Jahrgang 
1860
Seite
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ich eine Bewegung machte, die Schlange auf mich ſtürzte. Ich ſtreckte jedoch ſehr langſam Arm und Hand nach der Aſſagaie aus, bekam endlich, ein wenig vorwärts gebeugt, den Griff in die Hand. Wie ich ſo that, ſchnellte die Schlange, die während meiner Bewegungen ſich allmälig aufgerollt hatte,

los. Ich ſprang bei Seite und ſtreckte meine breit⸗

klingige Aſſagaie, welche die Schärfe eines Raſir⸗ meſſers hatte, aus; aber die Schlange bewegte ſich wie der Blitz, hielt, wiewohl ſie mich verfehlt hatte,

ſogleich wieder an und machte einen neuen Sprung. Ehe ich ihr einen Schnitt beibringen konnte, faßten

ihre Zähne meine Lederhoſen; damit bekam ſie einen feſten Halt; mit einem Ruck, ſo plötzlich wie ihr Stoß, riß ſie mir die Füße vor und brachte mich

auf den Boden; ein dicker Ring ihres Körpers wälzte ſich über ihren Kopf, fiel mir auf die Beine und

drückte ſie zur Erde, als ob ein beladener Wagen darauf läge. Dies geſchah Alles in ſehr kurzer Zeit; aber

ich war auch nicht müſſig, denn ich wußte, daß, wenn es ihr gelang, meine Bruſt oder meinen Arm

hinunter zu bringen, es mit mir aus war.

Nun war das Gefühl, das zuerſt mich ange⸗ wandelt hatte, gewiß nichts weniger als angenehm, weil ich keine Waffe beſaß; ſobald ich aber die Aſſa⸗ gaie in meiner Fauſt wußte, ſtand Alles gut; und als mich die Schlange wirklich angriff, kam es mir als eine Art Unverſchämtheit von ihrer Seite vor, denn ich hatte nie erwartet, daß die Affaire ſich ſo gefährlich machen würde, als es wirklich geſchah. Dergleichen Dinge nehmen immer einige Zeit zum Erzählen weg, dauern aber in der Wirklichkeit nicht ſo lang, und ein Kampf auf Leben und Tod iſt oft in einer halben Minute entſchieden. So ging es hier. Im Augenblick, da der Körper der Schlange auf meine Beine zu liegen kam, drehte ich mich herum und ſchlitzte ſie mit der Aſſagaie auf. Ich verſetzte ihr zwei ſchreckliche Schnitte, und das Un⸗ geheuer ließ meine Lederhoſen fahren und ſprang mir in's Geſicht. Ich hob inſtinktmäßig meinen Arm, um mich zu decken, ſonſt wäre ich gebiſſen worden; aber ich wurde der Länge nach niederge⸗ ſchlagen und das Ungeheuer lag wieder auf mir; aber dießmal packte ich es am Hals, und hatte in einem Augenblick mit der Aſſagaie ihm den Kopf beinahe rings herum abgeſchnitten. Ich krabbelte von der Schlange weg, die ſich jetzt in Todes⸗ zuckungen wand, und ſchlüpfte aus der Hütte. Jetzt begann ich zu unterſuchen, wie es mir bei dem Kampf ergangen war. Zu meinem Erſtaunen fand ich, daß ein paar tiefe Schrammen am Knöchel und ein Biß am Handgelenke, beides von nicht ſehr großer Bedeutung, alle Wunden waren, die ich da⸗ von getragen hatte. Indeſſen ſpürte ich noch einige Tage großen Schmerz in den Beinen, da wo die Schlange gelegen war.

Ich denke nicht, daß ich davongekommen wäre, dieß zu erzählen, hätte ich nicht die Aſſagaie gefun⸗ den, da die Boa zwar auf freiem Felde zu einem Angriff wenig geneigt iſt, aber in einer kreisförmi⸗ gen Hütte von nur acht Fuß im Durchmeſſer einge⸗

ſlaſfen⸗ ſich ohne Bedenken zum Kampfe fertig macht.

