den Dichter und Doct. Med. in dieſer doppelten Eigenſchaft mit dem Emir beſchäftigt ſeben. Der zweite Band enthält die Schilderung des heiligen Landes und befaßt ſich vorzugsweiſe mit den jüdiſchen Verhältniſſen, die ſo arg ver⸗ kommen ſind, daß der reiſende Dichter bei ſeinem Abſchiede von Jeruſalem zu den herben Worten ſich gedrängt fühlt: „O hätt' ich niemals deinen Grund betreten Und dich geſchaut nur mit der Sehnſucht Blick!“ „Jehova's Witwe ſeit uralten Tagen, Legt ſie den Schleier ab, getröſtet ſchon?“ „Seh' ich das Heiligſte zu Markte tragen, Scheint ſie vielmehr das Weib von Babylon. Und wenn es noch nicht in Ruinen läge, Das dreimal heilige Jeruſalem, Jetzt müßten es zerſchmettern Gottes Schläge, Zerbrechen ihm das Strahlendiadem.“
De utſche Hiebe. Oeſterreichiſche und preußiſche Soldatengeſchichten von Julius Gundling. 2 Bde. Leipzig, Herman Coſtenoble 1858.
Verfaſſer, den Leſern der„Erinne durch die Novelle„Griechen und Tür ken“ bekannt, gehört zu den produktivſten No velliſten Oeſterreichsn, und man könnte ihn, wenn ſeine lebhafte Phantaſie und die Gabe des leichten Erzählens ihn nicht zuweilen verlockten,
Der rungen“
die Feder ungehemmt laufen zu laſſen, gewiß den vorzüglichen beizählen. Die vorliegende Samm lung enthält 7 Novellen. zwar nicht eng an den geſammten Inhalt au, namentlich fallen:„Ein öſterreichiſch Soldaten lied“ und„Der Kampf um Venedig’“ trotz ibrer Ueberſchrift aus dem Rahmen, auch iſt dem Sol datenleben in ſeiner ſpecifiſchen Eigenthümlichkeit nicht derart Rechnung getragen, daß das Cha rakteriſtiſche arbeit, wie es bei ſolchem Genre üblich, hervor⸗ träte: allein eben die weiter gezogene Grenze und die freiere Bewegung in derſelben gewähren einerſeits den Erzählungen den Vorzug größerer Mannigfaltigkeit, wie andererſeits das allgemein Menſchliche offener zu Tage treten kann. Leb⸗ hafte Darſtellung, ſpannende Situationen, raſcher Fortſchritt der Handlung— dieß ſind Vorzüge, welche dem Werkchen ſein Leſepublikum ſichern werden.
Bad Wartenberg auf Groß⸗Skal und ſeine Umgebung. Prag 1858.
Dieß Büchlein, eine Lücke unſerer Badelite⸗ ratur auszufüllen beſtimmt, entſpricht ſeinem Zwecke derart, daß es Allen, welche in Warten⸗ der Geneſung oder Erbolung ſuchen, als ver
lüßlicher Führer, Allen, welche die eine oder die
andere daſelbſt fanden, als freundliche Erinne rungsblätter auſ’s Beſte empfohlen werden kann.
Reiſen in Centralafrika von Mungo Park bis auf Dr. Barth und Dr. Vogel. Lahr, M. Schauenburg& C. 1858.
Die Anerkennung, welche die erſte Lieferung dieſes Sammelwerkes begrüßte, hat auch die folgenden— es liegen uns jetzt 4 vor— beglei tet. Muß es ſchon ein glücklicher Gedanke genannt werden, die Entdeckungen, welche Männee, eben ſo groß durch ihren Forſchergeiſt, wie durch ibre Selbſtaufopferung, in dieſem noch ſo räthſelhaften Welttheile unternahmen, der Reihenfolge nach in überſichtlicher Darſtellung dem größeren Publi⸗ kum zugänglich zu machen, ſo iſt noch insbeſon dere mit allem Lobe die ganz entſprechende Aus führung dieſer Aufgabe hervorzuheben. Mit Ueber⸗
Der Titel ſchließt ſich
des Standes in ſorglicher Detail⸗
gehung unweſentlicher Details wird das Wichti⸗ gere der fortſchreitenden Entdeckungen und das Intereſſante aus den oft äußerſt ſpannenden Reiſebegebenheiten der Forſcher in friſcher, ge⸗ wandter Sprache mitgetheilt, die mehr zu unter⸗ halten als zu belehren ſcheint. Die Ausſtattung iſt eine ſorgfältige. Namentlich machen wir den Leſer auf die der vierten Lieferung beigegebene Ueberſichtskarte von Nord⸗ und Mittel⸗Afrika auſmerkſam.
