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als der Probierſtein ſowohl körperlicher, als geiſtiger Kraft und Schwäche? Derjenige, welcher die Folter auszuhalten vermag, und derjenige, welcher der⸗ ſelben unterliegt: Beide können lügen; ein abge— preßtes Geſtändniß kann nie zuverläſſige Wahrheit ſein.
So hatte denn Erik Söfrenſen als Richter über den Mann, mit welchem er demnächſt durch die ſüßeſten Bande auf das Engeſte verknüpft werden ſollte, einen harten Stand. Als er eben in der Einſamkeit, das Entſetzliche, das ſeinem Urtheil an⸗ heimgegeben war, erwägend, tiefſinnig daſaß, ſprang die Thüre auf und herein ſtürzte— Metta, die Tochter des Pfarrers— ach! Söfrenſen durfte ſie ja nicht mehr Braut nennen, ſie, die vielleicht nie ſeine Gattin werden konnte— mit fliegenden Haa⸗ ren und erloſchenem Blicke, und warf ſich, ſeine Kniee umfaſſend, ihm zu Füßen. Erik ſchloß die Geliebte in ſeine Arme und ſie weinten eine gute Weile mit einander, bevor Eines von ihnen ein Wort hervor⸗ bringen konnte.
Der Amtsvogt wurde zuerſt Herr ſeiner großen Betrübniß und flüſterte:„ich weiß, theuerſte Metta, was du begehrſt, daß ich deinen Vater rette; nicht wahr, mein Herz? Ach! Gott ſei uns armen Men⸗ ſchenkindern gnädig— ich kann, ich darf ja nicht! Sage mir, glaubſt du ſelbſt wirklich an die Unſchuld deines Vaters, gegen den Alles zeugt?“
Metta legte die Hand auf die beklommene Bruſt und entgegnete:„Ich weiß es nicht!“— und dabei fing ſie an bitterlich zu weinen.„Ihn vergraben,“ ſagte ſie dann weiter,„das wird er doch wohl ſchwerlich gethan haben; allein daß der Burſche dort im Walde von den erhaltenen Schlägen geſtorben ſein mag, das halte ich ſelbſt nicht für unwahrſchein⸗ lich. Gott weiß es.“
„Liebes Kind,“ wandte der Richter ein,„Jens Lorſen hat ihn ja in jener Nacht im Garten, und die Magd auf der Diele des Hauſes geſehen.“
Metta ſchüttelte langſam mit dem Kopfe.„Der Böſe mag ihnen die Augen verblendet haben,“ meinte ſie.
„Das verhüte Gott!“ gab ihr Söfrenſen zur Antwort,„daß er ſolche Gewalt über getaufte Chri⸗ ſten haben möge!“
Das Mädchen weinte auf's Neue.„Sage mir offenherzig, mein Lieber,“ fragte ſie nach einigem Stillſchweigen,„welches Urtheil du über meinen Vater ſprechen willſt, im Falle Gott uns keine wei⸗ tere Aufklärung in dieſer Sache zukommen laſſen wird?“ Sie ſah bei dieſer Frage den Richter ängſt⸗ lich an und ihre Lippen bebten.
„Wenn ich nicht feſt glaubte,“ entgegnete dieſer, daß jeder Andere noch ſtrenger, als ich, verfahren würde, ſo möchte ich am liebſten meinem Richter⸗ amte entſagen, ja, es mit Freuden ganz niederlegen. Allein, weil du mich fragſt, ſo darf ich es dir nicht verhehlen: das gelindeſte Urtheil, das unſere Geſetze ſchon im Voraus ausgeſprochen haben, heißt: Leben um Leben.“
MMNeettta ſank in die Kniee, doch faſt in demſelben Augenblicke erhob ſie ſich wieder, machte einige Schritte rückwärts und rief mit wildem Blicke: „Willſt du denn den Vatex tödten? Willſt du deine Braut ermorden? Siehſt M den da?«— Sie trat
hart vor Erik hin und hielt ihm die Hand mit dem Verlobungsringe unter die Augen.„Siehſt du die⸗
ſen Ring? Was ſprach der unglückliche Vater, als
du ihn an meinen Finger ſteckteſt?„Ich lege mein Mädchen an deinen Buſen,“ ſagte er; aber du, du durchbohrſt mir den Buſen!“
Jedes Wort, das Metta ſprach, durchbohrte des Richters Herz.„Süßeſtes Kind,“ ſagte er,„ſprich doch nicht ſo. Du faſſeſt mein Herz mit glühenden Zangen. Was willſt du, daß ich thun ſoll? Den⸗ jenigen freiſprechen, den das Geſetz Gottes und der Menſchen verurtheilt?“
Schweigend erhob ſie die Augen gen Himmel.