Wir ſchafften die Schlange aus der Hütte, als

mein Hottentotte ankam, und fanden, daß ſie acht⸗ undzwanzig Fuß in der Länge, und am dickſten Theil beinahe einen Fuß im Durchmeſſer hatte. Der Hot⸗ tentotte behauptete, es müßte dieſelbe ſein, die er geſehen hatte, da die Kennzeichen ſich als dieſelben erwieſen. Es war offenbar, daß die Fluthen die Schlange aus ihrem gewöhnlichen Verſteck im Schilf vertrieben hatten, und da das Thier auf eine warme Hütte ſtieß, worin Teppiche und Ueberreſte von Feuer ſich befanden, hatte es ohne Umſtände davon Beſitz genommen, und war ohne Zweifel durch mein plötz⸗ liches Eindringen zum Zorn gereizt worden. Doch wünſche ich nie mehr einen ähnlichen Kampf zu haben, denn hegte ich auch wegen des Ausgangs keine Beſorgniſſe, ſind doch die Gedanken, die nach⸗ her ſich aufdringen, nicht ſehr angenehm. Der Menſch hat einen inſtinktartigen Abſcheu vor Schlangen, und wenn ich noch manche Nacht ſpäter träumte, war es gewöhnlich von einer Schlange oder einem andern ſchrecklichen Reptil, das mich gepackt hatte.

Oh! ſagte ein Anderer,dergleichen Kämpfe ſind nicht angenehm; aber Euer Fall wäre noch ſchlimmer geweſen, hättet Ihr von einer vier Fuß langen Cobra, anſtatt von einer achtundzwanzig Fuß langen Boa Conſtrictor einen Beſuch erhalten. Nicht die größten Creaturen ſind immer die gefährlichſten. Gerade ſo iſt es auch mit den Menſchen. Jan dort, der ſeinen Brandywyn ſo ruhig trinkt, iſt gefähr⸗ licher als Karl neben ihm, obwohl Jan klein, und Karl ſehr groß iſt.

Bei dieſem Ausfall zieht Jan, ein kleiner, com⸗ pakter, dunkeläugiger Holländer mit langem ſchwar⸗ zen Bart und ſcharfen, blinzelnden Augen, die Auf⸗ merkſamkeit der Geſellſchaft auf ſich. Jan iſt ein berühmter Jäger, vor dem Kaffern und Buſchmänner, Elephanten, Löwen ndere wilde Thiere, zu Bo⸗ den ſinkend, ih

gelaſſen haben, und manche

wunderbare Geſchichte läßt ſich davon erzählen. Drei⸗

ßig Jahre eines Wüſtenlebens ſind nicht ohne die

mannigfaltigſten Ereigniſſe und haarbreite Rettungen aus Todesgefahr vorübergegangen, welche den Be⸗

wohnern civiliſirter Länder wunderbar erſcheinen, aber keineswegs ungewöhnlich unter den Coloniſten Südafrika's ſind, wo die wilde Natur des Menſchen

allzu häufig jeder Controle entbehrt und der ſtarke⸗

Arm und der fertige Speer einen Mann unter ſei⸗

nen Nachbarn vom niedrigſten zum höchſten Rang erhebt.

Die holländiſchen Bauern ſind die Pioneers der Civiliſation in jenem Lande geweſen, und haben oft mit wilden Zwei⸗ und Vierfüßlern zu kämpfen ge⸗ habt, ehe ſie auf dem von ihnen erkauften Lande feſten Fuß faſſen konnten. Man muß geſtehen, daß jene Männer zu ihrem Werk nicht untauglich waren; hart und kühn, hielten ſie nicht auf Kleinigkeiten; ob die Widerſacher Löwen oder Wilde waren, das machte nicht viel aus die erſten wurden erſchla⸗ gen als wilde Beſtien, deren man ſich entledigen mußte; die zweiten wurden erſchoſſen in der Selbſt⸗ vertheidigung r Warnung für Andere, oder zur Ehre Gott frühern Tagen hatten die Wilden keinen großen Reſpekt vor Verträgen, und liebten die Muſik, welche von einer Aſſagaie gemacht wiude⸗ wenn ſie einem Weißen durch die Rippen rang.