Jahrgang 
1860
Seite
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mahnun

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dumpfe Schläge, bemerkten zugleich über der Hecke das Blatt eines Spatens und etwas von dem Schafte, beide Male wie im Schwunge. Damit wurde Alles im Garten ganz ſtill, allein ihnen(der Hirtenwittwe und ihrer Tochter) war gar ängſtlich und ſeltſam zu Muthe geworden und ſie begaben ſich hierauf zu dem Vieh auf die Wieſe hinaus. Dieſelbe Angabe, wie die Mutter, machte auch die Tochter. Der Richter fragte die beiden Weibsperſonen weiter: ob ſie den Niels Bruns nicht hätten aus dem Garten kommen ſehen? was ſie aber, obgleich ſie ſich öfter umgeſehen haben wollten, beide verneinten.

Dieſes Alles ſtimmte mit dem eigenen Berichte des Pfarrers völlig überein. Daß die Frauensper⸗ ſonen den Burſchen nicht hatten aus dem Garten ſpringen ſehen, war auch wahrſcheinlich genug, denn von der Südſeite deſſelben war er dem Walde, wo⸗ hin er zufolge der Ausſage des Pfarrers ſeinen Weg genommen hatte, eben ſo nahe.

Der Richter erklärte nun dem Morten Bruns, daß dieſes abgelegte Zeugniß bezüglich des vermeint⸗ lichen Mordes Nichts beweiſe, um ſo weniger, als der Pfarrer ſelbſt ihm die ganze Sache gerade ſo, wie die beiden weiblichen Zeugen ſie angegeben, freiwillig berichtet habe. Morten aber lächelte bit⸗ ter, und erſuchte den Richter blos, den dritten Zeu⸗ gen, Jens Lorſen, ebenfalls zu vernehmen.

Dieſer erklärte nun:daß er eines Abends es war aber, ſo weit er ſich noch beſinnen konnte, nicht derſelbe Abend, an welchem Niels Bruns fort⸗ gelaufen, ſondern der nachfolgende ſehr ſpät von Tolſtrup nach Hauſe gegangen und den gewöhnlichen Feldpfad, öſtlich an dem Pfarrgarten vorbei, einge⸗ ſchlagen habe. Da habe er in dem Garten ein Ge⸗ räuſch vernommen, ähnlich dem, wenn Jemand eine Grube mache. Im erſten Augenblicke wäre ihm wohl bange geworden; da aber der Mond hell ſchien, entſchloß er ſich, nachzuſehen, wer wohl zu ſolch un⸗ gewöhnlicher Stunde ſich noch im Garten zu ſchaffen machen könnte. Er wäre dann auf die Umfriedung binaufgeklettert und hätte ſich ein kleines Guckloch düͤrch die Kiere gemacht. Hier ſei er dann, zu ſei⸗ nem nicht geringen Erſtaunen, den Pfarrer gewahr geworden, der, in ſeinem gewöhnlichen Schlafrocke, mit der weißen baumwollenen Mütze auf dem Kopfe, die Erde mit einem Spaten gleich und eben machte; etwas Anderes aber hätte er nicht geſehen, denn da der Pfarrer ſich zu gleicher Zeit plötzlich umdrehte, wäre es dem Zeugen bange geworden, er ſei daher ſchnell von der Mauer hinabgegleitet und eben ſo ſchnell nach Hauſe gelaufen.

Obgleich es dem Richter ſehr auffallend war, daß der Pfarrer ſich ſo ſpät noch in ſeinem Garten beſchäftigt haben ſollte, fand er hierin doch nichts Beſonderes, was einen Verdacht wegen des ange⸗ mutheten Mordes erregen konnte. Er äußerte dieß auch gegen den Ankläger, mit der ernſtlichen Er⸗ nicht gllein die Beſchuldigung zurückzuneh⸗ men, ſondern alich öffentlich das umlaufende Gerücht für grumelg zu erklären und zugleich jeden Antheil

aran Al ſich abzulehnen.

Heratſ erwiederte Morten Bruns:nicht eher, als bsSc⸗ veenen, was der Pfarrer in ſeinem Gertee.. hat.