Ruſſiſches Leben in geſchichtlicher, kirchlicher, geſellſchaftlicher, ſtaatlicher und commerzieller Be⸗ ziehung: in lauter intereſſanten Begebenheiten, Anekdoten und Reiſebildern dargeſtellt nebſt einer Einleitung in die Streitigkeiten der griechiſchen Kirche mit der römiſch⸗katholiſchen. Von Johann Philipp Simon. 2. Auflage. Berlin. Bei A. Martens. 1858.
Der Titel des Buches, welcher durch ſeine Umſtändlichkeit an die Titelblätter aus dem 16. und 17. Jahrhundert erinnert, läßt faſt eine weitere Spezialiſirung des Inhaltes überflüßig erſcheinen. Nach einer hiſtoriſchen Einleitung, die ungefähr den fünften Theil des Buches um⸗ faßt, führt uns der Verfaſſer ruſſiſches Leben und Treiben, wie er es durch Autopſie kennen gelernt, in behaglich erzählender Weiſe vor. An knüpfend an die Begebenheiten und Erfahrungen ſeiner Reiſe über Riga, Petersburg, Moskau, Kiew, zieht er das Mannigfaltigſte in den Kreis ſeiner Beſprechung, die durch allerhand Anek⸗ doten, hiſtoriſche Rückblicke, Schilderungen ſon⸗ derbaxer Perſönlichkeiten eben ſo weit als bunt wird. Doch dielleicht eben darin liegt ein beſon⸗ derer Reiz des Buches, bei deſſen Lektüve man den Eindruck hat, als ſäße der Verfaſſer an unſerer Seite und ließe in vertraulich geſprächi⸗ ger Weiſe ſeine Reiſeerinnerungen die Revue
paſſiren. Viele Abſchnitte, in denen das That⸗ ſächliche vortritt, ſind recht intereſſant, einige
bingegen, in denen ganz allgemeine, ja banale, dem Gegenſtande fernliegende Reflexionen ſich breit machen, laſſen ſich ohne Verluſt überſchla gen.— Wir haben eine Anekdote, die das Buch unter dem Titel:„Das unverhoffte Glück“ bringt, iu gekürzter Form mit der Ueberſchrift:„Auf
Scheremetiews Rechnung“ ausgehoben. A 8 Anekdoten. Er. Ein Student in Leipzig hatte ſeinen
Wirth auf eine derbe Weiſe behandelt. Als er nun deßhalb vor dem Profeſſor Gottſched, da⸗ maligen Rektor erſcheinen mußte, fuhr ihn dieſen mit den Worten an:„Was hat Ei geuracht rum hat Er ſich an ſeinem Wirth ſo Zröblichede griffen?“—„Ihro Magnifizenz!“ antwortete der Student,„der Schlingel nannte mich Er.“
Das Geſchlecht des Wortes Ei. Leh⸗ rer:„Was für ein Redetheil iſt das Wort„Ei?“ — Schüler Gaudernd):„Ein Hauptwort.“ Leh⸗ rer:„Welches iſt ſein Geſchlecht?“— Schüler (verblüfft):„Das kann ich nicht ſagen.“— Leh⸗ rer:„Ich meine, iſt es männlich, weiblich oder ſächlich?“— Schüler:„Ja, das kann man erſt ſagen, wenn es ausgebrütet iſt.“
Rangunterſchied. Der witzige Dichter eines Kaufmanns mit einem Edelmann, der ihn zuerſt einzutreten bat, was jener aber nicht thun wollte.
