Heft 
(1861) 5 05
Seite
145
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Das Haberfeldtreiben. 143

Ich gruſſe dich mit gefalte henden deyne gnade walleſtu czu mir wenden wenn ich des lebens nymer habe wen mich man todt tregt czu dem grabe Amen.

Gegruſſet ſeyſtu meyn heyl vnd meyn troſt hilff das ich werde erloſt von ſünden ſchult vnde peyn wen ich nymer auf erden ſal ſeyn Amen.

Ich gruſſe dich vnſer hochſtes heyltum ons armen ſundern czu troſte gome An vnſerem leczten ende Amen.

Gegruſſet ſeyſtu awsfliſſender genoden pach Vnſere arme ſele czu genaden enpfach wenne ſy ſal von vnſerem mude faren vnd brenge ſie an der engel ſchar Amen.

Ich gruſſe dich Maria Frawe meyn Empfoe von mir dys roſenkrenczeleyn das ich dir geſprochen hab Das laß dir iuncfrawen nicht werſmoen Amen.

Ich grüße dich mit gefaltenen Händen, Möchteſt du deine Gnade mir ſpenden, Wenn ich das Leben nicht mehr habe, Wenn man mich todt trägt hin zum Grabe! Amen.

Gegrüßet ſeiſt du, mein Troſt und mein Heil, Hilf, daß mir werde Erlöſung zu Theil Von Sünden⸗Schuld und jeder Pein, Wenn ich nicht werd' auf Erden ſein! Amen.

Ich grüße dich, unſer höchſtes Heilthum, Uns armen Sündern zu Troſte komm; Dereinſt an unſerem letzten Ende (Dein gnädig Antlitz uns zuwende)! Amen.

Gegrüßt ſeiſt du, helllichter Gnadenſtrom, Unß'rer armen Seele zu Hilfe komm'; Wenn ſie ſoll aus unſerem Munde fahren, Bring du ſie zu der Engel Schaaren! Amen.

Ich grüß dich Maria für und für, Empfang dies Roſenkränzlein von mir, Das dir zu Ehren ich gewunden!

O hätt es Gnad bei dir gefunden! Amen.

Das Haberfeldtreiben. (Schluß.)

er Tag vor der Roſi Abreiſe in die Stadt war herangerückt. Alle Vorkehrungen dazu waren auf dem Oedhofe getroffen. Der Abend war ſtill hereingebrochen, nicht ſo ruhig ſollte er zu Ende gehen. Waſt, der alle Hoffnung auf den Beſitz und die Liebe des geliebten Mädchens aufge⸗ geben, hatte unheimliche Zeichen bemerkt und ſie ſeiner Bäuerin mitgetheilt. Arglos ſaß der Akkordant mit ſeiner Braut und dem Oedbauer in der Stube. Sein Kind rief den letztern zur Mutter in die Küche. Haſtig folgte er dem Kinde dahin und fragte ungeduldig:No, wo fehlts denn?

Dort lehnte die Oedbäuerin eben am Fenſter und ſchaute ernſten Blickes in die dunkle Winternacht hinaus; neben ihr ſtand der Waſt; er ſah gleichfalls ſehr ernſt⸗ haft vor ſich hin und blies dabei in die Herdflamme, daß ſie friſch aufflackerte und rothe Funken ſprühte. Still waren ſie alle Beide, kein Laut ließ ſich in dem weiten gewölbten Küchenraume vernehmen, draußen aber pfiff ein kalter Sturmwind vom See herauf, die Bäume krachten, als ob ſie in ihren tiefſten Wurzeln zuſammen⸗ brechen ſollten, und dichte Schneeflocken ſchlugen an das kleine Küchenfenſter, das in den Obſtgarten hinausſah.

Bauer, heut fürcht ich, geits ge noch ebbs Schieches ab! redete der Waſt ſeinen Dienſtherrn an, als dieſer mit dem Moidei herein kam.Wannſt grad derweil haſt, aft, mein! ich, wir geh'n ge noch ein boiß das Haus durch und ſchaun nach, ob die Thüren

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alle gut zu waren. Magſt auch Deinen Stutzen umthun, baldſt n nett bei der Hand haſt!

Für was denn alle die Gſchichten? fragte der Oeder ärgerlich, indem er ſeine Cigarre wieder an⸗ brannte, die im Herausgehen ausgegangen war.Du warſt ja kasweiß, Bua, was ich ſeh, und s Diendl auch. Sakra, was geit' ge noch ab heut, frag' ich?

Was G'wiſſes weiß ich ſelber nöt, Bauer, gab der Waſt ernſthaft zur Antwort;aber ich denk mir halt ſo, ſie möchten heut Nacht ebber noch was B'ſonders im Sinn haben. Derſell Loder, wo nachſt in der Nacht s Haberfeldtreiben ang'ſagt hat, war ebber doch kaum umſonſt bei uns zu kehrt. War gerad im Stall drauß, und hab ſelber geſeh'n, wie etliche ſchwarzgefärbte Ge⸗ ſichter mäuslſtat um den Hof herumſchleichen. Waren ihrer eine ganze Schar beinand, leicht ein paar Dutzend. Aber keiner hat ein Wörtl g'ſagt zu dem andern.

Die Oederin fuhr jetzt mit der Hand über die angelaufenen Fenſterſcheiben und ſchaute ängſtlich in's Freie.Jeſus, dort unter den Bäumen vom See herauf, ſeh ich grad wieder eine Schar daherſchleichen! ſchrie ſie in demſelben Augenblick mit bebender Stimme und ohne umzuſehen,die Einen tragen was Alle gehen ſ' nett auf unſern Hof zul Der Waſt ſprang an's Fenſter, um ſich ſelbſt davon zu überzeugen, ob die Oederin recht geſehen, ſein Bauer aber riß jetzt haſtig die Thür auf, die in den Garten führte, und ging für einen Augenblick ins Freie. Ein naßkalter Wind pfiff um das Haus und wehte die Schneeflocken durch die offene Küchenthür herein. Dabei war es ſtockfinſter im Freien, und nur mit Mühe konnte man den nächſten Baum unterſcheiden. Der Oedbauer ſah ſich erſt eine