Jahrgang 
1860
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daß dieſes in der That geſchehen ſein muß, wage kein Anderer, als ich ſelber. Ein halbes Jahr vor⸗ ich nicht zu läugnen, vielmehr muß ich daran glau⸗ her war ich in einem ähnlichen ſonderbaren Zuſtande ben. Vernehmt meine Gründe hiefür. mitten in der Nacht in die Kirche hineingegangen Drei oder vier Mal vorher in meinem Leben und hatte daſelbſt ein Taſchentuch geholt, das ich, iſt es mir begegnet, daß ich wiſſentlich als Nacht⸗ wie ich mich beſann, den Abend vorher in meinem wandler gegangen bin. Das letzte Mal es- Stande hinter dem Altar hatte liegen laſſen. Seht gen wohl neun bis zehn Jahre her ſein ſollte nun, mein Lieber, als heute die beiden Zeugen vor ich den nächſtfolgenden Tag eine Leichenpredigt für Gericht ihre Erklärung abgaben, kam mir plötzlich einen Mann halten, der auf eine plöͤtzliche und jam⸗ mein Nachtwandeln in den Sinn; ich erinnerte mich mervolle Art um's Leben gekommen war. Ich war nicht allein, wie mein Gemüth an jenem Unglücks⸗ um einen Text verlegen, als mir die Worte des tage und mehreren darauffolgenden nicht blos wegen griechiſchen Weiſen Solon einfielen:Preiſe Nie⸗ des Verſchwindens des Todten ſehr unruhig geweſen, manden glücklich, ehe er geſtorben iſt. Indeſſen ſondern auch, daß ich am Morgen nach der Nacht, ging es nicht wohl an, die Sentenz eines Heiden in welcher, wie behauptet wird, die Leiche vergraben zum Texte einer chriſtlichen Predigt zu wählen; doch worden iſt, mich ſelber gewundert habe, meinen wollte es mich bedünken, daß derſelbe Gedanke mit Schlafrock auf dem Boden innerhalb der Thüre lie⸗ ungefähr den nämlichen Worten ſich auch irgendwo gen zu ſehen, da ich denſelben doch jeden Abend in der heiligen Schrift befinden müſſe. Ich ſuchte über einen Stuhl vor meinem Bette zu werfen ge⸗ und ſuchte, konnte aber die Stelle nicht auffinden. wohnt war, was bis auf jenen Augenblick meinem Es war ſpät, und ich von anderer Arbeit ſehr er⸗ Gedächtniſſe wieder entfallen war. Das unglückliche müdet; ſo ging ich denn zu Bette und ſchlief bald Opfer meines unbändigen Jähzorns muß im Walde darauf ein. todt umgefallen, und nach Gottes ewigem Rath⸗ ſchluſſe dieſe ungewöhnliche Eigenſchaft meines Lei⸗ bes und meiner Seele zu einem Werkzeuge geworden ſein, mich meiner, mir nicht einmal ſelbſt völlig be⸗ kannten Schuld vor den Augen der Welt zu über⸗ weiſen. In meinem traumähnlichen Zuſtande werde ich ſeine Leiche geſehen haben und getrieben worden ſein, ſie dort zu ſuchen, und in der Angſt, die dem Wachenden erſpart wurde, da zu vergraben, wo meine Schuld mir erſt offenbar wurde. Ja, Gott ſei mir Ff gnädig, es iſt, es muß ſo ſein! ¹ Hiemit ſchwieg er, hielt die Hände vor die Augen und weinte bittere Thränen. Der Richter aber war auf das Höchſte beſtürzt und in ſeiner Seele unge⸗ wiß. Er war früher, von dem Augenblicke an, wo

daß der Ermordete auf der Stelle geſtorben, und da, wo er gefallen, begraben worden ſei, obgleich es ihm ſonderbar däuchte, daß der Prediger noch am hellen Tage dieſe Arbeit vollführt haben ſollte, ohne von Jemanden bemerkt zu werden, ſowie auch, daß er die volle Geiſtesgegenwart dazu gehabt habe.

dazu gezwungen haben; er wird in der Eile die 1 ceiiche nur locker bedeckt und ſie ſpäter, in der Nacht, Als ich am folgenden Morgen erwachte, auf⸗ erſt eigentlich vergraben haben. Nun ſagten aber

ſtand und mich an meinen Schreibtiſch hinſetzte, er⸗ die zwei letzten Zeugen aus, daß ſie ihn einen Sack

blickte ich zu meiner großen Verwunderung ein Blatt aus dem Walde tragen geſehen hätten: das war

Papier vor mir auf meinem Tiſche, worauf mit dem Richter glei 5 auffallend, und flüchti großen Buchſtaben geſchrieben ſtand:Darum den liche herhande ci zuff ob dieſes Fch ſollſt du Niemand rühmen vor ſeinem Ende, nicht im Widerſpruche mit den vorhergehenden ſtehen Sirach 11, 29. Allein nicht blos dieſes, ſondern und dadurch Veranlaſſung geben könnte, daß die eine ganze Leichenpredigt, die, obgleich kurz, doch Unſchuld des Mannes endlich aufgeklärt würde. Aber, eben ſo fleißig, wie irgend eine andere, ausgearbei⸗ ach! nun ſtimmte das Ganze, leider, nur gar zu gut tet war, lag vor mir. Im Zimmer war kein Menſch überein, und die Schuld des Pfarrers litt keinen geweſen; denn weil das Schloß abgenutzt war, hatte Zweifel mehr. Blos die ſonderbare Wendung, welche ich innen einen Riegel vor die Thüre geſchoben, derſelbe der Sache gab, nahm den Richter Wunder. damit ein zufälliger Wind, wenn ein ſolcher ſich Daß jener die That nach ihrem vollen Umfange draußen erhöbe, ſie nicht aufſtoßen möge; durch das wirklich begangen habe, war unläugbar; ob aber die Fenſter konnte eben ſo wenig Jemand hereingekom⸗ letztere, unweſentliche Hälfte derſelben im wachen men ſein, denn es war Winter, und der Fenſter⸗ oder im ſchlafenden Zuſtande ausgeführt wor rahmen feſt an die Pfoſten gefroren; außerdem blieb das einzige Ungewiſſe. Die Ausſage ſchien Alles mit meiner eigenen Hand geſchrieben. Pfarrers vom Anfange bis zum Ende, ſein gan: Nun wußte ich ja, wer die Predigt geſchrieben Benehmen, trug das Gepräge der Wahrheit, ja, d

die Leiche aufgefunden wurde, der Meinung geweſen,

Doch, dachte er dann wieder, die Noth mag ihn

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