Pivon bekomplimentirte ſich vor der Oansthr
zu dem Edelmann:„O machen Sie keine Umſtände, Herr Pivon iſt bloß ein. Dichter.“ Augen⸗ blicklich verſetzte dieſer:„Nun, da einmal mei⸗ nes Ranges erwähnt wird, ſo bitte ich um den Vortritt.“ Und ſomit ging er zuerſt ins Haus.
Geſchichtsexamen. Profeſſor:„Sagen
Sie mir, wie endete Friedrich der Schöne?“ Student:(naiv):„Er ſtarb.“
„Iſt Eſel ein Zeitwort?“ fragte ein Lehrer.„Ja,“ antwortete ein Schüler,„denn man kann ſagen Ich Eſel, Du Eſel, Er Eſel.“
Kurze Kritik. Dies Stück hat kurz' und
6 T̃hüej ere iſt 5 lange Theile, kurz iſt die Kunſt und lang die Weile.
Definition einer ſchönen Frau. Als man Fontenelle einſt um die Definition einer ſchönen Frau anging, ſagte er:„Eine ſchöne Frau iſt ein Paradies für die Augen, eine Hölle für die Seele und ein Fegefeuer für den Beutel.“
Ungleiche Urſachen.„Wie kommt es doch,“ fragte man einen jungen Dichter,„daß es bei der Aufführung Ihres neuen Luſtſpiels geſtern und vorgeſtern ſo leer war?“„Vorge⸗ ſtern war der Regen Schuld daran,“ antwortete er,„und geſtern das ſchöne Wetter.“
Seltſame Titel von Predigtbü⸗ chern. P. Johannes Einſiedel führt in dem „Anhang von ſeltſamen Predigten“ unter ande⸗ ren folgende an:„Ungeſaltzenes und unge⸗ ſchmalzenes, dochwohlgeſchmackes Kirch⸗ tag⸗Suppel, beſtehend in 34 köſtlichen Spei⸗ ſen, d. i. Kirchweyh⸗Predigen“, von Pramb⸗ hofer(Augsburg 1710).„Nutzbares Kräu⸗ ter⸗Büſchelein, d. i. kurze Sonn⸗ und Feyertagspredigten“ von Greitter(Augsburg 1754). Piſtorius hat ein„Allgemeines Klagbhaus“ eröffnet, d. i. Leichenreden(Dilin⸗ gen 1657). Der Kapuzinerpater Am andus gibt ein„Faſten⸗Banket der chriſtlichen Seelen in vier Auftrachten“(Salzburg 1691). Sein Ordensbruder Athanas veranſtaltete die„Ar⸗ gonautenfahrt, d. i. geiſtliche Schifffahrt von dem zeitlichen ins ewige Leben“(Dilingen 1689). Der Jeſuit Pater Bulffer gab in 8 Bänden den„Evangeliſchen Kauffmann, handelnd mit kurzer aber guter Waare“(Ausgsb. 1760). A. Graff gibt einem Kurſus von Sonntags⸗ predigten den Titel:„Belagerung der berr⸗ lichen Hauptſtadt in Engelland mit 37 Kanonen der geiſtlichen Gewalt“(Steyr 1697), Von Areſius haben wir eine„Maria⸗
82 4. Lobtrompeten“, von Chriſtel ſogar
„Luſtiges Sterbejahr“, von Hailman Neufahrspräſenter“,„Spaniſcher Rit⸗ ter“(am Feſte des heil. Jakob),„Kirchweyh⸗ Traktament“,„Geiſtliches Kartenſpiel“, Neuaufgerichtete Apothek“ u. ſ. w.
7*2
Auflöſung der Worte, Wahr⸗ und Sprichworte im Rebus.
VII. 2 orrſche immer, Freund, nach Weisheit.
Aufloſung des Rebus von J. W. St. im
Juli⸗Heſte.
Der Kaufmann bemerkte es und hun Viele Grüße an alle Rebusfreunde!
Redigirt unter Verantwortlichkeit des W. Ernſt.


