Heft 
(1861) 7 07
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Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor

oder Wodan geheiligt, welcher nur im heiligen Eichen⸗ haine und unter einer Eiche verehrt werden konnte. Auch die Prieſter Wodan's, nach dem römiſchen Ge⸗ brauch Druiden(d. h. Eichenbewohner, von dem griechi⸗ ſchen Worte drys) genannt, wohnten in heiligen Hainen.

Das Andenken mehrerer heiliger Eichen und Haine hat ſich bis auf unſere Zeit erhalten, und manche Volksge⸗ bräuche deuten auf die Heiligkeit der Eiche hin. So war beſonders der Harzwald dem Wodan geheiligt. Bekannt iſt die heilige Wodans⸗ oder Donner⸗Ciche bei Hof⸗Geis⸗ mar in Heſſen, welche Bonifacius oder Winfried, der Apoſtel der Deutſchen, als Biſchof von Fulda in den Jahren zwiſchen 725 bis 731 umhauen ließ, um den zu Bekehrenden zu beweiſen, daß ihr Gott ein ohn⸗ mächtiges Weſen ſei, welches nicht einmal ſeine heilige Eiche ſchützen könne. Berühmt waren ferner die heiligen Eichen bei Mückenberg in Preußen, bei Grünhain in Sachſen, die Bils⸗Eiche bei Kitzingen in Franken u. a. m. Nicht minder herrſchte der Eichenkultus bei den Kelten⸗ und Slaven. Berühmt waren der heilige Eichenhain von Romove(Hromove) und die Eiche von Thorn, welche ſechs Ellen im Durchmeſſer gehabt haben ſoll. Von letzterer erzählt die Sage ſie ſei Sommer und Winter grün geweſen und ſo dicht, daß weder Schnee noch Regen durchdringen konnte. Ferner waren berühmt die heiligen Eichen bei Wehlau, bei Heiligenbeil, Labiau, ſämmtlich im Lande der alten Preußen. Die bekannte Stubbenitz war ein heiliger Eichenhain auf der Inſel Rügen. Unter ſolchen Bäumen opferten die ſlaviſchen Stämme ihrem Gott Perkunos oder Perun, welcher gleichbedeutend mit dem germaniſchen Odin, oder Wodan iſt. Bei Altenburg ſtand die Eiche des Prono oder Prove, bei deſſen Namen die alten Sachſen(Wenden?) ſchwuren, und um ſie her ſollen über 1000 Götzenbilder geſtanden haben. Die Heidenbekehrer waren nicht alle ſolche Eiferer wie Boni⸗ facius, ſtützten im Gegentheil auf die Heiligkeit der Eichen und Haine ihre Bekehrung, indem ſie chriſtlichen Gottesdienſt unter den heiligen Eichen hielten und Ka⸗ pellen dabei und daraunter erbauten, wodurch ſie weit leichter zum Ziele gelangten. Bei den Griechen und Römern war die Ciche dem Zeus oder Jupiter ge⸗ heiligt. Berühmt war der Eichenhain von Dodona in Epirus wegen ſeines Orakels, der Mons Esquilinus in Rom u. a. m. Es knüpfte ſich an dieſen Kultus aber ſchwerlich ein ſo erhabener Gedanke, wie bei den nordi⸗ ſchen Völkern; denn es waren die heiligen Eichen wohl meiſt von der Art mit eßbaren Früchten(Quercus es- culus L., Speiſeeiche), und man hatte vielleicht dabei mehr die Früchte im Sinne, indem alle Bäume mit eichelartigen Früchten(auch die Buche) dem Zeus ge⸗ heiligt waren. Auch bei der Verehrung des Bacchus und bei dem Feſte der ſamiſchen Juno wurden Eichenzweige gebraucht. Von der Eiche leitet man auch das Wort Dryaden ab und bezeichnet damit ſpäter alle Bäume bewohnenden Waldnymphen. Mit der Eiche verknüpften ſich bei Griechen und Römern eine Menge Gebräuche, wenn auch nicht ſämmtlich mit religiöſer Beziehung;

