Heft 
(1858) 8 08
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rig, das ſchwache und magere Männchen wird ſich nur immer mit großer Vorſicht und ängſt⸗ lichem Reſpekt der majeſtätiſchen Dame nahen, und oft geſchieht es, daß dasſelbe plötzlich mit unerklärlichem paniſchen Schrecken wieder umkehrt und in vollſtem Lauf entflieht.

Das iſt die ſchreckliche Idylle der finſteren Liebe in unſeren Zimmerecken. Bei den Gar⸗ tenſpinnen herrſcht weniger Mißtrauen. Die Natur erweicht die Herzen, und ſelbſt der trok⸗ kene Gewerbfleiß wird durch das Leben auf den Feldern milder. Man kann auf unſeren Bäu⸗ men Spinnen beobachten, die ihre Gatten noch ſo ziemlich behandeln und zu vergeſ⸗ ſen trachten, daß dieſe ihre Jagdkonkurrenten ſind. Sie geſtatten ihnen in derſelben Woh⸗ nung zu leben, obwohl nur ein Weniges ab⸗ ſeits und immer unter Einhaltung einer re⸗ ſpektvollen Diſtanz. Ein leichter Fußboden trennt ſie. Die Prinzeſſin erlaubt ihm unter ihr parterre zu wohnen, während ſie im erſten Stocke reſidirt, ſtreng darauf haltend, daß er ſich als unter ihr, als ſubordinirt betrachte.

Haben die Spinnen wohl Sympathien au⸗ ßerhalb ihres Geſchlechtes? Man ſagt ſo und ich glaube es. Sie ſind von uns viel weniger getrennt, als die wirklichen Inſekten. Sie leben in unſeren Häuſern, haben Intereſſe daran, uns kennen zu lernen und ſcheinen uns zu beobach⸗ ten. Auf Stimmen und Lärm überhaupt geben ſie wohl Acht und vernehmen auch beides zum Verwundern. Gehen ihnen auch die Gehöror⸗ gane der Inſekten ab wofür man die Fühl⸗ hörner halten könnte ſo iſt dafür bei ihnen eben alles Fühlhorn. Ihre übertriebene Wach⸗ ſamkeit, die nervöſe Aufregung, welche ſich bei ihnen überall bemerkbar macht, geben ihnen die lebhafteſte Empfänglichkeit.

Man hat viel von muſikaliſchen Spinnen geſprochen. Eine weniger gekannte Anekdote hierüber iſt ſehr überraſchend. Eines jener klei⸗ nen Opfer, die man vorzeitig zu Virtuoſen macht, der im Jahre 1800 gefeierte Violinſpie⸗ ler Berthome, verdankte ſeine erſtaunlichen Erfolge der ſtrengen Eingeſchloſſenheit, in der man ihn ſich üben ließ. In ſeinem achten Jahre erregte er Bewunderung mit ſeiner Geige, ja er riß die Hörer faſt bis zur Betäubung hin. In ſeiner langwierigen Einſamkeit hatte er ei⸗ nen Kameraden, an den Niemand dachte, eine Spinne.... Sie ſaß erſt in einem Mauerwin⸗ kel, bald aber wagte ſie ſich aus demſelben auf das Notenpult, vom Notenpult auf das Kind, ja bis auf den ſo bewegten Arm, welcher den Fiedelbogen hielt. Dort hörte ſie, eine ge⸗ rührte Dilettantin, zitternd zu. Sie war ein ganzes Auditorium. Der Künſtler bedarf nicht mehr, um ſeine Seele aufzufriſchen, ſich zu be⸗ geiſtern.

Leider hatte das Kind eine Stiefmutter, die eines Tages, als ſie einen Kunſtfreund in das

Heiligthum einführte, das empfindſame Thier auf ſeinem Poſten fand. Ein Pancoffelſchlag und das Auditorium war nicht mehr. Das Kind fiel zu Boden, lag drei Monate hindurch krank darnieder und mußte ſterben.

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Der Arber. Von Eduard Herold. (S. d. Lithographie.)

Von dem hoch und frei gelegenen Gut⸗ waſſer, ſonſt auch St. Günthersbad genannt, verfolgten wir die ſchöne Fahrſtraße, welche über das Plateau nach dem Markt Eiſenſtein führt. Hier oben entſpringt unweit des Zöoll⸗ hauſes der ſchwarze Regen, der ſich nach kurzer, aber angenehmer Wanderung in ein tieferes Thal einfurcht, deſſen Hintergrund durch den majeſtätiſchen, aber ſchon in Baiern ſtehenden Arber begrenzt wird. Je weiter man ſich von Gutwaſſer entfernt, deſto enger werden zu bei⸗ den Seiten der Straße die Streifen Ackerlan⸗ des, und deſto näher treten die dunkeln Wälder an die Straße heran, bis man nach einigen Stündchen angenehmen Wanderns am weſtli⸗ chen Himmel über den Spitzen der Nadelbäume den Bergrieſen Arber, den höchſten Berg des Gebirges erblickt. Noch ein kleines Stündchen und der durſtige Wanderer tritt in das hübſche Eiſenſtein. Glücklich derjenige, der viel Durſt mitbringt; hier iſt die Quelle des beſtgebrauten Gerſtenſaftes, gegen welchen Nektar und Am⸗ broſia wie Berliner Weißbier ſchmeckt.

