Jahrgang 
2 (1864)
Einzelbild herunterladen

472 Was einem Juden vor 200 Jahren paſſirte.

weg, ſondern auch ein churbrandenburgiſch Markſtück von 8 ggr. Als ich nun Angezogenes vermißte, habe ich mich ſofort zu dem Herrn Lieu⸗ tenant Bock verfügt und ſelbigem meinen Verluſt wie das Benehmen ſeines Dieners erzählt, bittend, der Herr Lieutenant wolle mir einen Rath geben, daß man davon ein wenig Nachricht erlangen möchte, und daneben den großgünſtigen Gefallen erweiſen, ſich in etwas darnach zu erkundigen. Ich wäre Willens, nicht zu klagen, ſondern nur um Rath zu fragen, und wenn er mir den Ring wieder könnte zu Handen bringen, ſo wollte ich ihm einen guten Recompens verehren. Wie ich ſolches geſagt, bin ich darauf weggegangen. Kurz, wie er iſt aufgeſtanden, iſt er darauf zu mir in mein Quartier gekommen, hat mich gar ſtark angegriffen, ſagend: Jude, du ſollſt mit mir nach dem General⸗Major gehen! Ich aber ent⸗ ſchuldigte mich und ſagte, ich hätte allda nichts zu thun, endlich aber habe ich mit ihm gehen müſſen.

Als wir nun beide dort angelangt, verklagte der Lieutenant mich bei demſelben: ich hätte ſeinen Diener vor einen Dieb angeſprochen, ſolches wolle er bewieſen haben. Der Herr General⸗Major hat mich darauf ſcharf examinirt und nach der Sache Inhalt befragt. Ich habe zur Ant⸗ wort gegeben: Ew. Excellenz, ich hab's nicht ſo gemeint, ſondern dem Herrn Lieutenant meine Noth hinterbracht und ihn um Rath gefragt; und ſagte weiter: daß ſein Diener, nämlich des Lieutenants, etlichemale bei meiner Ficken geweſen, darin gegriffen, daß ich davon erwacht und ſeine Hand in meiner Taſche oder Ficken ertappt, das iſt wahr. Und daß mir der Ring nebſt dem churbrandenburgiſchen Markſtücke von 8 ggr. aus meiner Ficken iſt weggekommen, das iſt auch wahr aber ich will nicht darüber klagen, ſondern nur um Rath fragen. Und ſo Ew. Ex⸗ cellenz mir wieder zu dem Ringe verhelfen könnten, wie ich denn fleißig darum bitte, ſo will ich's ſchon wieder zu erſetzen wiſſen.

Darauf der Herr General⸗Major geſagt: Jude, die Sache ſollſt du beweiſen, daß des Lieutenants Diener dir den Ring und das Markſtück geſtohlen hat, und du greifſt nicht den Diener an, ſondern ſeinen Herrn, den Cavalier, und zudem nicht allein dieſen, ſondern du ſchändeſt mich mit meiner ganzen Garniſon; daraus iſt zu ſpüren oder zu präſumiren, daß du ſolches mit dem Lieutenant wolleſt unterſtecken; alſo präſentire ich dir, Jude, für's Erſte den Arreſt an, den ſollſt du in deinem Quartier