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„Großer Gott! ſie ſind unten,“ ſagte Brown, meinen Arm faſſend, als Etwas auf dem Dach raſſelte.
„Nein— es war nur ein Ziegel.“
„Was thun ſie? Sie kommen uns näher. Jourdan geht behutſam rückwärts und führt den Wahnſinnigen, den er am Bruſtlatz des Hemdes gefaßt hat. Noch immer ſind deſſen Hände drohend gegen ihn ausgeſtreckt. Sie erreichen die Fallthüre. Brown und ich ſteigen die Treppe herab, ihnen Platz zu machen. Da ſind ſie; wir faſſen den Wahnſinnigen an den Armen und bringen ihn zu Bett
„Jetzt ſchauen wir nach Jourdan um; er zieht ruhig ſeine Stiefel wieder an, und ſo kehren wir alle nach dem wundärzt⸗ lichen Zimmer zurück. Welchen Eindruck das kleine Abenteuer auf uns machte, kann ſich der Leſer ſelbſt vorſtellen. Des armen Jourdau's Geiſt iſt jetzt, hoffe ich, da, wo er einer deutlicheren Einſicht in jene gloen Wahrheiten ſich erfreut, denen er wäh⸗ rend ſeines kurzen, wohlthätigen Lebens ſo begeiſtert nachforſchte. Der Kranke, dem er das Leben rettete, litt blos an temporärer geiſtiger Aufregung und iſt jetzt ein kräftiger, nützlich thätiger Mann.„
Volksspiele.
a) Das Feſt Saban bei den kaſaniſchen Tataren. Das Wort Saban bedeutet in der tatariſchen Sprache einen Pflug, und darum wird das Feſt gewöhnlich zur Zeit des Be⸗ ginnens der Feldarbeiten gefeiert, manchmal etwas früher, manchmal etwas ſpäter, je nachdem die Witterung günſtig iſt. Wenn die Zeit des Saban herankommt, laufen auf den Straßen von Kaſan, namentlich in denjenigen Theilen, die den Tataren gehören, Leute herum, welche an Stöcke gebundene meiſt rothe Tücher ſchwenken und Saban! Saban! ſchreien. Der Ort, wo die Feſtlichkeit gewöhnlich vor ſich geht, liegt etwa eine ſtarke Stunde von der Stadt in einer ziemlich hübſchen, von kleinen Hügeln durchzogenen Gegend. Hieher ſtrömen, ſo lange der Saban dauert, zur Abendzeit die Tataren von Kaſan, andere kommen aus den umliegenden Dörfern, obwohl auch dort das Feſt gefeiert wird. Die Vergnügungen beſtehen im Ringen und Wettrennen. Der Ringkampf geht in folgender Weiſe vor ſich: zwei Ringer binden ihre Leibbinden um, faſſen ſich daran und einer ſucht den andern niederzuwerfen. Der Kreis der Neugie⸗ rigen, welche zu gleicher Zeit unparteiiſche Richter ſind, umringt ſie von allen Seiten und muntert ſie durch Zuruf auf. Ein lautes Gelächter der zahlreich verſammelten Zuſchauermenge be⸗ ſchämt den Beſiegten, Geld, ein Stück Nanking, ein Tuch u. ſ. w. wird dem Sieger zu Theil. Dieſe Preiſe werden zum voraus geſammelt und ſind manchmal ſehr bedeutend.— Die Schluß⸗ unterhaltung iſt das Rennen: einige junge Tataren, welche den Wettſtreit mitmachen wollen, ſtellen ſich in Reihen auf und rei⸗ ten dann von dem Orte des Spiels zwei Werſte oder noch wei⸗ ter weg, während deſſen auf einer langen Stange die Preis⸗ gegenſtände befeſtigt ſind: ein weißes Hemd von feinem Kattun, ein Stück Nanking, Halstücher u. ſ. w. Dieſe Dinge werden, wie man verſichert, von denen geliefert, welche in dieſem Jahre in die Ehe treten. Unter Geſchrei ſtürmen die rückkehrenden Reiter heran, es regnet Peitſchenhiebe auf die Pferde und das Geſchrei der Umſtehenden treibt dieſe Thiere noch mehr an. Da ſprengt der Vorderſte an's Ziel heran, hält raſch und gewandt das erhitzte Roß und wartet nun ſelbſtzufrieden auf die zurück⸗ gebliebenen Gefährten. Ihm fällt der reichſte Preis zu— das Hemd, dem zweiten— das Stück Nanking u. ſ. w.
Trotz all des Lärmes bei dieſen Vergnügungen kommt doch kein Zank und Streit vor, obwohl die Anhänger des Korans jetzt öfter das Gebot des Propheten übertreten. Die Weiber nehmen keinen näheren Antheil an dieſen Vergnügungen, ſondern halten ſich etwas in der Ferne und blicken ſcheu aus den Zel⸗ ten heraus, in denen man nicht ſelten den Theekeſſel kochen ſieht, das unerläßliche Geräthe faſt jeden tatariſchen Hauſes.— Außer dem Ringen und Rennen wurde ſonſt noch ein anderes Spiel geſpielt, das jetzt faſt völlig aufgegeben iſt: vier oder ſünf Tataren legen ſich hart neben einander gedrängt mit dem Bauch auf den Boden, worauf man ſie mit einem Fell zudeckt. Ein anderer, der Anführer im Spiel, muß die auf dem Boden Lie⸗ genden gegen den Angriff der übrigen ſchützen, welche von allen Seiten herankommen und die Daliegenden mit dem Plumpſack zu ſchlagen ſuchen. Der Anführer ſeinerſeits ſucht irgend einen der Angreifenden mit dem Fuße zu ſtoßen, was nicht ſehr leicht iſt, weil er durch einen Strick, den die liegenden Tataren halten, gebunden iſt, und ſomit die Angreifenden nicht ſehr weit verfol⸗ gen kann. So wie ein glücklicher Schlag erfolgt iſt, wechſelt
die Partie, und die, welche am Boden lagen, übernehmen uun die Rolle der Angreifer.
