Jahrgang 
1860
Seite
176
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Durch die Rettung von Goldbarren und ge⸗ münztem Golde, mehrere Millionen Thaler an Werth, aus dem Wrack des über 20 Fuß unter der Ober⸗

fläche des Meeres verſunkenen, geſcheiterten Poſt⸗ Charter iſt die öffentliche

dampfers Royal Aufmerk⸗

ſamkeit wieder mehr als ſonſt auf die Arbei⸗ tender Taucher gelenkt wor⸗ den, deren mühevoller Thätigkeit die⸗

ſer Gewinn ſo⸗

wohl wie das

Emporſchaffen

der ruſſiſchen

Schiffe vor

dem Hafenvon Sebaſtopol

und manches

andere bedeut

ſame Reſultat

zu danken iſt.

Es gehört ein

muthiges Herz

zum Erfüllen

des Berufes

cherhelm auf

dem Haupte,

der es überall

dicht um⸗

ſchließt und

vorn Fenſter

zum Aus⸗

ſchauen ent⸗

hält, und mit

einem Kork⸗

ringe umgür⸗ 8

tet, ſtürzen ſie⸗

ſich, beſchwe⸗

rende Gewichte

in jeder Fauſt,

in die Fluth, während eine

oben auf dem Boote, das ſie an Ort und Stelle führte, in Be⸗

wegung geſetzte Luftpumpe ihnen Luft durch einen 1 3* langen Schlauch zuführt, der mit dem Taucherhelme in Verbindung ſteht. Pfeilſchnell ſinken ſie zur Tiefe, die zu viel in den Helm gepumpter Luft gurgelt rings um ſie empor in Blaſen, die wie Blitze nach oben ſchießen. Das Tageslicht nimmt raſch beim Sinken . ab, die Fluth um ſie durchläuft, beſonders wenn heller Sonnenſchein auf dem Meere ruht, alle Töne

vom Hellblau durch Dunkelblau, Violet und Schillers purpurne Finſterniß bis zur tiefſten Dämmerung

eines Wintertages. In 40 bis 50 Fuß Tiefe iſt

8 es, wenn das Waſſer nicht außerordentlich klar iſt,

kaum mehr möglich zu ſehen. ders durch Kalkboden hat die enge greifbarer Finſterniß⸗ des.

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V Caucher in verſunkenen Schiffen.

In unklarem, beſon⸗ getrübtem milchigem Waſſer Umſchließung mit unermeßlichen Maſſen etwas entſetzlich Beängſtigen⸗ auf Sandboden geſunken, ſo wird es in den

Iſt das zu beſuchende Schiff

meiſtenFällen, wenn es nicht tiefgehende Strömungen umgelegt ha⸗ ben(die Wel⸗ lenbewegung geht nichttief), aufrecht ſte⸗ hen, und der Taucher kann im Halbdunkel die große Maſſe um⸗ ſchleichen und umfühlen. Das Brauſen der um ihn aufgurgelnden Luftblaſen verſchlingt je⸗ den Ton; ver⸗ ſchließt er aber den Schlauch einen Moment mit der Hand, ſo führt ihm das Waſſer, als guter Schallleiter, den leiſeſten Ton zu, und er hört das Scharren der Krabben im Sande und das Streichen der Fiſche, die Fülle von Fut⸗ ter witterndim Innern des ge⸗ ſcheiterten Schiffes. Jetzt ſteigt der Taucher durch die Luken in das Schiff. Hier und mühſam taſtet er ſich nach den Hauptkajüten, in denen die Schätze liegen, die er heben zoll. Aengſtlich muß er auf dieſem ſchauerlichen Pfade in dem waſſergefüllten großen nachtfinſtern Sarge da⸗ für Sorge tragen, daß der Schlauch, der ihm Luft oder zwiſchen ungeſehene ihm der

zuführt, ſich nicht verſchlingt Ecken klemmt. Geſchieht dies, ſo drückt ſich

Mangel an Luft im Augenblicke wie eine fürchter⸗ auf den Mund, und

liche, dicht anſchließende Hand er fühlt ſich in der That lebend begraben. Mag er dann auch in ſolchem Augenblicke, das unſchätzbare

i*ſt es völlig finſter,

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