„Eines will ich thun,“ fuhr Söfrenſen fort,„iſt es auch Unrecht, ſo wird der Herr mir die Sünde nicht zurechnen. Höre, liebſtes Kind! Kommt die Sache zum Urtheil, dann iſt des Vaters Leben ver⸗ wirkt. Ich ſehe keine Rettung, als nur in der Flucht. Kannſt du Rath dazu ſchaffen, dann will ich die Augen zudrücken und ſchweigen. Siehſt du, ich habe gleich nach der Verhaftung des Vaters an deinen Bruder nach Kiel geſchrieben; wir können ihn jeden Tag erwarten. Redet dann zuſammen und ſucht Euch den Gefängnißwärter zum Freunde zu machen. Fehlt es Euch an Geld, ſo verfüget über Alles, was ich beſitze und vermag.“
Als der Richter dieſes geſagt hatte, wurde Met⸗ ta's ganzes Antlitz glühend vor Freude; ſie fiel dem Geliebten um den Hals und rief:„Für den Rath gebe dir der Himmel den Lohn! Wäre nur ſchon der Bruder hier, da würde wohl Rath werden. Aber wohin entfliehen? und, finden wir auch eine Freiſtätte in fremden Landen, ſo werde ich dich doch niemals wieder ſehen.“ voll, daß Söfrenſen's Herz dem Brechen ahr war.
„Innig geliebtes Herz,“ rief er,„ich werde Euch
Dieß ſprach ſie ſo jammer⸗
finden, wo Ihr auch hinziehet, und ſollte unſer Ver⸗
mögen zu unſerem Unterhalte nicht hinreichen, ſo ſollen dieſe Hände für uns Alle arbeiten. Ich habe
in meiner Jugend Beil und Hobel handhaben gé⸗
lernt.“
Jetzt wurde Metta wieder auf's Neue ſeelen⸗ froh und küßte den Bräutigam unzählige Male. Beide flehten aus ganzem Herzen zu Gott, ihr Vor⸗ haben gelingen zu laſſen, und mit frohen Hoffnungen ſchieden ſie von einander. Aber kaum hatte ſich das Mädchen entfernt, als tauſend Zweifel ſich von Neuem in des Richters Gemüthe regten, und jede Schwierigkeit, die ihm kurz vorher leicht zu über⸗ winden geſchienen hatte, kam ihm nun als ein hohes Gebirge vor, das ſeine ſchwache Hand nicht zu ver⸗ ſetzen vermochte. Es war ihm jetzt klar, daß nur Der, dem die ſchwarze Nacht hell wie der Tag iſt, den Ausgang aus der Finſterniß und dem Grabes⸗ dunkel dieſes Elends zu finden vermöge!
Während der Richter, in ſeinem Innern ganz zerriſſen, tiefſinnend und rathlos noch in ſeinem Zimmer ſaß, wurden zwei neue Zeugen angemeldet. Morten Bruns kündigte ſie ihm mit einer Unheil andeutenden Miene an.
Wieder ward alſo das Gericht eröffnet und der Gefangene herbeigeführt, um die Ausſage der neu
hinzugekommenen Zeugen zu vernehmen. Dieſe er⸗
klärten denn:„Daß ſie in der mehrerwähnten Nacht den Weg entlang gegangen wären, welcher zwiſchen
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