b) Das Kuk⸗bari⸗Spiel bei den Turkomanen. Zu dieſem barbariſchen Spiel vereinigen ſich hundert oder mehr Rei⸗ ter, und einer von ihnen wird abgeſchickt, um ein Lamm aus der Heerde desjenigen zu holen, deſſen Gäſte ſie gerade ſind. Dieſer Bote ſchneidet nach Vollziehung des Auftrags dem Lamm die Kehle ab, faßt es dann mit der rechten Hand feſt an den zwei Hinterbeinen und eilt zur Geſellſchaft zurück. Sobald dieſe ihn in der Ferne kommen ſieht, eilt ihm alles entgegen und ſucht ihm das geſchlachtete Thier zu entreißen. Wenu irgend einer das ſeltene Glück hat, das ganze Thier oder auch nur ein Stück davon an ſich zu reißen, ſo wendet er ſeinerſeits um und wird von den Gefährten verfolgt, um einen Theil an der Beute zu gewinnen. Das Spiel dauert ſo lange, bis es einem gelingt ein bedeutendes Stück des getödteten Thieres nach Hauſe zu bringen und ſich dadurch vor weiterer Verfolgung zu ſchützen. Das Spiel regt dermaßen auf, daß nicht ſelten Mord⸗ thaten dabei begangen werden, und die Sitte, welche in dieſem Fall Geſetzeskraft erlangt hat, verbietet den Verwandten des Ermordeten, den Tod deſſelben an dem Morder zu rächen, wenn es bewieſen werden kann, daß der Mord bei dem Kuk⸗bari⸗Spiel begangen wurde.
Wheatſtone's verbeſſerter Telegraph iſt ſeit einigen Mona⸗ ten zu London im Hauſe der Lords und in den Londoner Docks zur Anwendung gebracht. Der Kaiſer von Frankreich hat zwei ſolcher Apparate beſtellt, und zwar von ſolchen Dimenſionen, daß er im activen Dienſt und auf langen Reiſen gleich brauch⸗ bar wäre. Damit verſehen, könnte er z. B. Botſchaften von der Front einer Armee bis zum Nachtrab auf eine Strecke von fünfzig engliſchen Meilen verſenden.
Aus New⸗York erfahren wir, daß wenn auch der Erikſon in großem Maßſtabe den Erwartungen nicht entſprocheh hat, die air-engine oder Luftmaſchine doch im Kleinen höchſt befrie⸗ digende Erfolge gewährt. Bis zu fünf Pferdekraft iſt ſie ſo wirkſam als Dampf und koſtet nicht ein Zehntel davon. Wir wollen ſehen, ob die Erikſon'ſche Maſchine jede andere, um uns der amerikaniſchen Phraſeologie zu bedienen, aus dem Felde ſchlagen wird, verſteht ſich, ſo lange nicht von mehr als fünf Pferdekraft die Rede iſt.
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Teſefrüchte aus deutſchen Schriflſlellern.
unter allen Gunſtbezeigungen ſcheint die Natur den Ver⸗ ſtand am gerechteſten vertheilt zu haben, denn es gibt Niemand, der nicht mit ſeinem Theile zufrieden wäre.
Je tiefer ein Menſch fühlt, je weniger findet er Andere, an die er ſich anſchließen, denen er ſein Herz aufdecken kann. Er, der ſo gern die Arme ausbreiten, und alle Welt liebevoll um⸗ ſchlingen möchte, ſteht faſt immer vereinſamt, in ſich ſelbſt ver⸗ ſchloſſen, ach, und fühlt dieß ſo ſchmerzlich!
Sehr behutſam ſei ſtets der Menſch, wenn er eigenen Werth mit dem Werthe Anderer vergleicht; denn auf jeden Einzelnen, den er zu übertreffen glaubt, kann er ſicher Hundert rechnen, von denen er übertroffen wird.
Es iſt ſehr ſchwer, Wahrheiten, welche der Genius in plötz⸗ licher Erleuchtung empfing, mit ruhiger und methodiſcher Ver⸗ nunft zu beleuchten.
Man macht ſich das Leben immer ſchwerer, je weniger man es Andern erleichtert!
Die dümmſten Streiche begehen die Menſchen in ihren Häu⸗ ſern; außer dem Hauſe iſt jeder noch ein leidlicher Narr.
Es iſt für Leute von niedriger Denkungsart der größte Triumph, Jemand, den ſie ſeiner Vorzüge wegen nicht leiden können, wegen irgend eines Verſtoßes lächerlich zu machen.
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