Gleich nach der Schlacht bei Waterloo zeigte Scott die größte Luſt, den Kontinent zu beſuchen und die Felder zu bereiſen, wo ſein Lieblingsheld Wellington ſich neue Lorbeeren erkämpft hatte. Mit drei jungen Männern, ſeinem Vetter John Scott von Gala, Alexander Pringle von Withbank und Robert Bruce, i Rechtsgelehrten, verließ er Edin⸗ burg am 27. 1815. Noch vor ſeiner Abreiſe hatte er den Plan zu den gleich darauf erſchienenen Paul's Letters to his Kinsfolks entworfen und mit ſeinem Freunde Ballantyne darüber abgeſchloſſen. Dieſe Briefe ſind, wie wir jetzt erfahren, wirklich auf der Reiſe an ſeinen Bruder John Scott, Major auf halbem Sold, ſeine Tante Rutherford, Lord Somerville und den Prediger Douglas geſchrieben und nachher nur für den Druck durchgeſehen worden. Einer von denſelben iſt an Scott's edeln Gönner, den Herzog von Buccleugh, gerichtet und enthält unter Anderem Folgendes:„Am letzten Freitage ritt ich über das Schlachtfeld von Waterloo, das nun für immer der Unſterblichkeit geweiht iſt. Die ſchrecklichſten Zeichen des Gemetzels waren freilich entfernt, Menſchen ſowohl als Pferde verbrannt oder begraben, aber der ganze Boden war noch von Ka⸗ nonen⸗ und Kartätſchenkugeln aufgewühlt und mit Patronen, alten Hüten, Schuhen und anderen Ueber⸗ bleibſeln der Schlacht bedeckt, welche die Landleute noch nicht hatten wegſchaffen können. Dieſe haben in Waterloo und den umliegenden Dörfern einen ordentlichen Handel mit Küraſſen, Helmen, Schwer⸗ tern, Karabinern, Adlern von der Kaiſerlichen Garde und ähnlichen Dingen angefangen, von denen ich denn auch zwei ſchöne Küraſſe an mich gebracht, und hoffe ich, ſie glücklich nach Abbotsford zu bringen, wozu mir Major Pryſe Gordon(Scott's Begleiter auf dem Schlachtfelde) ſeine Hülfe zugeſagt hat. Für Ew. Herrlichkeit bringe ich eines von den klei⸗ nen Memorandum⸗Büchern mit, das ich auf dem Schlachtfelde gefunden habe und in welches jeder franzöſiſche Soldat ſeine Ausgaben und Einnahmen, die Zahl ſeiner Dienſtjahre und ſogar die erlittenen Strafen eintragen mußte. Das Feld war ganz be⸗ ſäet mit ſolchen Reliquien, unter denen ich auch eine handſchriftliche hübſche Sammlung von franzöſiſchen Liedern entdeckte, did vermuthlich das Werk eines jungen Offiziers ſind, und ein Kreuz der Ehren⸗ legion. Unter einem anderen Couvert ſende ich eine Skizze der Schlacht, die ich in Brüſſel entworfen habe, und die zwar nicht ganz genau, aber doch hin⸗ reichend iſt, eine gute Ueberſicht vom Schlachtfelde zu geben.“
Was nun Walter Scott über die Schlacht ſelbſt ſagt, übergehen wir um ſo eher, als darüber ſchon ſo viel Gediegenes geſchrieben und geleſen wurde. Walter Scott weiß übrigens nur von der Tapferkeit der Engländer, Hannoveraner und Braunſchweiger zu ſprechen(von den Belgiern ſagt er wenig Rühm⸗ liches), aber auch ſelbſt wenn die Armee ganz aus
Briten beſtanden hätte, würde ſie das Schickſal des Tages nicht entſchieden haben, wie Scott meint. Denn nach dem Geſtändniß des eigenen Oberfeldherrn
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Walter Scotft in Paris.
waren die Engländer nahe daran, beſiegt zu werden, wenn nicht das preußiſche Heer rettend erſchienen wäre.
