahn der Pflicht, freilich nur gemeine Seelen, ableitet. Menſchenfurcht, Verlegenheit, Mangel an Geiſtesgegenwart, ſogar Gefälligkeit eine ſonſt ſo liebens⸗ würdige Tugend beſtimmen bisweilen auch den Rechtſchaffen⸗ ſten, einen Nebenweg zu betreten, weil er hofft, er werde ſich dennoch nicht irren.

Die Welt verzeihet eher, wenn man laſterhaft, als wenn man lächerlich iſt, und es iſt eine fürchterliche Wabrheit faſt jeder Menſch gilt lieber für laſterhaft als für lächerlich, wenn er nur die Wahl zwiſchen beiden hat.

Man würde den für ſehr unbeſonnen halten, der ein Buch nach einem einzelnen Blatte beurtheilen wollte; aber einen Men⸗ ſchen nach einer einzelnen Handlung beurtheilen, iſt etwas ſehr gewöhnliches.

Haſt du Urſache, von Jemand zu glauben, er könne dir bös geworden ſein, und findeſt du ihn freundlich, oder gar noch freundlicher als freundlich dann ſchicke Vorſicht auf die Wache.

Viel Gutes bleibt lediglich darum am rechten Orte unge⸗ than, weil es nicht öffentlich genug gethan werden kann. Die Wohlthätigkeit der meiſten Menſchen liebt das Licht, wie der Dieb die Nacht.