doch nahm man dazu wohl ſelten unſere Eichen, vielmehr

die immergrünen ſüdeuropäiſchen Arten, welche mit Aus⸗

nahme der Blüthe und Frucht mit den unſerigen wenig Aehnlichkeit haben. So iſt es wahrſcheinlich, daß zu Ehrenkränzen, als Bürgerkronen, Sieges⸗ Dichter⸗ und Künſtlerkronen, vorzugsweiſe immer⸗grüne Eichen, deren Laub dem Lorbeer ähnelt, benutzt wurden. Auch bei den häufig in der Bibel erwähnten Eichen darf man nicht an unſere Eichen denken, ſondern vorzugsweiſe an die kleinen immer⸗grünen Arten.

Die Eiche war von jeher und iſt noch bei allen Völkern, welche ſie kennen, das Sinnbild der Kraft und Stärke. In der That gibt es ein beſſeres Symbol in der belebten nordiſchen Natur nicht; denn die Eiche kommt, was ihre Dauer und Widerſtandsfähigkeit betrifft, ſogleich nach den Felſen. Dieſe Eigenſchaften kommen ſelbſtver⸗ ſtändlich nur dem Manne zu, daher die Eiche auch nur mit dem Manne ſymboliſirt werden kann. Von jeher wurden Helden und große Männer mit Eichen verglichen und mit Eichen geehrt. Selbſt in einem niedrigeren Sinne iſt die Vergleichung mit der Eiche noch ehrend. Ein Mannaus Eichenholz geſchnitzt wird immer ein Ehrenmann ſein, wenn auch unbeugſam, hart und halz⸗ ſtarrig oder grob; denn alles, was aus Eichenholz ge⸗ macht iſt, hat Dauer, Güte und Werth. Der Eichenkranz war ſchon im Alterthum ein Ehrenzeichen. Doch ſcheint unſer jetziger Eichenkranz als Lohn für Bürgertugend mehr eine Nachahmung der römiſchen Bürgerkrone (Corona civica) zu ſein, welche zuerſt dem Coriolan verliehen wurde. Daß Kränze und Gewinde von Eichen⸗ zweigen ſehr beliebt bei allen größeren Feſtlichkeiten ſind, mag wohl weniger mit mythiſchen Ueberlieferungen zuſammenhängen, als dem Umſtande zuzuſchreiben ſein, daß ſich von keinem Baume ſchönere Kränze binden laſſen. Neuerdings wurden häufig in Städten Eichen zum Andenken gepflanzt und Denkmäler damit umgeben, um das Andenken großer Männer zu ehren. Eins der her⸗ vorragendſten und ſinnreichſten Beiſpiele dieſer Art iſt die Körnereiche bei Wöbbelin in Mecklenburg, unter welcher Theodor Körner, der deutſche Held und Sänger, begraben liegt. Er konnte nicht ſinniger und höher ge⸗ ehrt werden, als mit dieſem Denkmal und einem Eichen⸗ kranze. Das deutſche Volk hat die Eiche zum Symbol erwählt, oder vielmehr Dichter haben ſeit Klopſtock die Eiche die deutſche genannt und als ſolche gefeiert, obſchon die Mehrzahl des Volkes nichts davon weiß. Abgeſehen davon, daß der Name Teut, wovon wir unſer Teutſch (Deutſch) ableiten, ſchon auf den Baum Odins hinweiſt, haben wir gewiß eine wohlbegründete Berechtigung, den herlichſten Baum unſerer Wälder, den noch lebenden Zeugen alter Zeiten und großer Thaten zum Symbol unſerer Volkskraft zu erwählen, und wenn ich früher die biegſame und fügſame Linde als beſonders dazu befähigt erklärte, ſo geſchah dies mehr aus Ironie auf unſere gemißhandelte Nation und ihre Zähigkeit. Allein wir dürfen uns nur nicht anmaßen, daß wir mehr V Recht auf die Eichen hätten, als andere germaniſche

Völkerſtämme oder als unſere ſlaviſchen Nachbarn, dürfen uns nicht einbilden, daß die Eichen nirgends in ſolcher Herrlichkeit, Größe und Menge erſcheinen, wie in D Deutſch⸗ land. Die Eiche war in Europa überall dem Hauptgott