Jahrgang 
1860
Seite
171
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ſondern griffen ſtumm nach ihren Gewehren, und waren im Augenblicke verſchwunden. V

Nun wandte ſich der alte Förſter an den herzog⸗ lichen Kammerkurier, vor welchen die Magd, auf einen Wink des Hausherrn, inzwiſchen einen friſchen Teller und kaltes Wildpret geſtellt hatte. V

Alſo dein Pferd iſt in einen Nagel getreten und hinkt? ſagte er.Gut, Freund Rittmann, da läßt ſich nichts dran ändern; deswegen wirſt du aber doch nicht müſſig hier oben liegen bleiben. Deine Aufgabe iſt vielmehr nach Honau hinabzuſpazieren, und nach meinem dortigen Fiſchwaſſer zu ſehen. Du ſtellſt ſofort den Forellenfang und ſchaffſt uns der Fiſche ſo viel, als du erwiſchen magſt. Zugleich übernimmſt du es auch, zum Schultheiß zu gehen und ihm zu ſagen, daß wir ſeiner und ſeiner Bauern morgen früh zum Treiben bedürftig ſind. Er ſoll überdies, Angeſichts dieſes, einen Reitenden nach Ober⸗ und Unterhauſen ſenden und die dortige Mannſchaft aufbieten, damit die Jagd eine rechte Ich ſelbſt werde nach Kohlſtetten, Gächingen und in die andern Alporte reiten, um die dortigen Bauern zu allarmiren, und habe alſo genug zu thun, wenn ich mit meinen Anordnungen bis gegen Abend fertig werden will. Verſtanden, Rittmann?

Der Kammerkurier nickte bejahend, ließ ſich aber im Geſchäfte des Frühſtücks nicht weiter ſtören.

Jetzt komm' ich an dich, Hans, fuhr der För ſter fort,denn auch dir ſoll dein Theil werden, und wahrlich nicht der leichteſte. In dem Briefe des Oberjägermeiſters hier ſteht, daß der Herr Fürſt Meinrad von Hohenzollern⸗Sigmaringen, der gegen⸗ wärtig in den Wäldern bei Gammertingen auf der Jagd begriffen, im Namen unſeres durchlauchtigſten Herzogs auf den morgenden Tag hieher mit ſeinem Gefolge einzuladen ſei. Dieſe Einladung nun wirſt du beſorgen, und als Legitimation erhältſt du die Inlage hier, die an den Freiherrn von Späth in Gammertingen, bei dem der Förſter ſich einquartirt hat, adreſſirt iſt. Der Weg iſt weit und beſchwer⸗ lich, aber du kennſt alle Gänge und Stege, und wenn du dich über die große Haide und durch die Wälder des Zwiefalter Reviers ſchlägſt, ſo vermagſt du Gammertingen doch ſo bald zu erreichen, daß man den Herrn Förſter noch rechtzeitig von der Her⸗ zoglichen Einladung benachrichtigen kann, auch wenn er nicht im Schloſſe anweſend wäre. Freilich eine Büchſe darfſt du nicht mitnehmen, ja nicht einmal einen Hirſchfänger oder ein Piſtol, und noch weniger einen Hund, denn ſonſt fangen ſie dich auf dem fremden Gebiete als einen Wildfrevler, und dann gäbe ich nicht einen Knopf für dein Leben. Du wirſt alſo einen ſchweren Standpunkt haben und mußt all' deine Klugheit, ſo wie umgekehrt all' deine Schnelligkeit aufbieten, damit du dem Zigeuner- und Wilderers⸗Geſindel, das ſich in den Gränzwaldungen der verſchiedenen Herrſchaften, die du zu paſſiren haſt, herumtreibt, nicht in die Hände fällſt.

Seid ohne Sorgen, Vater Anweil, erwiederte der junge Jägerburſche, der nun, da er wußte, wesum ihn der Förſter von der Begleitung der Agnes abgehalten habe, ganz munter wurde;ſeid gan hne Sorgen, ich will mir die Schufte ſchon Keibe halten, und mein Jagdmeſſer ſoll mir

erforderlichenfalls ſo gute Dienſte leiſten, als eine Kugelbüchſe thun könnte.

