478 Was einem Juden vor 200 Jahren paſſirte. Von J. H. Müller.
gegeben, habe ich ihm wieder geſagt, er würde ſich erinnern, daß ich von ihm hätte müſſen für 24 Thaler Diamanten kaufen, wobei er mir auf ehrliche Parole verſprochen, daß ſie gut ſeien; ſofern ſie aber ſollten nicht gut ſein, ſollte ich wieder mein Geld ohne einige Contradiction haben. Es iſt aber befunden, daß die Diamanten falſch ſind und wenig oder gar nichts gelten. Als ich auf keine Weiſe mein Geld wieder kriegen konnte, habe ich endlich von dem Herrn Oberſtlieutenant, dem Kommandanten zu Dömitz, einen Spruch darüber begehrt; weil aber der Herr General⸗ Major nicht da, ſondern verreiſt war, gedachter Kommandant ſelbſt deß⸗ halb mir keine Audienz verſtatten, auch keinen Spruch darin ertheilen wollen, alſo habe ich meine Reiſe von Dömitz wieder nach Dannenberg nehmen wollen. Inzwiſchen aber ſoll der Herr General⸗Major vor ſeiner Abreiſe befohlen haben, ehe und bevor ich wegreiſte, ſollte ich einen hal⸗ ben Thaler zum Zoll für meine Perſon im Zollhauſe geben, ſo ich auch habe thun müſſen. Auf dieſes bin ich erlaſſen und am Dienstag den 6. Auguſt 1678 wieder zu Dannenberg angelangt.
Den Bericht über dieſe Erlebniſſe hat Levin Salomon unterzeichnet und zwar,„weil er nicht deutſch kann ſchreiben, ſo hat er ſeinen Namen auf Hebräiſch geſchrieben.“ Die Thatſachen ſind verwunderlich genug, indeſſen läßt der Bericht, der nach der Erzählung Levin Salomons ver⸗ muthlich von einem Rechtskundigen abgefaßt iſt, Manches zwiſchen den Zeilen leſen. Dömitz lag an der Elbe, hart am Lüneburgiſchen Gebiete, und das Benehmen Salomons mochte den Verdacht erregen, mit Hülfe der vom Rittmeiſter Weißell zurückgelaſſenen Ordonnanzreiter heimliche Werbung treiben zu wollen. Daher mochten anderſeits die Mecklenburger gern die Ringgeſchichte zum Vorwand nehmen, um an dem Juden den Groll auszulaſſen, den ſie höher Geſtellten zu zeigen keine genügende Veranlaſſung fanden. Vor uns liegt immer nur die Darſtellung des Mißhandelten. Auch das verdient Beachtung, daß Levin Salomon den eigentlichen Prozeß in Hamburg anzuhängen Willens iſt, indeſſen ſeine Leidensgeſchichte als Anhang zu ſeinem Geſuche um die Gerechtſame des Tabakshandels auch der Lüneburgiſchen Regierung mittheilt— gleichſam als ob die ihm wiederfahrene Mißhandlung eine beſondere Begründung ſeines Geſuches ſein dürfte. Dies aber, ob er wirklich für etwaige im Intereſſe Lüneburgs geleiſtete Dienſte hat dulden müſſen, iſt von ihm ſelbſt direkt nicht ausgeſprochen.