Auf der weiteren Reiſe bemerkt Scott, daß man Frankreich eigentlich nur im Zuſtande des Friedens ſehen müßte. Denn die eng blokirten Feſtungen, die zerſtörten und abgedeckten Häuſer, ohne Thür und Fenſter, die Spuren von Kugeln in Städten, wie in Cambrai und Perronne, die finſteren Blicke
der Männer und das Klagegeſchrei der Weiber—
alles dies gibt eben kein erfreuliches Bild.„Die Höflichkeit und die gute Laune dieſes Volkes,“ ſchreibt er,„ſind mit der Demüthigung ihres Stol⸗ zes aus dem Lande geflohen, und man blickte uns ſo an, als ob wir gekommen wären, um über ſie zu lachen oder uns des Triumphs unſerer Waffen über ſie zu erfreuen. Heute früh begegneten wir einer großen Anzahl der aus der Feſtung Condé entlaſſenen Garniſon, die finſterſten Gurgelabſchnei⸗ der(cut-throat), die ich in meinem Leben ſah und die die größte Luſt hatten, ſich recht inſolent zu be⸗ tragen, wenn ſie nicht gewußt hätten, daß alle Städte und Dörfer ringsum voll alliirter Truppen wären. So begnügten ſie ſich denn laut, ihr vive le roi in ſehr ironiſchem Tone zu rufen, zwiſchen den Lippen aber ihre Sacre B—, mille diables und andere Schönheiten der franzöſiſchen Beredſamkeit hervor⸗ zupreſſen.“ An der Zerſtörung der Gegend, an den Erpreſſungen und Contributionen ſind die Englän⸗ der nach Scott's Berichten durchaus unſchuldig, ſie bezahlen gut und leben in einer gar regelmäßigen, ordentlichen Weiſe. Dagegen kommen unſere preußi⸗ ſchen Landsleute nicht gut weg. Scott thut uns
übrigens die Ehre an, uns, trotz dieſer Ungebühr⸗
niſſe, für gutmüthige, nicht blutdürſtige Leute zu er⸗ klären, die höchſtens einmal mit dem flachen Säbel fuchtelten, ſonſt aber gegen die Frauen eine außer⸗ ordentliche Höflichkeit bewieſen und in beiderlei Be⸗ ziehung ſich weit beſſer betrugen, als die Franzoſen ſich in Preußen betragen hätten. Freilich weiß auch unſere Kriegsgeſchichte nichts von ſolchen Ausſchwei⸗ fungen, wie ſie engliſche Truppen in Badajoz und San Sebaſtian begangen haben.
In Paris fand Scott nun viele Engländer.
„Die jungen Leute,“ ſagte er,„bilden ſich etwas darauf ein, den Herzog von Wellington in der Kalt⸗ blütigkeit ſeines Charakters und in dem Sichgehen⸗ laſſen nachzuahmen, wandern in den Gaſſen umher, die Hand in den Taſchen ihrer langen Weſten, oder reiten im leichten Galopp auf Koſaken⸗Pferden, trot⸗ tiren durch die Straßen, pfeifend und ſich umſehend, als ob ganz Paris ihr eigen ſei. Die Franzoſen haſſen ſie außerordentlich wegen dieſes Hochmuthes und wegen ihrer Anmaßungen, aber der eigentliche Grund ihres Mißbehagens über uns liegt doch in der Geringſchätzung, die ihnensgegenwärtig die an⸗ deren Mächte beweiſen.“ A
In demſelben Briefe erzählt er Folgendes: „Heute früh(6. September 1815) ſah ich ein großes militäriſches Schauſpiel. Ungefähr 20,000 Mann Ruſſen wurden von den Monarchen und allen den
Herrſchaften, die ſich jetzt in Paris befinden, ge⸗
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