Nach dieſen Worten machte er ſich alſobald marſchfertig, und ehe zwei Minuten vergingen, war er ſchon im nahen Walde verſchwunden.

Ein ſo wackerer Burſche, als Einer, murmelte der Förſter, der ihm mit faſt demſelben wohlgefälli⸗ gen Blicke, wie der Agnes, nachſah.Ein überaus wackerer Burſche, wiederholte er,aber aber, wenn man nur wenigſtens auch Etwas von ſeiner Herkunft wüßte! Ich denke, ich lege dem Herzog morgen Nacht, wenn er nach dem Eſſen guter Laune iſt, den Fall vor, und vielleicht wird ſein Herz ge⸗

rührt, daß er dem armen Jungen einen Namen

ſchöpft und ihn zu meinem Nachfolger ernennt. Inzwiſchen war der Kammerkurier mit ſeinem Frühſtücke fertig geworden, und ſo ſtand kein Hin⸗ derniß mehr im Wege, daß ſie Beide ebenfalls ihrer Beſchäftigung für dieſen Tag nachgehen konnten.

Der Lakai ging zu Fuße nach Honau hinab, der

Förſter aber ritt durch den Wald Kohlſtetten zu,

um auch ſeinerſeits Alles in's Werk zu ſetzen, was

zur morgenden Jagd nothwendig war.

Mit dieſem Geſchäfte wurde er richtig bis gegen Abend fertig; ebenſo der Kammerkurier Rittmann, und zwar ohne daß dem Einen oder dem Andern irgend etwas Ungewöhnliches vorgekommen wäre. Ganz daſſelbe war auch mit den beiden älteren Jägerburſchen der Fall, welche zu rechter Zeit mit Beute beladen auf den Lichtenſtein zurückkehrten. Nicht ganz ſo verhielt es ſich jedoch mit der lieb lichen Agnes und mit dem jungen Hans, denn Jedes von ihnen hatte während ihres Tagwerks ein kleines Abenteuer zu beſtehen, das vom wichtigſten Einfluß auf dieſe Geſchichte war.

Folgen wir zuerſt der Tochter des Förſters, die ſich allein und zu Pferd nach Reutlingen zu begeben hatte, um dort die zur herzoglichen Tafel nöthigen Einkäufe zu machen. Der Weg dahin iſt faſt eben, wenn man einmal das Echazthal erreicht hat; allein um dieſes zu erreichen, muß man eine lange Steige paſſiren, die jetzt noch, trotzdem man ſie derNeu⸗ zeit angepaßt hat, ſteil genug iſt, um das Fahren darauf ziemlich gefährlich zu machen, damals aber faſt dachjäh vom Lichtenſtein hinabführte. Agnes war alſo abgeſtiegen und führte ihr Pferd am Zü⸗ gel. Bereits hatte ſie die Hälfte des Weges zurück⸗ gelegt, ohne daß ſie etwas Anderes geſehen hätte, als das luſtige Grün des Waldes, oder etwas An⸗ deres gehört, als den lieblichen Geſang ſeiner befie derten Bewohner. Doch plötzlich gewahrte ſie eine Rauchſäule, und gleich darauf ſchallte ihr lautes Glockengeläute entgegen.Das iſt eine Feuers⸗ brunſt, rief ſie erſchreckt, indem ſie im ſelben Mo mente ihr Pferl beſtieg und daſſelbe, ohne der furchtbaren Gefahr zu achten, im ſchnellſten Laufe den ſteilen Abhang hinabſpornte. Wie ſie unten ankam, wußte ſie ſelbſt nicht, aber in wenigen Minu⸗ ten hatte ſie den Thalweg erreicht, und nun lag das ſchreckliche Schauſpiel unmittelbar vor ihr. Es brannte in Oberhauſen, dem nächſten Dörfchen unter Honau, und deutlich genug ſah man die Feuerſäule gen Him⸗ mel emporſteigen, deutlich genug hörte man das Ge⸗ ſchrei der Bewohner des Ortes, die von allen Sei⸗ ten herbeiſtrömten, des Elementes Herr zu werden.

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