Zur fecture.
dej Allerlei.
—
M. Waſſermann, Wahre Liebe. Stuttgart. Kitzinger. 1864.
Wir ſind dem Verfaſſer bereits vor einigen Jahren bei Gelegenheit 2 einer Erzählung aus dem Orient begegnet und haben ſchon damals die große Begabung desſelben bereitwillig anerkannt. Das vorliegende Buch 3 bringt uns drei kleine Geſchichten,„Paule, der Sackzeichner“,„Der 4 wackere Vetter“,„Hülfe zur rechten Zeit“, welche aus der Gegenwart und unſerer nächſten Umgebung gewählt ſind, denen wir nachrühmen dürfen, daß ſie zu dem beſten gehören, was wir im Genre der volksthümlichen Ug 3 Geſchichte geleſen haben. Wir würden„Dorfgeſchichte“ ſagen, hätte man vel⸗ ſich nicht gewöhnt, mit einer ſolchen Bezeichnung gewiſſermaßen ein Ur⸗ dei theil zu verbinden, das häufig leider zu Recht beſteht, nicht minder häufig 4 ete aber nichts als ein Vorurtheil iſt, welches durch die Geſchichten nicht be⸗
f gründet wird. Denn nicht deßwegen kann man die„Dorfgeſchichten“
liche verwerfen, weil ſie uns auf einen Schauplatz führen, der uns allgemach
Ixgen ausgenützt und langweilig erſcheint, ſondern wir können ein ſolches Ur⸗
theil nur dann rechtfertigen, wenn wir den Dichter auf dies Lokal und
in dieſe Menſchen Dinge, Begriffe und Ideen übertragen ſehen, welche
nicht dahin gehören, wenn wir finden, daß er ſich und uns nur mit dem
Typus abplagt, der allerdings durch eine ſeit zwanzig Jahren überreich
ſeine aufgeſchoſſene Litteratur mehr als bekannt geworden; während derjenige,
des der den Menſchen in ſeiner Individualität und das Leben in ſeinen fei⸗ an neren Zügen aufzufaſſen verſteht, auf dem Dorfe noch heute den gleich guten und neuen, dem einſichtigen Leſer willkommenen Stoff finden wird, wie vor jenen zwanzig Jahren. Das ſehen wir hier. Der Verfaſſer ſchöpft aus dem Volk und dem Leben des Dorfes; wir ſtoßen auf keine


