Jahrgang 
2 (1864)
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Von J. H. Müller. 477

wieder in die Cortegaſſe(Block?) gebracht, allda ich fünf Tage liegen mußte, aber kein Balbirer zugelaſſen wurde, der nach mir hätte ſehen oder mir Salbe ſchicken können.

Was für Schmerzen und Wehetage ich gelitten, iſt leichtlich zu er⸗ achten, dennoch mußte ich des andern Tages, wie ich aus der Karre ent⸗ laſſen war, auf Befehl des Herrn General⸗Major nach Hamburg an die Juden hebräiſche Briefe ſchreiben, daß ſie für mich 300 Dukaten Ranzion ſchicken ſollten. Auf dieſes kam ein Jude von Hamburg, ſo geſehen, wie ich tractirt war, welcher ſtracks nach dem Herrn General⸗Major gegangen, ſeine Parole von ſich gegeben, daß der Herr General⸗Major mir nichts mehr ſollte zuwider laſſen thun, ſondern aus den Schlöſſern mich losgeben und wieder in des Wachtmeiſter⸗Lieutenant Haus oder Loſament in Arreſt bringen laſſen. Denn wir Juden aus Hamburg wollen ein Stück Geldes zuſammenbringen und dem Herrn General⸗Major laſſen zuſtellen. So wurde ich aus den Schlöſſern entlaſſen und kam zum Arreſt in des Wacht⸗ meiſter⸗Lieutenant Haus.

Hierauf vierzehn Tage nachher ſind Briefe an den Herrn General⸗ Major aus Hamburg von dem Herzog Chriſtian Ludwig von Mecklenburg durch einen expreſſen Boten geſandt worden, des Inhalts, daß der Gene⸗ ral⸗Major mich cito ſollte loslaſſen. Dennoch hat er mich noch drei Tage in Arreſt behalten und mich gezwungen, eine Handſchrift von mir zu geben, erheblich auf 100 Thaler, wegen Zehrungskoſten und anderer Un⸗ pflichten, da ich doch de propriis(von meinem eigenen Gelde) gelebt, ſo mir auf 60 Thaler gekommen. Dieſe geforderten 100 Thaler ſoll ich alle Quartal mit 14 Thalern abtragen, und was er an unterſchiedlichen Punkten von mir mehr begehrt, habe ich gleich gezwungen conſentiren und mit in dieſelbe Handſchrift rücken müſſen. Darauf ich denn einen Eid ſchwören müſſen, daß ich ſolches an Keinem, er ſei wer er auch wolle, an Ort und Stelle wo es wolle, rächen noch gedenken ſollte und wollte. Auf dieſes bin ich von dem Herrn General⸗Major wiederum auf freien Fuß geſtellt und entlaſſen worden. Im Abgehen, wie ich nun an die Wache gelangt, bin ich von dem Wachtmeiſter Lieutenant wieder allda in Arreſt genommen und gehalten worden, ihm für 8 Wochen, da ich in ſeinem Loſament in Arreſt geweſen und auf der Bank gelegen, 8 Thlr. zu geben. Weil ich nun ſolche nicht ſofort konnte erlegen, habe ich ihm gleichfalls eine Verſchreibung darüber geben müſſen.

Nachdem ich gedachtem Wachtmeiſter⸗Lieutenant ſolchen Schein hatte