5 m der Richter zur Antwort,

dürfte es zu ſpät ſein und Ihr ſetzet Eure Ehre und Wohlfahrt auf das Spiel.

Das bin ich meinem Bruder ſchuldig, verſetzte Morten barſch,und ich darf von unſerer geſetzlichen Obrigkeit wohl erwarten, daß mir der Beiſtand und die Hilfe des Gerichts nicht verweigert werden wird. Einer ſolchen Aufforderung konnte nun freilich der kiſier ſich nicht länger mehr weigern, Folge zu eiſten.

So begab ſich denn Herr Söfrenſen mit beklom⸗ menem Herzen, weniger aus Furcht, den Niels todt im Garten zu finden, als aus Beſorgniß vor dem Schrecken und Aerger, welchem er den Pfarrer und ſeine geliebte Braut dadurch ausſetzen würde, mit dem Ankläger und den Zeugen nach Weilby. Unter⸗ wegs dachte er blos daran, den Verläumder die ganze Strenge des Geſetzes fühlen zu laſſen; aber ach! barmherziger Himmel! Die ſchrecklichſte Ent⸗ deckung ſtand ihm bevor.

Es war des Richters Abſicht geweſen, den Pfar⸗ rer zuerſt bei Seite zu nehmen, um ihn vorzuberei⸗ ten und ihm Zeit zu geben, ſich von der plötzlichen Ueberraſchung zu erholen und Meiſter ſeiner ſelbſt zu werden; allein Morten Bruns kam ihm zuvor, denn wie Herr Söfrenſen zum Hofe hineinfuhr, jagte dieſer zu Pferde an ihm vorüber, bis zur Hausthüre hin, und in dem Augenblicke, als der Pfarrer dieſelbe öffnete, rief er:Die Leute ſagen, daß Ihr meinen Bruder erſchlagen und in Eurem Garten vergraben habt, und hier komme ich nun mit dem Amtsvogt, um nach ihm zu ſuchen.

Der Pfarrer wurde durch dieſe ganz unerwartete Anrede ſo betroffen, daß er kein Wort hervorbringen konnte, bis auch der Richter, der indeß aus dem Wagen geſprungen war, ihm ſagte:Ihr habt ſo eben die That, deren man Euch beſchuldigt, aus dem eigenen Munde Eures Anklägers vernommen; von Amtswegen bin ich verpflichtet, der Forderung dieſes Mannes Genüge zu leiſten; jetzt erheiſcht es Eure eigene Ehre, daß die Wahrheit an den Tag komme und der Verläumdung das Maul geſtopft werde.

Es iſt ſehr hart, erwiederte hierauf der Pfar⸗ rer,daß ein Mann meines Standes gezwungen werden ſoll, eine ſo gräuliche Anklage von ſich ab⸗ zuwälzen; doch, kommt nur, mein Garten und mein ganzes Haus ſtehen Euch offen. Sie gingen nun Alle durch das Wohnhaus in den Garten. Hier begegnete ihnen Metta, die nicht wenig erſchrack, als ſie den Morten Bruns erblickte. Söfrenſen flü⸗ ſterte ihr ſchnell zu:Sei nur getroſt, mein Herz; gehe hinein und ängſtige dich nicht weiter. uer Feind eilt ſeinem eigenen Verderben entgegen.

Morten Bruns ſchritt nun voran nach der öſt⸗ lichen Seite des Gartens, bis zu dem Dornzaune hin. Die Anderen folgten ihm, ſamt den Leuten des Pfarrers, denen dieſer ſelbſt befohlen hatte, Spaten und ſonſtige Geräthſchaften herbeizubringen. Der Ankläger ſtand eine Weile, ſich umſehend, ſtill, bis jene ihn erreicht hatten. Dann deutete er auf eine Stelle hin und ſagte:Dieß ſieht aus, als ſei hier vor Kurzem gegraben worden; hier müſſen wir nachſuchen.

Grabt! rief der Pfarrer erzürnt. Die Leute machten ſich an die Arbeit, aber Bruns, dem es

ſchien, als ginge die Sache nicht ſchnell genug von