Vom Markt Eiſenſtein, mit ſeiner ſternartig gebauten Kirche, auf welcher die größte aller Zwiebelkuppeln ſitzt, gelangten wir längs dem Ei⸗ ſenbache, deſſen Geburtsort der hoch und wild ge⸗ legene Teufelsſee iſt, über ſchöne grüne Wieſen zu einer über den ſchwarzen Regen gebauten höl⸗ zernen Brücke, und nachdem wir ſie überſchrit⸗ ten, zu der Glasfabrik Eliſenthal. Hier ver⸗ läßt der ſchwarze Regen, nachdem er bei Ei⸗ ſenſtein den Eiſenbach verſchluckt hat, die böh⸗ miſche Seite und tritt nach Baiern über. Von dieſer Seite aus, ſagten uns die Leute, ſei der Berg am leichteſten zu beſteigen, der bequemere Weg aber führe über Bairiſcheiſenſtein zu den Brennethöfen, welche am Sattel zwiſchen dem Arber und der Seewand liegen. Der beſchwer⸗ lichere aber intereſſantere Weg führt längs dem Arberbache durch einen herrlichen Buchenwald zu den Brennethöfen ſteil hinauf. Ueber dieſem Gebäude erſcheint der Berg als ein ſtumpfer Kegel, den die Buchenregion nicht mehr erreicht und der nun von koniſch wachſenden Fichten bedeckt iſt; auch dieſe werden je höher allmä⸗ lig von Knieholz verdrängt.

Der Berggipfel beſteht aus kahlen Felſen⸗

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kuppen, von den die zwei höchſten an der Oſt⸗ ſeite und die zwei niedrigen an der Weſtſeite ſich erheben. Zwiſchen den zwei größern Kup⸗ pen ſteht eine kleine gemauerte Kapelle, der heil. Anna geweiht, nebenan eine hölzerne Hütte mit einem ſteinernen Herde, auf welchem der übernachtende Wanderer ſich ein Feuer an⸗ machen kann. Die höchſte Kuppe hat 4604 Fuß (ü. d. M.) und iſt die höchſte Spitze des gan⸗ zen Gebirges. Am nördlichen Abhange befin⸗ det ſich der kleine Arberſee, der Urſprung des weißen Regens. An der ſteileren Südoſt⸗ ſeite liegt in einer wilden Felſenſchlucht der große Arberſee, deſſen Abfluß ſich mit dem ſchwarzen Regen verbindet. Südlich unter dem Gipfel liegt eine abhängige ſumpfige Fläche, unter der ſich eine wilde Schlucht, das ſoge⸗ nannte Rüßloch gegen Bodenmais hin öffnet.

Die Ausſicht bei heiterm Wetter(windig iſt's beſtändig da oben) iſt eine der großartig⸗ ſten über das wellenförmige mit lauter Wald bewachſene Terrain. In ſüdöſtlicher Richtung erblickt man in perſpektiviſcher Verkürzung die hohen Grenzgebirge bis zu dem Dreiſeſſel⸗ berg, die höchſte Kuppe iſt hier der Rachel (4580 Fuß). Nordweſtlich taucht die See⸗ wand und der zweizackige Oſſerberg in die Höhe, an dieſen ſchließt ſich in weitere blauer Ferne der hohe Bogen der Cerchow bei Taus und das ganze Oberpfälziſche Waldge⸗ birge an.

Gegen Baiern dehnt ſich parallel mit dem Grenzgebirge ein 3000 hoher Rücken, der bairiſche Wald aus, über welchem ſich ein heller Streifen des Flachlandes zeigt, den die an 80 Wegſtunden entfernten Alpen begrenzen. Gegen Böhmen zu iſt die Ausſicht theilweiſe durch die hohen Waldberge bei Eiſenſtein beſchränkt. Gegen Nordweſt hängt der große Arber mit dem viel niedrigern kleinen Arber zuſammen und iſt gegen Südweſt und Oſt von Vorbergen umlagert.

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Altneuſchule. Synagoge in der Zu⸗ denſtadt in Prag.

Unter den neun Synagogen Prags findet die ſogenannte Altneuſchule, deren Abbil⸗ dung das gegenwärtige Heft bringt, die meiſte Beachtung. Sie iſt ein ſeltſames alterthümli⸗ ches Gebäude mit ſchmalen gothiſchen Fenſtern. Die ſchwarze dicke Kruſte, mit der ſie überzogen

iſt, gibt ihr ein düſteres Ausſehen. Der Sage nach iſt ſie von den erſten Flüchtlingen aus Jeruſalem erbaut. Am Gewölbe hängt eine Fahne, welche Ferdinand III. der Juden⸗ ſchaft für die 1648 bei der Belagerung von Prag bewieſene Tapferkeit ſchenkte.